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Online-Modehändler Was für einen erfolgreichen Börsengang von About You spricht – und wo es noch Probleme gibt

Tarek Müller, Gründer des Onlinehändlers, nennt detailliertere Geschäftszahlen als üblich. Kommt der IPO der Otto-Beteiligung? Was nun dafür spricht.
14.04.2021 - 10:00 Uhr Kommentieren
Tarek Müller ist Chef von About You. Quelle: Johannes Arlt für Handelsblatt
Modehändler

Tarek Müller ist Chef von About You.

(Foto: Johannes Arlt für Handelsblatt)

Hamburg, Düsseldorf Der Online-Modehändler About You steht offenbar kurz vor dem Börsengang – knapp sieben Jahre nach Vorreiter Zalando. Tarek Müller, Mitgründer und Gesicht von About You, gibt mit den Jahreszahlen einen Einblick in die Börsenstory.

Die Marktgerüchte um einen IPO möchte er nicht bestätigen, aber: „Wir haben immer gesagt, dass ein Börsengang eine Möglichkeit sein kann, uns einen flexiblen Kapitalzugang für weiteres Wachstum zu verschaffen.“ Offenbar ist für ihn jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen: Operativ habe About You im Quartal bis Ende Februar erstmals einen bereinigten operativen Gewinn vor Abschreibungen (Ebitda) erreicht.

Damit ähnelt das Bild von About You heute stark der Situation von Zalando bei dessen Börsengang (IPO) im Jahr 2014. Der Börsengang wäre auch ein Erfolg für die Otto Gruppe, die About You 2014 in Hamburg gegründet hatte. Sie hält laut Geschäftsbericht knapp 45 Prozent der Stammanteile.

Drei Argumente von Müller sprechen für den Erfolg eines Börsengangs – doch es gibt auch drei große Herausforderungen:

Argument 1: About You wächst in die Profitabilität

Wie Zalando 2014 hat auch About You im abgelaufenen Geschäftsjahr die Umsatzmarke von einer Milliarde Euro überschritten, 1,17 Milliarden Euro kamen zusammen. Der bereinigte operative Verlust vor Abschreibungen (Ebitda) lag 2020/21 bei 36 Millionen Euro.

Im Vorjahr verzeichnete About You 743 Millionen Euro Umsatz und 70 Millionen Euro Ebitda-Verlust. Unterm Strich lag der gesamte Verlust damals bei 81 Millionen Euro, wie aus dem Geschäftsbericht der Otto Gruppe hervorgeht. Für 2019/20 ist diese Kennzahl noch nicht veröffentlicht.

Mit einem Umsatzplus im Geschäftsjahr 2020/21 von 57 Prozent liege das Unternehmen nur wenig unter dem Tempo der beiden Vorjahre. „In der Coronazeit hat gerade unsere junge Zielgruppe allgemein weniger Mode gekauft. Trotzdem sind wir stark gewachsen“, sagte Müller. Der Mitgründer interpretiert die Zahlen – besonders das vierte Quartal – als Zeichen dafür, dass About You in die Profitabilität wachsen könne.

Die Vermutung, der Modehändler könne bei den Werbeausgaben gespart haben, um vor einem möglichen IPO einen operativen Quartalsgewinn ausweisen zu können, wies Müller zurück: „Wir sind weiterhin langfristig orientiert. Kurzfristig am Marketing zu sparen wäre nicht sinnvoll.“ Vielmehr sinke der Anteil des Marketings am Umsatz stetig mit der Größe.

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Zalando allerdings war beim Börsengang schon weiter: Die Berliner konnten damals für das erste Halbjahr nicht nur operativ, sondern auch unter dem Strich einen kleinen Gewinn ausweisen. Auch aktuell ist Zalando weitaus ertragsstärker: Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebit) hat sich von 225 Millionen auf 420,8 Millionen Euro fast verdoppelt.

Argument 2: About You erschließt neue Märkte

Ein Wachstumstreiber im vergangenen Jahr: About You ist in 13 weiteren europäischen Ländern an den Start gegangen. „Wir haben das vom Homeoffice aus geschafft und dabei alles digital umgesetzt, ohne dass jemand von unserem Team beruflich in das Land reisen musste“, sagte Müller. Ganz so schnell werde es aber nicht in weitere Länder gehen, noch nicht überall sei die nötige große Startkampagne angelaufen.

Der Umsatz außerhalb der deutschsprachigen Länder ist im Vergleich zum Vorjahr um 145 Prozent auf 464 Millionen Euro gewachsen. Zugleich hat sich die Verlustmarge (Ebitda) in diesen Ländern von 29 Prozent auf 18 Prozent verringert.

Auf Zukäufe hat About You bislang weitgehend verzichtet. Das soll auch künftig so bleiben. „Organisches Wachstum ist meist kapitaleffizienter als Akquisitionen“, sagte Müller.

Argument 3: About You kann dank Software mehr als Mode

Seit vier Jahren baut About You ein Softwaregeschäft auf. Dazu lizenziert es seine selbst entwickelte Shop-Anwendung im Abomodell an andere Onlinehändler. Müller will damit eine Alternative zu Salesforce und SAP bieten.

Inzwischen zahlt sich das Geschäftsfeld aus: Bei 84 Millionen Euro Umsatz trug das Softwaregeschäft zehn Millionen Euro zum bereinigten operativen Gewinn vor Abschreibungen (Ebitda) bei. Kunden sind neben Onlineshops aus der Otto Gruppe sowie Bestseller auch Marc O’Polo und der Einrichter Depot.

„Das Segment hat richtig an Fahrt aufgenommen“, erklärt Müller. Er kann mit dem Geschäftsfeld den Onlinehändler About You auch als B2B-Techanbieter positionieren – ein Ansatz, den etwa Amazon in viel größerem Stil mit Erfolg fährt.

Herausforderung 1: About You ist nicht die Nummer eins

Der Berliner Konkurrent Zalando ist fast siebenmal größer als About You. Zuletzt kam er auf knapp acht Milliarden Euro Umsatz. Auch in neuen About-You-Märkten wie Spanien ist Zalando bereits aktiv. Der britische Konkurrent Asos ist mit 3,3 Milliarden Pfund Umsatz ebenfalls deutlich größer als About You.

Die Größe bringt Vorteile bei Einkauf und Werbung. Zalando hat das Ziel ausgerufen, mehr als zehn Prozent des 450 Milliarden Euro großen europäischen Modemarkts für sich zu gewinnen. Für About You bleibt so in vielen Märkten nur der undankbare Platz zwei oder drei.

Müller betont dagegen, sein Unternehmen sei bei jüngeren Kunden Marktführer. Zudem binde es Kunden besser durch personalisierte Angebote und starke Zusammenarbeit mit Influencern. Das sind Punkte, die bei About You seit dem Start fester Teil des Konzepts sind, sich beim älteren Anbieter Zalando erst mit der Zeit entwickeln mussten. Allerdings: Ältere Kunden sind in der Regel kaufkräftiger als die Jugend.

Herausforderung 2: Die Anteilseigner

About You ist eine Gründung der Otto Gruppe. Sie hält noch 44,6 Prozent der Stammanteile und 53,3 Prozent der Stimmrechte. Später kam die skandinavische Investmentholding Heartland des Bestseller-Chefs Anders Holch Povlsen dazu, der auch bei Zalando zu den frühen Investoren gehörte. Im einstelligen Prozentbereich sind auch German Media Pool und Seven Ventures, der Investmentarm von Pro Sieben Sat 1, beteiligt. Sie zahlen für ihre Anteile mit Werbezeit.

Zalando hatte vor dem Börsengang mehr erfahrene Start-up-Investoren wie Rocket Internet an Bord. Bei einem Börsengang dürften die Investoren daran interessiert sein, Anteile abzugeben. Das reduziert die Mittel, die direkt an About You als Wachstumsgeld fließen. Die Otto Gruppe hat zuletzt mit Teilverkäufen etwa bei Hermes gezeigt, dass sie Geld einnehmen will.

Zugleich ist der Modehändler operativ mit dem größten Anteilseigner verbunden. Laut Otto-Geschäftsbericht erzielte die Gruppe im Geschäftsjahr 2019/20 rund 136 Millionen Euro Umsatz mit Dienstleistungen für About You und verdiente damit 13 Millionen Euro.

Müller sagte, in wesentlichen Punkten wie dem Einkauf sei About You selbstständig, ansonsten ein Otto-Kunde wie andere E-Commerce-Anbieter auch. Auch beim Versand setze das Unternehmen nicht allein auf den Hauslogistiker Hermes. Andererseits kann About You so auf etablierte Partner mit stabilen Familieneignern zählen. Ohne die Otto Gruppe wäre About You schlicht nicht entstanden.

Herausforderung 3: Nachhaltigkeit

Gerade bei der jungen Zielgruppe von About You gewinnen Themen wie Klimaschutz an Bedeutung. Erst im September 2020 erklärte sich der Onlinehändler für CO2-neutral. Doch auch beim Thema Nachhaltigkeit konkurriert About You mit Zalando.

Beide bauen Secondhand-Plattformen auf, um Mode in der Kreislaufwirtschaft zu erhalten, und wollen mehr nachhaltig produzierte Produkte einsetzen. Müller verweist darauf, mehr Kleidungsstücke aus zweiter Hand im Angebot zu haben, er spricht von 400.000. Zudem sei erklärtes Ziel, die Gebrauchtplattform ohne Gewinnabsicht zu betreiben.

Sich selbst nennt Müller dabei als Beispiel: Er kaufe Mode meist gebraucht und trage sie, „bis sie auseinanderfällt“. Das neue Geschäftsfeld ist also gut für Ökobilanz und Image, aber nicht Teil der an den Börsen obligatorischen Gewinnoptimierung.

Fazit: Ist About You börsenreif?

Die Kennzahlen und das Umfeld sprechen dafür, dass About You ein IPO glücken könnte – selbst ohne Gewinn. Der verlustreiche Konzern Delivery Hero hat es schließlich bis in den Dax geschafft. Allerdings veröffentlicht About You bislang nur rudimentäre Zahlen: Umsatz und Ebitda.

Eine genaue Bilanzanalyse ist damit noch nicht möglich. Auch ist unklar, zu welcher Bewertung About You an die Börse will und in welchem Umfang die Bestandsaktionäre Kasse machen wollen. Hoffnung dürfte potenziellen Anlegern das Wachstumstempo machen, die Marktposition weit hinter Zalando wiederum Skepsis wecken.

Die Zeichen für den Börsengang mehren sich jedenfalls: Die Holding firmierte vor einigen Tagen zur AG um. Und auch die Offenheit bei den Ebitda-Zahlen ist neu – Müller holte eine Kommunikationsagentur hinzu, die oft bei Börsengängen unterstützt. Inwieweit weitere Dienstleister oder Banken bereits mandatiert sind, wollte Müller nicht sagen.

Auch Haupteigner Otto hält sich bedeckt. „Dass die langfristige Zielsetzung für About You ein Gang an die Börse ist, haben Gesellschafter und Vorstand der Otto Group schon vor längerer Zeit auch öffentlich bekannt gegeben. An aktuellen Marktgerüchten beteiligen wir uns nicht“, erklärte ein Sprecher auf Anfrage.

Mehr: Zalando Aktie - fünf Gründe für die Erfolgsstory

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