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Onlinehandel Amazon schafft Tausende neuer Arbeitsplätze in Deutschland

Der Onlineriese wächst rasant und sucht deshalb zusätzliche Mitarbeiter. Den Vorwurf, die Arbeitsbedingungen seien schlecht, weist der Deutschlandchef zurück.
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Für die Lager werden trotz hoher Automatisierung ständig neue Mitarbeiter gesucht. Quelle: Bloomberg
Arbeiter im Amazon-Logistikzentrum Koblenz

Für die Lager werden trotz hoher Automatisierung ständig neue Mitarbeiter gesucht.

(Foto: Bloomberg)

Düsseldorf Der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt, für seinen Pragmatismus berühmt, war davon überzeugt: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“ Ralf Kleber, der Deutschland-Chef von Amazon sieht das etwas anders. „Wer Visionen hat, sollte zu Amazon gehen“, sagt der Manager. „Wir suchen Menschen, die sich für digitale Innovationen begeistern und Neues erfinden möchten.“

Und davon sucht der Onlineriese einige. Rund 2800 zusätzliche unbefristete Jobs will das Unternehmen in diesem Jahr allein in Deutschland schaffen. Damit wächst die Zahl der Mitarbeiter in Deutschland dann auf mehr als 20.000. Eingestellt werden soll ein breites Spektrum an Spezialisten, darunter Softwareentwickler, Sprachwissenschaftler, Logistikexperten und IT-Fachleute.

Insgesamt hat Amazon mittlerweile 35 Standorte in Deutschland. Der deutsche Markt ist der wichtigste Auslandsmarkt für das Unternehmen und wächst stark. Der Umsatz in Deutschland lag 2018 bei 19,9 Milliarden Dollar – 17 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Ein großer Teil der neuen Jobs wird aber natürlich auch auf einfache Tätigkeiten in den Lagern entfallen. So eröffnet Amazon in diesem Jahr in Mönchengladbach sein 13. Logistikzentrum.

Für die Lager werden trotz hoher Automatisierung ständig neue Mitarbeiter gesucht. „Roboter haben keine Mitarbeiter ersetzt“, sagte Robert Marhan, Amazon-Personalchef für die europäischen Logistikzentren, jüngst im Interview mit dem Handelsblatt. „Es wird immer eine Kombination aus Menschen und Maschine geben.“

Doch gerade die Arbeitsbedingungen und auch die Bezahlung in den Amazon-Lagern geraten regelmäßig in die Kritik. Immer wieder ruft die Gewerkschaft Verdi zu Streiks dort auf. Sie fordert einen Tarifvertrag für die Amazon-Mitarbeiter, was das Unternehmen ablehnt.

Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger hat erklärt, die Beschäftigten wollten mit den Streiks „auch die Willkür eines Handelsunternehmens beenden, das seine Beschäftigten mit Arbeitshetze und umfassenden Kontrollen unter Druck setzt“.

Amazon bekommt Imageproblem bei den Kunden

An diesem Montag feiert Amazon seinen Prime Day, bei dem das Unternehmen seine Kunden mit Schnäppchen bombardiert und entsprechend viel Umsatz einfahren will. Verdi hat in der Vergangenheit solche Events gerne für öffentlichkeitswirksame Streiks genutzt.

Auch in diesem Jahr könnte Verdi wieder versuchen, Amazon gerade an diesem umsatzstarken Tag empfindlich zu treffen. In den USA haben Amazon-Mitarbeiter des Logistikzentrums in Shakopee in Minnesota schon angekündigt, dass sie am Prime Day streiken wollen.

Deutschlandchef Kleber wehrt sich jedoch gegen den Vorwurf, die Lagerarbeiter würden bei Amazon unfair behandelt. Er betont, es gebe bei Amazon „exzellente Bezahlung, hervorragende Karrieremöglichkeiten und attraktive Zusatzleistungen“.

Die Mitarbeiter in den deutschen Logistikzentren begännen mit einem Lohn von umgerechnet mindestens 10,78 Euro brutto pro Stunde. Nach zwei Jahren seien es im Durchschnitt fast 2400 Euro brutto im Monat, inklusive leistungsbezogener Prämien und Sonderzahlungen. Zusätzlich profitierten Mitarbeiter von Aktien und weiteren Extras wie vergüteten Überstunden, Lebens- und Berufsunfähigkeitsversicherungen oder betrieblicher Altersvorsorge.

Dass Amazon jetzt beim Thema Arbeitsplätze erneut in die Offensive geht, ist nicht verwunderlich. Denn mehr und mehr beginnt dieses Thema für Amazon auch zum Imageproblem zu werden. Das zeigte gerade erst eine Umfrage des Handelsforschungsinstituts IFH aus Köln unter Amazon-Kunden.

So bekam das Unternehmen zwar Bestnoten bei der Frage nach Wachstumschancen und der Kundenorientierung. Zugleich aber gaben die Befragten an, Amazon würde seine Mitarbeiter nicht gut behandeln und sei kein guter Arbeitgeber.

Mehr: Warum der Prime Day für die Amazon-Händler kein Feiertag ist. Dritthändler machen fast die Hälfte des Amazon-Umsatzes aus. Doch vom groß inszenierten Prime Day der Onlineplattform profitieren sie nur bedingt.

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