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Amazon-Logistikzentrum in Bengaluru

Noch vor kurzem hatten Beobachter gehofft, dass Indien einen ähnlichen E-Commerce-Boom erleben könnte wie China im vergangenen Jahrzehnt.

(Foto: Bloomberg)

Onlinehändler Amazon muss in Indien Tausende Produkte aus dem Angebot entfernen

Neue Investmentregeln der Modi-Regierung zwingen Onlinehändler, viele beliebte Artikel aus dem Programm zu nehmen. Ein reicher Inder dürfte davon profitieren.
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BangkokWäre Amazon eine Supermarktkette, dann stünden die indischen Kunden des US-Konzerns plötzlich reihenweise vor leeren Regalen: Über Nacht musste das Unternehmen auf seiner Indien-Plattform kräftig ausmisten: Beliebte Modeartikel verschwanden aus dem Angebot, auch Küchenzubehör, Ladekabel oder Schreibtischstühle waren betroffen.

„Momentan nicht verfügbar“, war unter Fotos der bisherigen Kassenschlagern zu lesen. Selbst die Produkte wie Amazons E-Book-Reader Kindle und der intelligente Lautsprecher Echo wurden aus den digitalen Verkaufsflächen in Indien geräumt. 

Grund für den unfreiwilligen Frühjahresputz sind neue Regeln, die die Regierung von Premierminister Narendra Modi relativ überstürzt erlassen hat: Wenige Tage nach Weihnachten kündigte sie erhebliche Beschränkungen für Online-Händler an, die sich im Besitz ausländischer Investoren befinden.

Betroffen ist davon auch Amazons Hauptkonkurrent in Indien, das Start-up Flipkart, das im vergangenen Jahr für 16 Milliarden Dollar von dem US-Handelskonzern Walmart übernommen wurde. Mit 1. Februar traten sie in Kraft. Auch das Flehen der beiden Unternehmen nach zumindest ein paar Monaten Aufschub brachte nichts.

Gemäß den neuen Vorschriften dürfen Amazon und Flipkart auf ihren Online-Marktplätzen ab sofort keine Produkte von Händlern vertreiben, bei denen sie selbst Anteilseigner sind. Außerdem ist es ihnen nicht mehr erlaubt, Exklusivverträge mit Herstellern abzuschließen, die sich damit verpflichten, ihre Produkte nur auf einer der Plattformen zu vertreiben.

Analysten und Marktforscher rechnen mit einem kräftigen Dämpfer für die Handelskonzerne in dem 1,3 Milliarden Einwohner großen Land, das sowohl Amazon als auch Walmart als wichtigen Zukunftsmarkt betrachten.

Bei Amazon ist das Geschäft auf dem Subkontinent Chefsache. Firmengründer und Vorstandschef Jeff Bezos hatte angekündigt, mehr als fünf Milliarden Dollar in dem Land zu investieren. Sein Geschäftsmodell musste er jedoch anpassen, weil schon bisher strenge Regeln galten.

Hunderte Millionen Dollar Umsatz könnten verloren gehen

So durfte Amazon Produkte nicht direkt an Kunden verkaufen, sondern nur Händlern eine Plattform bieten. An den großen Händlern war Amazon aber selbst beteiligt. So betrieb es die Anbieter wie Cloudtail, die Tausende Produkte auf Amazon vertrieben, als Gemeinschaftsunternehmen mit lokalen Partnern.

Im Fall von Cloudtail war es Infosys-Gründer Narayana Murthy, Amazon gehören 49 Prozent der Firma. Die von dem Unternehmen angebotenen Produkte mussten nun verschwinden.

Auch Kleidung von dem indischen Einzelhändler Shopper’s Stop waren nicht mehr verfügbar – Amazon gehören fünf Prozent an dem Unternehmen. Flipkart musste unter anderem die Waren seiner Modetochter Myntra aus dem Programm nehmen. Unternehmenschef Kalyan Krishnamurthy hatte zuletzt vor signifikanten Störungen für die Kunden gewarnt, die durch die neuen Regeln verursacht würden.

Eine unveröffentlichte Analyse des Prüfungs- und Beratungsunternehmens PwC, über die die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, ergab, dass die neuen Regeln alleine im laufenden Geschäftsjahr Umsatzverluste in der Höhe von Hunderten Millionen Dollar verursachen könnten. Das indische Beratungsunternehmen Technopak Advisors schätzte, dass das erwartete Umsatzwachstum der Konzerne von 25 bis 30 Prozent auf 15 Prozent fallen könnte.

Noch vor kurzem hatten Beobachter gehofft, dass Indien einen ähnlichen E-Commerce-Boom erleben könnte wie China im vergangenen Jahrzehnt. 2017 gaben die Inder zwar erst 20 Milliarden Dollar für Einkäufe im Internet aus. Ein Report der Investmentbank Morgan Stanley ging aber davon aus, dass sich die E-Commerce-Umsätze in dem Land bis 2026 auf 200 Milliarden Dollar verzehnfachen könnten.

Amazons Finanzchef Brian Olsavsky sagt, die Situation in Indien sei gerade im Fluss. Man sehe in dem Land auf lange Sicht aber immer noch eine große Chance. Das Unternehmen begann am Freitag damit, sich auf die neue Lage einzustellen. Produkte wie der Lautsprecher Echo wurden im Lauf des Tages wieder verfügbar. Angeboten wurden sie von einem neuen Händler, der offenbar die nun geltenden Bedingungen erfüllt.

Beobachter vermuten, dass Modis Regierung mit den neuen Vorschriften im Wahljahr Beliebtheitspunkte bei den vielen kleinen Geschäften in Familienbesitz sammeln möchte. Die lokalen Unternehmen und Tante-Emma-Läden fühlen sich von den Onlineriesen bedroht.

Als ein Gewinner der neuen Regeln könnte aber auch Modis Freund, der Milliardär und reichste Inder Mukesh Ambani hervorgehen. Er betreibt mit seinem Mischkonzern Reliance Einzelhandelsketten in Indien und plant, groß in das E-Commerce-Geschäft einzusteigen. Die Schwächung der Konkurrenz dürfte ihm dabei sehr gelegen kommen.

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