Onlinehändler Amazon will mit Verdi nicht über Tarifvertrag verhandeln

Das Glanz-Image von Amazon hat dicke Kratzer bekommen. Mit Gesprächen über einen eigenen Tarifvertrag könnte sich das ändern, doch der Konzern lehnt ab. Es gebe zu wenig Gemeinsamkeiten für Verhandlungen, heißt es.
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Zu wenig Gemeinsamkeiten für Tarifverhandlungen: Amazon betont, gute Löhne für Logistiker-Verhältnisse zu zahlen. Quelle: dpa

Zu wenig Gemeinsamkeiten für Tarifverhandlungen: Amazon betont, gute Löhne für Logistiker-Verhältnisse zu zahlen.

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München/BerlinDer in die Kritik geratene Versandhändler Amazon will mit der Gewerkschaft Verdi nicht über einen Tarifvertrag verhandeln. Zwar sei das Unternehmen bereit, informelle Gespräche fortzusetzen – es sehe derzeit aber „zu wenige Gemeinsamkeiten, um Verhandlungen aufzunehmen“, teilte eine Amazon-Sprecherin am Donnerstagabend in München auf Anfrage mit. „Von Verdis scharfen Angriffen und Anschuldigungen in den letzten Tagen sind wir enttäuscht.“

Zuvor hatte die Gewerkschaft Verdi mitgeteilt, Amazon wolle keine Tarifverhandlungen. Verdi-Verhandlungsführer Jörg Lauenroth-Mago nannte dies „völlig unakzeptabel“. Er kritisierte nach einem Gespräch mit der Amazon-Geschäftsführung am Standort Leipzig: „In der aktuellen Lage muss Amazon doch alles für ein besseres Image tun. Dazu gehört, wer viel von seinen Beschäftigten hält, muss auch bereit sein, faire Arbeitsbedingungen tariflich zu vereinbaren.“

Amazon war nach Berichten über die Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern unter Druck geraten und hatte sich von einem Sicherheitsdienst und einem Dienstleister getrennt.

Die Gewerkschaft kämpft um höhere Löhne für die fest angestellten Beschäftigten des Versandhändlers. An den Standorten Leipzig und Bad Hersfeld in Hessen hätten erste Gespräche mit dem US-Unternehmen stattgefunden, hatte der Frankfurter Verdi-Sekretär Bernhard Schiederig am Montag gesagt.

Verdi verlangt, dass Amazon den Flächentarifvertrag für den Einzelhandel anerkennt. Daraus würden sich deutlich höhere Stundenlöhne ergeben. Bislang orientiere sich das nicht tarifgebundene Unternehmen am Tarifvertrag für die Logistikbranche.

Amazon dagegen teilte mit, in seinen deutschen Logistikzentren 8.000 feste Arbeitsplätze geschaffen zu haben, davon allein 2.000 in den vergangenen 12 Monaten. Die Vergütung der Mitarbeiter liege am oberen Ende dessen, was in der Logistik üblich sei.

  • dpa
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7 Kommentare zu "Onlinehändler: Amazon will mit Verdi nicht über Tarifvertrag verhandeln"

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  • Ne, Leser, die Gewerkschaften vertreten eben überhaupt nicht die Arbeitnehmerinteressen, sondern werden von fetten Bonzen geführt, die mit den Bossen von Großfirmen kungeln und ihre eigenen Mitarbeiter so obermies behandeln, wie sich das kein Unternehmer erlauben würde. Gewerkschaften vertreten nur die Interessen einer kleinen Klientel, vernichten durch irrwitzige Forderungen Arbeitsplätze und sind nicht nur überflüssig, sondern kontraproduktiv. Und wie sie sich in Sachen Umweltschutz verhalten, ist an Perversion kaum noch zu toppen.

  • Mit Verdi würde ich auch keine Gespräche führen. Zum Glück gibt es noch andere, kleinere Gewerkschaften. Ohne die hätte so manche Branche nämlich in den letzten Jahren keine Tarifabschlüsse verzeichnen können.

    Spielmann

  • Vom Inhalt her ist das ja nicht der einzige Kommentar, der in das Horn bläst, dass wir keine Gewerkschaften mehr brauchen.
    Scheinbar ist es wirklich so, dass viele Arbeitnehmer so satt und zufrieden sind, dass sie den Wert der Arbeitnehmerrechte nicht mehr kennen und schätzen.
    Es braucht wohl noch Zeit, bis auch die Arbeitnehmer (Zeitarbeiter, Subunternehmer, Arbeitnehmer mit festem Vertrag und ein bisschen Führungsverantwortung) diesen Wert und diese *Notwendigkeit* wieder erkennen.

  • Ich verstehe Amazon, dass sie Verdi außen vor lassen. Ich hätte nicht anders entschieden. Bei Bsirske könnte ich nur Pofalla zitieren...

  • Wer mit einer Terrororganisation wie Verdi (eine Minderheit terrorisiert die Mehrheit und nimmt sämtliche deutschen Bürger in Haft, die über steigende Preise die Irrwitzforderungen dieser Typen bezahlen dürfen und die Folgen von Streiks am eigenen Leibe ausbaden müssen) verhandelt, hat doch nicht alle Tassen im Schrank. Gewerkschaften sind überkommene Relikte einer völlig anderen Vergangenheit, die sich auf Kosten anderer an ihre Pfründe klammern und unsäglich mit den eigenen Mitarbeitern umgehen. Moderne Arbeitnehmervertretung sieht völlig anders aus und muss etwa auch die Subunternehmer mit einschließen und von Unternehmen zu Unternehmen maßgeschneidert sein, nicht der populistische Antikapitalistische Flachhammer der Gewerkschaftbosse, die Wasser predigen, aber klammheimlich Wein saufen, gern auch mit Konzernbossen, die sich über das Plattmachen des Mittelstandes freuen.

  • Da prallen Welten aufeinander. Verdi, von den Arbeitsbedingungen und Verdiensten des Öffentlichen Dienstes und dessen paradiesischen Gegebenheiten geprägt, will wieder mal, ohne Gewichtung, einem im Existenzkampf des Marktes stehenden Konzern, erzählen, wie er zu funktionieren habe. Selbst wie die Made im Speck sitzen und nur unangemessene Forderungen stellen ist kontraproduktiv, denn das immerwährende Geldfordern und dabei von "Arbeitsbedingungen" faseln, bewirkt Verdi nur eine schnellere Geldentwertung. Null Nutzen für die Amazonmitarbeiter, höchstens ein Nullsummenspiel nach Steuern und Abgaben.
    Mit dem Verein würde ich auch nicht reden und den Mitarbeitern das zugestehen, was geschäftlich und situationsgerecht machbar ist.
    Daß Verdi, wie der kleine Häwelmann, immer nur "mehr" jammern kann haben diese oft genug bewiesen.

  • amazon hin oder her, mit verdi sollte niemand mehr irgendwelche verträge abschliessen.

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