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Onlinehändler Erben des Ex-Chefs verklagen Weinhändler Hawesko

Auf der Hauptversammlung wollte der Firmenchef seine Erfolge im Kampf gegen die Coronakrise feiern. Doch nun holt das Unternehmen die Vergangenheit ein.
18.08.2020 - 15:40 Uhr Kommentieren
Der Umsatz mit Wein ist in der Coronakrise deutlich gestiegen. Quelle: dpa
Filiale der Hawesko-Tochter Jacques' Weindepot

Der Umsatz mit Wein ist in der Coronakrise deutlich gestiegen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Im Grunde könnte sich Thorsten Hermelink beruhigt zurücklehnen. Denn der Konzernchef hat den Hamburger Weinhändler Hawesko überraschend gut durch die Coronakrise geführt. Zwar ist der Handel mit Geschäftskunden nach Schließung der Restaurants deutlich eingebrochen. Doch den Umsatzausfall konnte das Unternehmen durch den gut laufenden Onlinehandel mit Privatkunden mehr als kompensieren.

Die Bilanz im zweiten Quartal: Der Umsatz stieg um 13 Prozent auf 153,8 Millionen Euro. Der operative Gewinn (Ebit) sprang sogar um 85 Prozent auf 9,2 Millionen Euro. „Wir konnten im zweiten Quartal an die positive Entwicklung des ersten Quartals anknüpfen – trotz der schwierigen Rahmenbedingungen durch die Corona-Pandemie“, berichtete Hermelink kürzlich mit einem gewissen Stolz.

Doch kurz vor der Hauptversammlung an diesem Donnerstag tut sich für den 51-Jährigen eine ganz andere Baustelle auf. Die Erben des ehemaligen Vorstandschefs Alexander Margaritoff – seine Kinder im Alter von sieben und zwölf Jahren – haben das Unternehmen vor dem Landgericht Hamburg verklagt.

Margaritoff, der das Unternehmen bis 2015 geleitet hatte, ist 2016 verstorben. Nach Angaben der Klägerseite hatte das Unternehmen ihm im Anstellungsvertrag als Vorstand eine Lebensversicherung zugesichert. Doch nun weigert sich das Unternehmen offenbar, die Versicherungssumme auszuzahlen.

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    „Das Unternehmen sagt, es sei nur eine Versicherung für den Fall eines Unfalltodes abgeschlossen worden“, erklärt Rechtsanwalt Sebastian Naber, der die Kläger vertritt. Da Margaritoff an Krebs gestorben ist, wäre das Unternehmen in dem Fall nicht zur Zahlung verpflichtet. Dies aber widerspreche dem Wortlaut des Vertrags, so Naber.

    Außergerichtliche Einigung ist gescheitert

    Außerdem sei der Passus in Margaritoffs Aufhebungsvertrag übernommen worden, als er 2015 das Unternehmen verließ. Und eine reine Unfallversicherung mache aus Sicht eines Unternehmens für einen Ex-Vorstand wenig Sinn.

    Da alle Versuche einer außergerichtlichen Einigung scheiterten, reichte Naber für seine Mandanten schließlich Klage ein. Der Streitwert beträgt rund 1,2 Millionen Euro. Das Unternehmen selbst äußert sich nicht zu dem Fall.

    Hawesko wird damit von einem turbulenten Kapitel in der Firmengeschichte eingeholt. Margaritoff hatte das Unternehmen 1981 von seinem Vater übernommen und den 1964 gegründeten Versandhandel zu Deutschlands größtem Onlinehändler für Wein ausgebaut. Auch die Filialkette Jacques‘ Weindepot mit 320 Läden gehört zum Unternehmen.

    Der ehemalige Chef des Schuhhändlers Görtz hat Hawesko neu ausgerichtet. Quelle: Hawesko
    Thorsten Hermelink

    Der ehemalige Chef des Schuhhändlers Görtz hat Hawesko neu ausgerichtet.

    (Foto: Hawesko)

    Doch 2014 entbrannte ein Machtkampf um Hawesko. Margaritoff, der damals mit 30 Prozent größter Aktionär war, wehrte sich gegen einen aus seiner Sicht feindlichen Übernahmeversuch des börsennotierten Unternehmens durch Aufsichtsrat Detlev Meyer und seine Tocos Beteiligung GmbH.

    Letztlich setzte sich Meyer, Gründer der Textilholding CBR (Cecil, Street One), in dem Streit durch. Nach erbittertem Widerstand gab Margaritoff auf, verkaufte seine Anteile für einen dreistelligen Millionenbetrag an Tocos und legte auch den Vorstandsvorsitz nieder. Meyer holte Hermelink, den damaligen Chef des Schuhhändlers Görtz, an die Unternehmensspitze.

    Dieser richtete das Unternehmen neu aus. Mit Übernahmen, neuen Filialen und einer stärkeren Digitalisierung fand er auf den Wachstumskurs zurück. Im vergangenen Jahr kündigte der Diplom-Kaufmann weitere Investitionen von 30 Millionen Euro an, um das Unternehmen noch schneller vom Katalogversender zum E-Commerce-Unternehmen umzubauen.

    Doch statt nur nach vorn zu schauen, muss er sich nun auch wieder mit der Vergangenheit beschäftigen. Am 6. November treffen sich die Parteien zur mündlichen Verhandlung vor dem Landgericht Hamburg – Ausgang ungewiss.

    Mehr: Weinhändler Hawesko hadert mit der Konkurrenz.

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