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Onlinehandel Luxusuhrenplattform Chronext wächst rasant – und bereitet sich auf Börsengang vor

Die Coronakrise war für den Onlinehändler ein Konjunkturprogramm mit Wachstumsraten von fast 50 Prozent. Jetzt forciert er die Expansion ins Ausland.
29.06.2021 - 11:35 Uhr Kommentieren
Die Uhrenhandelsplattform Chronext ist um 46 Prozent pro Jahr gewachsen – trotz Coronakrise. Quelle: Reuters
Breitling-Uhren auf der Branchenmesse Basel World

Die Uhrenhandelsplattform Chronext ist um 46 Prozent pro Jahr gewachsen – trotz Coronakrise.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Bei vielen Händlern, gerade im Luxussegment, ist der Umsatz im vergangenen Jahr dramatisch eingebrochen. Für den Luxusuhrenhändler Chronext dagegen war die Coronakrise geradezu ein Konjunkturprogramm.

„Wir sind in den vergangenen 24 Monaten im Schnitt 46 Prozent pro Jahr gewachsen“, sagte Chronext-Gründer und -Vorstandschef Philipp Man dem Handelsblatt. Im vergangenen Jahr habe der Umsatz bei 101 Millionen Euro gelegen.

Und das Tempo soll sogar noch zulegen. „Wir erwarten, dass sich unser Wachstum durch die Erholung weiter beschleunigt“, sagt Man. Gelingen soll das auch durch eine intensivere Zusammenarbeit mit den großen Uhrenmanufakturen.

Dafür hat sich Chronext jetzt Norbert Platt, den Ex-Chef des Luxuskonzerns Richemont, als Berater geholt. „Ich sehe ein riesiges Potenzial für ein Unternehmen mit solchen Ambitionen“, betont Platt, der auch einen Minderheitsanteil an Chronext übernommen hat.

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    Um diesen Expansionsdrang zu finanzieren, prüft das Unternehmen Branchenkreisen zufolge einen Börsengang im Herbst dieses Jahres. Chronext-Gründer Man will das nicht kommentieren, dementiert es aber auch nicht. „Wir prüfen immer alle Optionen, aber es ist nichts entschieden“, erklärt Man. Die Firma sei seit der Gründung, gemessen am Umsatz, im Schnitt um 104 Prozent pro Jahr gewachsen. „Sicherlich erfordert solches Wachstum auch Finanzierung“, sagt er.

    Denn profitabel ist das 2013 gegründete Start-up bisher nicht. „Unser Ziel ist es primär, Marktanteile auszubauen. Jetzt schon zu früh kurzfristige Profitabilität zu forcieren ist aus unserer Sicht angesichts der großen Marktchancen nicht der richtige Schritt“, glaubt der Gründer.

    Börsengang wohl nicht mehr im Juli

    Ursprünglich war wohl sogar ein Börsengang an der Schweizer Börse schon im Juli angedacht, aber das ist nicht mehr realistisch, wie es im Umfeld des Unternehmens heißt. Ohnehin betont Philipp Man: „Wir sind sehr gut finanziert und in der Lage, mit den Mitteln, die wir heute haben, das Wachstum voranzutreiben.“ Bisher habe das Start-up Eigen- und Fremdkapital in Höhe eines niedrigen dreistelligen Millionenbetrags eingesammelt.

    Acht Jahre nach dem Start liegt der Umsatz bei 100 Millionen Euro. Quelle: Chronext
    Chronext-Gründer Phillipp Man

    Acht Jahre nach dem Start liegt der Umsatz bei 100 Millionen Euro.

    (Foto: Chronext)

    Die Bewertung bei einem Börsengang könnte bis zu eine Milliarde Euro betragen, heißt es in der Branche. Denn bei dem jetzigen Wachstumstempo dürfte Chronext schon im kommenden Jahr die Umsatzschwelle von 200 Millionen Euro überschreiten. Und vergleichbare Unternehmen, wie beispielsweise die Luxusmode-Plattform Farfetch, werden an der Börse mit dem Fünffachen des Umsatzes gehandelt.

    Chronext betreibt eine Onlineplattform für den Handel mit neuen und gebrauchten Uhren von Marken wie Tag Heuer, Rolex, Breitling oder Hublot. Da sowohl Juweliere als auch Hersteller lange mit dem E-Commerce gefremdelt haben, hat das Unternehmen in diesem Markt bisher noch wenig Konkurrenz. Größter Wettbewerber ist der Onlinemarktplatz Chrono24, daneben gibt es Plattformen wie jomashop.com oder Montredo. Insgesamt aber werden höchstens fünf Prozent aller Luxusuhren online verkauft.

    „Die Luxusuhrenbranche hat sich lange schwergetan mit dem Onlinehandel“, sagt Berater Platt, der in seiner Zeit an der Spitze von Richemont verantwortlich war für Uhrenmarken wie Cartier, IWC, A. Lange & Söhne und Panerai. „Das war uns lange Zeit nicht geheuer, weil im Internet viele dubiose Verkäufer unterwegs waren“, gibt er zu. Heute erwarteten die Kunden aber selbstverständlich, dass ein Händler auch online verkauft.

    Nach Einschätzung des Beratungsunternehmens McKinsey bietet der Uhrenmarkt in den kommenden Jahren ein großes Potenzial. Nach den zweistelligen Umsatzeinbrüchen im vergangenen Jahr erwarten die Experten ein Wachstum von bis zu 30 Prozent bis 2025. Besonders große Chancen sehen sie dabei im Direktverkauf der Hersteller an den Kunden – ohne den Umweg über den stationären Handel.

    Aus gescheiterter Kooperation mit Nomos gelernt

    Genau in dem Bereich sieht Chronext große Möglichkeiten. Könnten die Hersteller doch über die Plattform direkt die Verbraucher erreichen. Gleichzeitig aber tritt Chronext gegenüber dem Endkunden als Verkäufer auf, was den Konflikt zwischen Herstellern und den stationären Juwelieren etwas entschärft. „Die Hersteller schätzen es, dass sie nicht in Erscheinung treten und eher still teilhaben“, sagt Chronext-Chef Man.

    Bis zu dieser Erkenntnis musste Man aber einiges an Lehrgeld zahlen. So hatte er vor drei Jahren stolz eine offizielle Kooperation mit dem Hersteller Nomos angekündigt. Doch nach massiven Protesten aus der Branche und operativen Problemen bei der Zusammenarbeit stampfte Nomos diese Pläne rasch wieder ein. Unter anderem hatte die Juwelierkette Wempe die Verträge mit Nomos gekündigt.

    „Wir haben uns in der Vergangenheit dafür begeistert, offizielle Markenkooperation zu haben, ohne genau zu durchdenken, was das kommerziell bedeutet“, räumt Man heute ein. „Da haben wir viel dazugelernt.“ Heute bekommen sie den größten Teil der Uhren von stationären Händlern, aber auch immer mehr direkt von Herstellern.

    „Vertrauen ist in diesem Markt der Schlüssel zum Erfolg“, sagt Marktkenner Norbert Platt. Um das zu erreichen, investiert Chronext in zwei Bereiche, die für ein Tech-Start-up eher ungewöhnlich sind. So unterhält das Unternehmen eine eigene Werkstatt mit fast 20 Uhrmachern, wo alle Uhren auf Echtheit geprüft werden und überholt werden können, bevor sie dann von Chronext auf der Website angeboten werden.

    Das unterscheidet Chronext beispielsweise von der deutlich größeren Plattform Chrono24, die einen Marktplatz betreibt, auf dem sowohl Händler wie Privatleute Uhren verkaufen können. Diese schließen dann direkt mit dem Käufer einen Vertrag und zahlen eine Provision an Chrono24.

    Langfristig soll auch Schmuck ins Sortiment

    Zum anderen betreibt Chronext sogenannte Lounges, also stationäre Verkaufsräume, in sieben großen deutschen Städten, am Firmensitz in Zug, in London, Hongkong und künftig auch in Paris. „Die Lounge ist eine sehr elegante Version eines Amazon-Lockers - und sogar mit persönlicher Übergabe der Uhr“, sagt Man scherzhaft. Und viele Kunden nutzen das. Zwar werden fast alle Uhren online verkauft, je nach Standort aber bis zu 40 Prozent in der Lounge abgeholt.

    Gerade erst ist Chronext mit neuen Webshops in Italien und den Niederlanden an den Start gegangen. „Im nächsten Schritt wollen wir vor allem nach Frankreich, Benelux, in die nordischen Länder und nach Spanien“, sagt der Firmenchef. „Wir möchten einen Großteil der EU mit organischem Wachstum abdecken.“

    Den Rest der Welt will sich der Händler mit Partnerschaften mit ähnlichen Marktplätzen, beispielsweise im Fashion-Bereich, erschließen. „Das hilft uns, neue Kundengruppen zu erschließen, die wir vorher nicht erreicht haben.“

    „Der Markt für neue und gebrauchte Uhren bietet uns noch sehr viel Potenzial, davon wollen wir uns erst mal nicht ablenken lassen“, sagt Man. McKinsey beziffert allein den Markt für neue Uhren auf jährlich rund 50 Milliarden US-Dollar, 78 Prozent dieses Umsatzes würden mit Luxusuhren gemacht. Dazu kämen noch mal fast 30 Milliarden US-Dollar Umsatz mit gebrauchten Uhren.

    Doch es gibt bei Chronext bereits Überlegungen, das Angebot über die Uhren hinaus auszubauen. „Wir sehen langfristig auch sehr gute Chancen, eine Multikategorie-Plattform für Luxus aufzubauen, also beispielsweise auch Schmuck ins Sortiment aufzunehmen“, sagt der Chronext-Gründer.

    Mehr: Wo man jetzt günstig an teure Uhren kommt.

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