Online-Modehändler Zalando ist längst kein Start-up mehr

Zalando hat den Online-Handel revolutioniert: Mittlerweile ist aus dem Start-up ein MDax-Konzern geworden. Doch das reicht dem Modehändler noch nicht – er ist dabei, sich wieder einmal neu zu erfinden. Eine Analyse.
Der Online-Händler will eine Technologieplattform für Mode werden. Quelle: dpa
Zalando

Der Online-Händler will eine Technologieplattform für Mode werden.

(Foto: dpa)

BerlinZalando ist schon lange kein Start-up mehr. Vor acht Jahren versendeten Robert Gentz und David Schneider ihre Schuhe noch von einer Altbauwohnung aus. Heute baut der MDax-Konzern in der Mitte von Berlin ein neues Gebäude mit sieben Stockwerken und 29.000 Quadratmetern – in dem aber nicht einmal alle 10.000 Mitarbeiter von Zalando Platz finden werden.

Auch die Jahreszahlen, die der Modehändler heute vorlegte, zeigen, dass Zalando der Start-up-Phase entwachsen ist: Zwar stieg der Umsatz um ganze 34 Prozent auf 2,96 Milliarden Euro. Unter dem Strich steht aber auch ein Gewinn: Von 121,5 Millionen Euro, nach 47,1 Millionen im Vorjahr.

Dreimal hat Zalando die Wachstumsprognose im vergangenen Jahr angehoben. Anfang des Jahres war der Vorstand noch davon ausgegangen, dass der Umsatz zwischen 20 und 25 Prozent steigen würde. Bis zu 4,5 Prozent des Umsatzes sollten unter dem Strich stehen bleiben. Jetzt sind es nur 3,6 Prozent.

Von Z wie Zalando bis Z wie Zalando
Platz 10: Zalando Lounge
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Zalando Lounge ist der Rabattwarenladen des Online-Versandhändlers. Nutzer dieses Portals müssen sich registrieren. Danach bekommen sie Angebote mit bis zu 70 Prozent Rabatt. Die Mitgliedschaft in der Zalando Lounge ist kostenlos.

Umsatz (2014)*: 71,8 Millionen Euro**

*Quelle: Statista, EHI Retail Institute

**umfasst Einnahmen der Online-Shops in Deutschland im Segment Bekleidung, Schuhe und Textilien

Platz 9: Walbusch
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Bis in die 1960er-Jahre verkaufte Walbusch neben Herrenkleidung auch Elektrorasierer und Haushaltswaren. Später konzentrierte sich der Konzern auf den Verkauf von Herrenmode. Bekannt ist das Unternehmen für sein Hemd mit dem Walbusch-Kragen ohne Knopf. Zunächst war Walbusch nur als Versandhändler tätig. Erst 2009 wurde die erste Filiale eröffnet. Im Handelsblatt-Interview erklärte Firmenchef Christian Busch: „Die Frau entscheidet, was gekauft wird“.

Umsatz: 72,2 Millionen Euro

Platz 8: C&A Online
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Einst hatte C&A die Konfektionsgrößen eingeführt. Seitdem avancierte der Modekonzern zu den größten Bekleidungsherstellern Deutschlands. C&A beschäftigt mehr als 36.000 Menschen. Seit 2008 bietet der Konzern seine Kleidung auch im Internet an. Allerdings ist der Anteil des Internetgeschäfts gemessen am Gesamtumsatz in Deutschland (über drei Milliarden Euro) noch gering.

Umsatz: 79,3 Millionen Euro

Platz 7: s.Oliver
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s.Oliver kommt nicht wirklich in Fahrt. Seit Jahren kämpft der Modekonzern mit wirtschaftlichen Problemen. Zwar konnte der Umsatz im vergangenen Jahr leicht gesteigert werden, doch das Online-Geschäft weist entgegen des Trends rückläufige Zahlen vor. 2013 lag der Online-Umsatz bei 127 Millionen Euro. Im Jahr darauf sanken die Einnahmen um mehr als 16 Millionen Euro.

Umsatz: 110,8 Millionen Euro

Platz 6: Brands-4-Friends
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Im Umsatzranking auf Platz sechs ist die Private Sale GmbH aufgelistet. Hinter dem Unternehmen steckt brands4friends.de. Das ist eine kommerzielle Online-Community, die im Internet eine spezielle Sortimentsausrichtung anbietet. Zugang zum Angebot erhalten Interessenten nach einer Registrierung. brands4friends.de bot im September 2007 in Deutschland als erste Mode-Online-Community ihren Dienst an. Seitdem konnten die Erlöse kontinuierlich gesteigert werden.

Umsatz: 114,6 Millionen Euro

Platz 5: Esprit
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Der Online-Handel hat dem Moderiesen Esprit stark zugesetzt. Erst nach und nach erholt sich der Konzern – auch dank eines eigenen Online-Angebots. Mit einem Umsatz von mehr als 162 Millionen Euro positioniert sich Esprit in Deutschland auf dem fünften Platz.

Umsatz: 162,5 Millionen Euro

Platz 4: Heine
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Die Heinrich Heine GmbH gehört zu den ersten Modeversandhändlern in Deutschland mit eigenem Online-Shop. Bereits 1996 konnten Kunden ihre Ware im Internet bestellen. Seit 2009 wird der Fokus auf das E-Commerce zunehmend verstärkt.

Umsatz: 204 Millionen Euro

Der Grund: Zalando hat im vergangenen Jahr kräftig investiert und mehr als 2000 Mitarbeiter eingestellt, vor allem in der Technik. Der Modehändler ist dabei, sich wieder einmal neu zu erfinden: Vom reinen Online-Händler hin zur Technologieplattform für Mode.

Man nehme ein Produkt und verkaufe es im Internet – vor sieben Jahren galt das noch als revolutionär, heute ist es ein alter Hut. Auch wenn die Marke Zalando in Deutschland einen Bekanntheitsgrad von über 90 Prozent hat, müssen die Kunden immer wieder durch teure Werbung zum Kauf animiert werden.

Das will Zalando ändern. Das Unternehmen gibt offen zu, dass es den Trend zum mobilen Internet zunächst verschlafen hat. Umso kräftiger steuert Zalando jetzt gegen. Mit kleinen, agilen Teams sollen neue Lösungen erarbeitet werden, die den Kunden in die Zalando-Welt locken und dort halten. Ein Beispiel ist die App Amaze, die in diesem Jahr vorgestellt wurde, ein Netzwerk aus hunderten von Modebloggern, die immer wieder neue Outfits präsentieren, die von den Nutzern via Zalando nachbestellt werden können. Oder Zalon, eine Art Einkaufsberater, bei dem Stylisten dem Kunden ein für ihn passendes Outfit zusammenstellen sollen.

Im vierten Quartal bestellten knapp 60 Prozent der Kunden via Smartphone oder Tablet, ein Jahr zuvor waren es 48 Prozent. Die Zahl aktiver Kunden wuchs um 22 Prozent auf rund 18 Millionen zum Jahresende.

Wichtig sind aber auch die Shop-in-Shop-Systeme, die Zalando nach dem Vorbild von Amazon aufgebaut hat. Hier können Marken ihren Auftritt selbst gestalten und ihr Warenwirtschaftssystem an Zalando anschließen. Im Gegenzug führt ihnen die Plattform Käufer zu – und wertvolle Kundendaten, die sie im Offline-Geschäft nicht generieren könnten.

Unter dem Label Zalando Media Solutions will das Unternehmen künftig Marken in Sachen digitaler Werbung beraten. Für dieses Geschäft hat Zalando 2015 etwa das Werbe-Start-up Metrigo gekauft, sowie den Datenanalysten nugg.ad.

Volker Bosse, Analyst von der Baader Bank, ist zufrieden mit den Zahlen. Die Investitionen in die Plattform, in Technik und Marketing seien „strategisch wichtig und richtig“. „Wir sehen bei Zalando gerade ein Feuerwerk von Innovationen“, sagt Bosse. Das sei aber auch notwendig, schließlich würden nicht nur Wettbewerber wie Amazon auf den Modemarkt drängen, auch angestammte Händler und Marken hätten die Digitalisierung inzwischen verstanden. „Zalando hat den Vorteil des First Movers – aber den muss es kontinuierlich weiter ausbauen“, sagt Bosse.

Auch im nächsten Jahr will Zalando 200 Millionen Euro in den Ausbau von Technologie und Logistik stecken. Vorstandsmitglied Rubin Ritter kündigte ein Logistikzentrum an. Bei der Umsatzprognose begann er wieder vorsichtig: Angestrebt sei das obere Ende der Bandbreite von 20 bis 25 Prozent an. „Das bleibt ein ambitioniertes Ziel, nur wenige Firmen weltweit wachsen in einem solch schnellen Tempo“, sagte Ritter. Schließlich ist Zalando auch kein Start-up mehr.

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