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Onlinehändler Prime Day beschert Amazon Umsatzrekord – allerdings mit bitterem Beigeschmack

Der Schnäppchentag hat in diesem Jahr erneut Milliardenumsätze gebracht. Dritthändler jedoch erlebten teilweise Überraschungen mit dem US-Konzern.
  • Erika Schönenberger
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Prime Day beschert Amazon Umsatzrekord Quelle: Bloomberg
Amazon-Versandzentrum in Koblenz

Der Prime Day 2019 sei erfolgreicher gewesen als Black Friday und Cyber Monday im vergangenen Jahr zusammen, teilte der Plattformbetreiber mit.

(Foto: Bloomberg)

Düsseldorf Manche Tage können weitaus länger als 24 Stunden dauern: Die fünfte Ausgabe von Amazons Shopping-Festival Prime Day zum Beispiel wurde erstmals zwei volle Tage durchgeführt. Und es sieht ganz danach aus, dass dabei wieder ein Umsatzrekord erzielt wurde. Sucharita Kodali, Analystin beim US-Marktforschungsinstitut Forrester, schätzt die Einnahmen weltweit auf fünf bis sechs Milliarden Dollar.

Amazon selbst nennt keine Umsatzzahlen, jubelt aber über das Geschäft. Der Prime Day sei erfolgreicher gewesen als Black Friday und Cyber Monday im vergangenen Jahr zusammen, teilte der Plattformbetreiber mit. Rund 175 Millionen Produkte seien weltweit abgesetzt worden. Für Amazon sei es das größte Shopping-Event in der Firmengeschichte gewesen.

Experten sind etwas verhaltener. „Obwohl der Prime Day dieses Jahr zwei Tage dauerte, rechnen wir mit einem Rekord, aber nicht mit einer Verdoppelung des Umsatzes“, sagt Nils Zündorf, Managing Director von Factor-a, einer Agentur, die sich auf die Beratung von Amazon-Händlern spezialisiert hat und rund 200 Marken vertritt, darunter auch Großkunden wie Warsteiner, Montblanc und Fissler. Das Shopping-Festival sei eher zögerlich angelaufen, außerdem seien vielerorts bereits Sommerferien.

Dennoch machten die Dritthändler gute Geschäfte: „Der Umsatz der teilnehmenden Händler hat im Vergleich zu einem normalen Tag um den Faktor fünf bis 20 zugenommen.“ Zündorf geht zudem davon aus, dass auch Händler ohne Schnäppchenangebote ihre Einnahmen proportional zu den höheren Besucherzahlen steigern konnten. Besonders beliebt waren wie in den vergangenen Jahren elektronische Produkte wie Staubsauger, Notebooks und Rasenmähroboter.

Marketplace-Händler Johannes Kliesch ist mit dem Prime Day zufrieden. Er hat dieses Jahr zum ersten Mal daran teilgenommen. Sein Mannheimer Start-up Snocks vertreibt online Socken und Unterwäsche, 70 Prozent der Umsätze erwirtschaftet er über den Online-Marktplatz. Die Logistik habe reibungslos funktioniert.

Während Amazon in den vergangenen Jahren wegen schnell geleerter Warenlager in der Kritik stand, hat der Online-Riese dieses Jahr offenbar nachgebessert. Zündorf kann Klieschs Eindruck bestätigen: „Amazon hat die Abwicklung deutlich besser durchgeführt als in den vergangenen Jahren.“

Höhere Ausgaben für Marketing notwendig

Auch mit den Einnahmen ist der Jungunternehmer zufrieden: „Wir haben am Prime Day den Umsatz eines halben Monats erwirtschaftet.“ Trotzdem liege dieser zehn bis 15 Prozent hinter den Annahmen. „Wir hatten aufgrund der Rekorde in den vergangenen Jahren hohe Erwartungen.“

Für den niedrigeren Umsatz macht Kliesch die unübersichtliche Kategorisierung der Schnäppchen verantwortlich sowie der Umstand, dass nur gesponserte Deals in den Suchergebnissen als solche gekennzeichnet waren. Da man sich dessen im Vorfeld nicht bewusst gewesen sei, musste man kurzfristig die Werbeausgaben deutlich steigern.

Berater Zündorf kann dies bestätigen: „Werbemaßnahmen, um in der Suche als Deal angezeigt zu werden, sind relevanter geworden. Der Wettbewerb beim Marketing hat deutlich zugenommen.“ Die Dritthändler hätten ihr Werbebudget gegenüber dem Vorjahr gar verdoppelt und dieses Jahr weniger Umsatz pro eingesetztem Euro fürs Marketing zu verzeichnen.

Außerdem hat der amerikanische Online-Riese großen Marken mehr Platz eingeräumt und Spezialvereinbarungen mit ihnen getroffen. Kleinere Kunden seien dadurch eher in den Hintergrund geraten.

Obwohl die Dritthändler bei den Schnäppchentagen nicht nur wegen Preisabschlägen, sondern auch für die Kennzeichnung von Deals Abstriche machen müssen, ist Kliesch vom Konzept überzeugt: „Der Prime Day ist für uns deshalb attraktiv, weil wir dank des Rückenwinds von Amazons Werbung und mit geringen Preisnachlässen viele Neukunden gewinnen können.“

Im Segment für Socken und Unterwäsche mit hoher Wiederkaufrate ist die gesteigerte Sichtbarkeit an den Schnäppchentagen umso wertvoller. Darum ist für den Mannheimer klar: „Wir sind nächstes Jahr auf jeden Fall wieder mit dabei.“

Mehr: Warum der Prime Day für die Amazon-Händler kein Feiertag ist. Dritthändler machen fast die Hälfte des Amazon-Umsatzes aus. Doch vom groß inszenierten Prime Day der Onlineplattform profitieren sie nur bedingt.

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