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Onlinehandel Amazon startet neue Offensive bei Lieferung von Lebensmitteln

Bisher haben vor allem Start-ups vom Lieferboom in der Coronazeit profitiert. Jetzt schlägt Amazon zusammen mit der Supermarktkette Tegut zurück.
12.08.2020 - 13:20 Uhr Kommentieren
Zusammen mit Tegut weitet der Konzern die Lebensmittellieferungen nach Südhessen aus. Quelle: Hans Christian Plambeck/laif
Amazon-Lieferzentrum in Berlin

Zusammen mit Tegut weitet der Konzern die Lebensmittellieferungen nach Südhessen aus.

(Foto: Hans Christian Plambeck/laif)

Düsseldorf Es schien paradox: Während in der Coronazeit die Onlinelieferung von frischen Lebensmitteln boomt wie nie zuvor und viele kleinere Lieferdienste mit dem Versenden kaum nachkommen und ihre Liefergebiete ausdehnen, war es ausgerechnet um den Branchenprimus Amazon still. Er machte keine Anstalten, mit seinem eigenen Dienst zu expandieren.

Nun geht der Konzern doch noch in die Offensive: Gemeinsam mit der regionalen Supermarktkette Tegut baut Amazon einen Lieferdienst für frische Lebensmittel und Produkte des täglichen Gebrauchs im Süden Frankfurts und im Großraum Darmstadt auf. Kunden können über die Prime Now App aus einem Sortiment von rund 6.000 Produkten wählen. Geliefert wird aus der lokalen Tegut-Filiale.

„Wir sind immer auf der Suche nach Möglichkeiten, unseren Kunden einen innovativen Service zu bieten“, sagt Tegut-Chef Thomas Gutberlet. „Daher freuen wir uns sehr, unsere Produkte mit Prime Now nun direkt und schnell zu ihnen nach Hause liefern zu können.“ Das Angebot ist Kunden des Amazon-Abodienstes Prime vorbehalten. Ab einem Bestellwert von 50 Euro ist die Lieferung kostenlos.

Bisher liefert Amazon über seinen Dienst Amazon Fresh nur in Berlin, Potsdam, Hamburg und München aus. Der Konzern war damit 2017 gestartet und machte immer Andeutungen, den Dienst bundesweit auszudehnen. Doch Amazon Fresh tat sich schwer, den Kunden fehlte offenbar das Vertrauen. Die Zusammenarbeit mit der bekannten Marke Tegut könnte die Glaubwürdigkeit von Amazon beim Thema Lebensmittel erhöhen.

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    Der Vorstoß kommt zu einem günstigen Zeitpunkt. Nach Zahlen des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel Deutschland ist der Online-Umsatz mit Lebensmitteln im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal um 89,4 Prozent auf 772 Millionen Euro gewachsen. Offenbar scheuen viele Kunden angesichts der Pandemie den Gang in den Supermarkt – und entdecken die Vorteile der Lieferdienste.

    Davon haben bisher insbesondere kleinere Start-ups profitiert. „Wir haben in der Coronakrise den größten vorstellbaren Boom erlebt“, berichtet beispielsweise Sebastian Wiese, Chef des Lieferdienstes Getnow. Gab es anfangs noch die Sorge, das Wachstum könnte sich als Strohfeuer entpuppen, zeigt sich jetzt das Gegenteil. „Die Nachfrage hat sich auf hohem Niveau eingependelt“, so Wiese.

    Lieferdienste wurden von Neukunden überrannt

    Getnow kooperiert mit der Metro und liefert direkt aus deren Großhandelsdepots an die Endkunden. Das Start-up ist aktuell in 121 Städten und über 90 Gemeinden in den Bundesländern Bayern, Hessen, NRW, Niedersachsen und Berlin vertreten. Um die hohe Nachfrage auch aus anderen Gebieten in der Coronazeit zu bedienen, hat es kürzlich ein Pilotprojekts zur bundesweiten Paketlieferung mit haltbaren Lebensmitteln gestartet. Die ersten Erfahrungen mit diesem neuen Dienst seien positiv, sagt Wiese.

    Geradezu überrannt von Neukunden wurde auch der Lieferdienst Picnic, dessen Umsatz sich schlagartig verdoppelt hat. Zurzeit hat das niederländische Start-up in Deutschland, wo es bisher nur Gebiete in NRW beliefert, mehr als 100.000 Kunden. Doch fast genauso viele stehen auf der Warteliste. Angenommen werden diese Interessenten nur, wenn genügend Lieferkapazitäten zur Verfügung stehen.

    Genau daran arbeitet Picnic zurzeit. Anfang April hat das Unternehmen in Herne ein 15.000 Quadratmeter großes Fulfillment-Center eröffnet, sein zweites in Deutschland. Bisher wurden alle Kunden aus dem 10.000 Quadratmeter großen Lager in Viersen beliefert. Picnic-Deutschlandchef Frederic Knaudt nennt das einen Meilenstein: „Mit den deutlich gestiegenen Kapazitäten werden wir mehr Kunden in unseren bisherigen Liefergebieten beliefern und die Eröffnung weiterer Standorte in Nordrhein-Westfalen in nächster Zeit umsetzen können“, sagt er.

    Der rettende Anker war der überraschende Boom des Onlinegeschäfts mit Lebensmitteln für das Start-up My Fresh Farm. Das vor Kurzem erst von Robert Einsle gegründete Unternehmen hatte sich auf die Lieferung von Obstkörben in Büros spezialisiert. Doch mit dem Lockdown und der Verlagerung der Arbeit ins Homeoffice in vielen Firmen fiel auf einen Schlag der größte Teil des Umsatzes weg.

    „Wir waren zunächst mal in Schockstarre“, erinnert sich Einsle. „doch dann haben wir rasch einen Weg gefunden, das Unternehmen zu retten.“ Sie begannen, die Mitarbeiter der Firmen im Homeoffice mit Obst, Gemüse und Eiern aus dem Hamburger Großmarkt zu beliefern. Mittlerweile hat das Unternehmen einen Kundenstamm von mehr als 120 Haushalten und expandiert weiter.

    „Die Krise war für uns der Schubs in kalte Wasser“, sagt der 38-Jährige. Mit der Lieferung an Privathaushalte habe das Unternehmen jetzt ein wichtiges zweites Standbein. „Und der Trend wird immer stärker“, beobachtet auch Einsle. Mittlerweile würden auch immer mehr ältere Kunden den Lieferdienst nutzen.

    Diese Entwicklung hat nun offenbar auch Amazon beflügelt. Die Offensive in Südhessen ist ein Test, sollte sie erfolgreich sein, ist eine Ausweitung nicht ausgeschlossen. Das würde sich gut mit den Planungen von Tegut decken, hat die Supermarktkette das Rhein-Main-Gebiet doch zu einem ihrer wichtigsten Expansionsgebiete erklärt.

    Mehr: Das Start-up Oddbox will hässliches Gemüse retten.

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