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Onlinehandel Amazon-Deutschlandchef: Deutsches Steuerrecht fördert Vernichtung von Retouren

Amazon-Händler würden gerne mehr unverkaufte Waren spenden, statt sie zu vernichten. Doch sie sind gezwungen, für die gute Tat Umsatzsteuer zu zahlen.
13.11.2020 - 14:11 Uhr 3 Kommentare
Wenn ein Händler nicht mehr verkäufliche Waren spenden will, muss er in Deutschland Mehrwertsteuer zahlen. Quelle: imago/Pressedienst Nord
Logistiklager von Amazon

Wenn ein Händler nicht mehr verkäufliche Waren spenden will, muss er in Deutschland Mehrwertsteuer zahlen.

(Foto: imago/Pressedienst Nord)

Düsseldorf Die Handelsplattform Amazon startet in Frankreich jetzt das Spendenprogramm „FBA Donations“. Dabei spenden Händler, die den Amazon-Versandservice (FBA) nutzen, Artikel, die sich nicht mehr verkaufen lassen, an gemeinnützige Organisationen – statt sie zu vernichten. Amazon verwaltet dabei den Spendenprozess und stellt sicher, dass die Waren die bedürftigen Menschen erreichen.

Gerne würde das US-Unternehmen dieses Programm auch in Deutschland starten. Doch es gibt dafür eine große Hürde: Wenn ein Händler einen Artikel spendet, muss er nach deutschem Steuerrecht trotzdem die Umsatzsteuer an den Fiskus abführen – obwohl er überhaupt keinen Umsatz gemacht hat. Eine Ausnahme davon gibt es nur für verderbliche Lebensmittel.

„Das ist eine Belastung, die vor allem kleine und mittelgroße Unternehmen – wie unsere Verkaufspartner – oft nicht stemmen können“, kritisiert Ralph Kleber, Deutschlandchef von Amazon, in einem Blogpost. „Oder in anderen Worten: Produkte zu spenden ist teurer, als sie zu entsorgen – und das können sich viele kleine Unternehmen nicht leisten“, erklärt er.

Der Onlinehandel – und dabei besonders Amazon – ist in der Vergangenheit oft dafür kritisiert worden, dass ein Teil der retournierten Waren entsorgt wird, weil sie nicht mehr verkäuflich sind. Eine Forschergruppe der Uni Bamberg schätzt, dass knapp vier Prozent der zurückgeschickten Waren in Deutschland vernichtet werden, das wären rund 20 Millionen Artikel pro Jahr.

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    Amazon selbst betonte immer wieder, dass Waren schon aus eigenem Interesse nur vernichtet werden, wenn es keine andere Lösung gibt. So ist der Händler in etlichen Fällen, etwa bei Plagiaten, bei abgelaufenem Haltbarkeitsdatum oder bei sicherheitsrelevanten technischen Mängeln ohnehin gesetzlich verpflichtet, die Ware zu entsorgen. In der Regel versuchen Onlinehändler, Retouren entweder selber wieder aufzubereiten und weiterzuverkaufen, oder sie geben sie Unternehmen ab, die sich auf die Zweitverwertung spezialisiert haben.

    Belgien und Frankreich haben die Gesetze geändert

    Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (BEVH) hat schon im vergangenen Jahr zusammen mit Steuerexperten von EY Vorschläge gemacht, wie die Rechtslage in Deutschland geändert werden könnte, um das Spenden von Retouren zu erleichtern.

    „Ohne die Hürden, die es unnötig erschweren oder gar vereiteln, Ware, die noch gebrauchsfähig ist, aber nicht mehr verkauft werden kann, einem sozialen Zweck zuzuführen, würden viel mehr Produkte gespendet“, betont Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des BEVH.

    Amazon spendet auch in Deutschland bereits Artikel, die aus seinem eigenen Verkauf stammen, an gemeinnützige Organisationen. Dabei führt der US-Konzern die Umsatzsteuer an die deutschen Finanzbehörden ab.

    Seit 2013 arbeitet Amazon beispielsweise mit Innatura zusammen. Das Sozialunternehmen vermittelt nicht mehr verkäufliche Waren an Bedürftige. Es unterhält einen Onlinekatalog, aus dem gemeinnützige Organisationen gegen eine Vermittlungsgebühr die Waren bestellen können.

    „Als unserem zweitgrößten Spender verdanken wir Amazon die Sortimentsbreite von Innatura – wir können in unserem aktuellen Katalog über 1.200 verschiedene Artikel anbieten, von der Akku-Bohrmaschine bis zur Zahnpasta“, sagt Innatura-Gründerin Juliane Kronen.

    Das Programm „FBA Donations“ würde diese Spendenpraxis in Deutschland auch für die Dritthändler erleichtern, die über die Plattform von Amazon verkaufen und ihre Waren in Amazon-Lagern liegen haben. „Ein großes Spendenpotenzial – das unserer Verkaufspartner bei Amazon.de – bleibt bisher ungenutzt“, betont Amazon-Deutschlandchef Kleber. Länder wie Frankreich und Belgien haben bereits entsprechende Gesetzesänderungen gemacht.

    Wie groß dieses Potenzial sein könnte, zeigt das Beispiel USA und Großbritannien. Dort hat Amazon schon vor einem Jahr das Programm „FBA Donations“ eingeführt. In diesem Zeitraum wurden mehr als 20 Millionen unverkaufte oder retournierte Artikel gespendet.

    „Wir stehen in den Startlöchern, dieses Programm auch nach Deutschland zu bringen – wenn es die Gesetzeslage hergeben würde“, berichtet Kleber. Dafür sei das Unternehmen im Dialog mit politischen Entscheidern – denn es brauche auch hierzulande einen Regulierungsrahmen, der es Amazon und anderen Unternehmen ermögliche, solche großen Spendenprogramme aufzusetzen.

    Mehr: Kleine Händler nutzen Amazon und Ebay als Sprungbrett für den Export

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    3 Kommentare zu "Onlinehandel: Amazon-Deutschlandchef: Deutsches Steuerrecht fördert Vernichtung von Retouren"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Das ist ja gut und schön und vor allem zum Vorteil für Amazon. Gerade im Bezug auf Nachhaltigkeit und Ansehen. Aber hier sollte man meiner Meinung nach den Ersten vor dem Zweiten Schritt machen. Warum sind es denn so viele Retouren? Weil jeder Online ohne zu überlegen kaufen und zurückgeben kann, wie man möchte. In einer Zeit, wo gefühlt jeder Bürger über unzureichende Klimaziele spricht, Verbrennungsmotoren am besten verbieten möchte, ein Unding, das abgestellt werden sollte. (Dass Retouren auch irgendwie transportiert werden müssen vergisst man ja gerne.) Danach kann man dann über steuerliche Belastung beim Spenden des noch übrigen Retouren-Rests sprechen. Aber Amazon ist es scheinbar lieber, sich über steuerliche Belastung durch das Verschenken von zu viel "Schrott" zu beschweren, statt evtl. Umsatz zu verlieren, wenn die Menschen zwei Mal nachdenken würden, bevor sie was bestellen.

    • Heilige Kühe, wie das Steuerrecht werden in Deutschland nur ungern geschlachtet. Schade, daß vernünftige Vorschläge oft so lange benötigen um durch den behördlichen Dschungel anerkannt zu werden. Bis dann die tatsächlich Realisierung eintritt, hat sich ja dann auch oft die Situation wiederum grundlegend geändert. Entscheidungshierarchien und überbewertete und überbezahlte Strukturen, nicht nur auf Staatsseite stehen da gerne als inszenierte Wetzsteine im Raum. Btw. das deutsche Wort Amt/Beamte kommt von Ombud=Diener, Gefolgsmann. Ich frage mich oftmals, wer dient hier wem? Der Bürger dem Staatsapparat oder umgekehrt? Den Eindruck, daß Bürger von bürgen kommt werde ich nicht mehr los. Viel Glück beim Warten auf sinnvolle Änderungen.

    • (...) Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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