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Onlinehandel Makler jubeln, Anwohner stöhnen – Was New York vom neuen Nachbarn Amazon hält

Im Herzen des Big Apple schafft Amazon Tausende Arbeitsplätze – verschärft aber den Kampf um die knappe Ressource Wohnraum. Ein Stimmungsbild.
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Im New Yorker Stadtteil Queens in der Gegend Long Island wird Amazon einen seiner beiden neuen Standorte eröffnen. Quelle: AP
Amazon-Standort

Im New Yorker Stadtteil Queens in der Gegend Long Island wird Amazon einen seiner beiden neuen Standorte eröffnen.

(Foto: AP)

New York, Washington, San FranciscoPeter Rajacic will vom neuen Nachbarn nichts wissen. Es ist ein grauer Nachmittag in Long Island in Queens, und Amazon hat gerade verkündet, dass es in diesem Teil von Queens eine seiner neuen Zentralen bauen will. Auf der Ostseite des East River – nur fünf Minuten U-Bahn-Fahrt von Manhattan entfernt. „Ich finde es nicht gut für unsere Nachbarschaft“, sagt der junge Arzt, der gerade seinen kleinen Hund unter der hochgelegenen Bahntrasse Gassi führt.

„Die Preise werden steigen, und der Unterschied zwischen Arm und Reich wird sich mit Amazon nur noch vergrößern“, sagt Rajacic und zeigt in Richtung Norden. Dort liegt „Queensbridge Houses“ – das größte Projekt des sozialen Wohnungsbaus der gesamten USA. Dort die Armen, hier die hochbezahlten Tech-Arbeiter. Das ist das Szenario, das viele fürchten.

Noch ist völlig unklar, wo genau sich Amazon niederlassen wird. An einer Straßenecke spekulieren zwei Nachbarn, ob es nun der bisherige Citibank-Turm wird oder doch die alten Lagerhallen in der Nähe des Wassers. Erst einmal heißt es abwarten.

In Seattle hingegen lässt sich bereits spüren, welche Veränderungen auf die zwei Städte zukommen, die Amazon als Standorte für seine zwei neuen Hauptzentralen ausgewählt hat. Neben Long Island City zählt dazu Crystal City in Northern Virginia, im Ballungsraum Washington.

Mehr als 1,1 Millionen Quadratmeter Bürofläche und mehr als 40 Gebäude bewohnt Amazon in Seattle. Der Versandriese beschäftigt 45.000 Mitarbeiter und ist damit der größte private Arbeitgeber der Metropole. Der 37-stöckige Hauptturm der Zentrale „Day One“ steht in einer Sichtachse mit der „Space Needle“. Längst macht die Zentrale von Amazon, das jeden zweiten Dollar einnimmt, den Amerikaner online ausgeben, dem 184 Meter hohen Aussichtsturm als Wahrzeichen der Stadt Konkurrenz.

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Doch der Expansionswille des Onlineriesen reicht weiter. „Amazon glaubt, dass es den Talentpool ausgeschöpft hat und in Seattle nicht weiter wachsen kann“, analysiert Matthew Gardner, Chefökonom der Windermere Real Estate.

Amazon-Gründer Jeff Bezos will deswegen die hippen Großstädter aus New York anziehen und im politischen Washington mitmischen.

Auswahlverfahren als Marketing

Mehr als ein Jahr lang verwandelte Amazon-Chef Jeff Bezos die Suche nach einem neuen Standort in einen irren Standortwettbewerb, wie er sonst nur bei den Olympischen Spielen stattfindet. Aus 238 Bewerbern wählte der 54-Jährige im Januar 20 Kandidaten aus. Zu den Finalisten zählten neben Metropolen wie New York, Toronto, Boston oder Chicago auch Raleigh in North Carolina und Montgomery County (Maryland).

„Es war unvermeidlich, dass Amazon seine Präsenz vergrößern und Arbeitsplätze außerhalb von Seattle ansiedeln muss“, urteilt Simon Stevenson, Director des Runstad Center for Real Estate Studies an der University of Washington. Doch es sei verwunderlich, dass der Konzern dabei so „wenig subtil“ vorgegangen ist.

Der New Yorker Marketing-Professor Scott Galloway hält die öffentlich zelebrierte Hauptquartiers-Suche für einen Marketingtrick. „Dies war nie ein Wettbewerb“, sagte er dem Tech-Blog Recode. Die Städte gegeneinander antreten zu lassen sei nur ein Weg gewesen, um mehr Vergünstigungen auszuhandeln. Mit Erfolg, wie sich zeigt: In New York stellt sich Amazon auf Subventionen von über 1,5 Milliarden Dollar ein, vor allem durch Steuervergünstigungen. In Arlington sind es nach Rechnung des Konzerns 573 Millionen Dollar.

Steuernachlässe zählten neben dem Angebot an Bauland, der Anbindung an einen internationalen Flughafen und dem öffentlichen Nahverkehr zu Amazons Kriterien. New York hat dem Onlinehändler sogar einen Hubschrauberlandeplatz zugesichert, damit die Topmanager nicht im New Yorker Stau stecken bleiben.

Die auserwählten Standorte versprechen sich von Amazons neuen Firmenzentralen wiederum goldene Zeiten. Insgesamt fünf Milliarden US-Dollar will der Onlinehändler binnen zehn Jahren investieren, anvisiert sind 25.000 Arbeitsplätze pro Stadt. Weiterhin will Amazon ein Schulungs- und Kompetenzzentrum für Mitarbeiter in Nashville mit 5000 neuen Arbeitsplätzen errichten.

Dass diese Hoffnung nicht unbegründet ist, beweist Seattle. Die Stadt sei durch Amazon zu „einer der dynamischsten und robustesten Ökonomien seit der Finanzkrise“ avanciert, sagt Stevenson von der University of Washington. Der Onlinehändler brachte Geld in die Stadt. Laut eigenen Angaben zahlte das Unternehmen seit 2010 über 25 Milliarden Dollar Gehalt an eigene Mitarbeiter aus und steuerte 38 Milliarden Dollar zum Stadt-Etat bei. In der Innenstadt siedelten sich der Downtown Seattle Association zufolge mehr als 2000 kleine und mittelständische Unternehmen an.

Steuervergünstigungen und Heliport

Mit dem Vorstoß, eine Zentrale in New York aufzubauen, konkurriert Amazon direkt mit Google-Mutter Alphabet. Finanzchefin Ruth Porat kündigte bereits an, die Zahl der Mitarbeiter im Big Apple auf 14.000 zu verdoppeln. Auch Facebook leistet sich Büros in der Metropole. Und Apple-Chef Tim Cook erklärte bei einem Event in der Brooklyn Academy of Music begeistert: „Wir lieben New York!“

In New York gibt es große Befürworter von Amazon: Der Gouverneur des Bundesstaats, Andrew Cuomo, verspricht, dass die öffentliche Hand für jeden investierten Dollar neun zurückbekommt.

Auch Jeremy Swallinger, Immobilienmakler hat Grund zur Freude. „Mein Telefon steht nicht mehr still.“ Schon seit den ersten Gerüchten vor zehn Tagen seien die Preise für Wohnungen gestiegen, berichtet er. Jetzt rechnet er mit weiteren zehn Prozent. Dabei kostet eine Dreizimmerwohnung in einem der neuen Luxuswohnhäuser schon heute zwischen 1,2 bis 1,6 Millionen Dollar.

Auch „George“ aus Ägypten ist glücklich über die Botschaft aus Seattle. „Long Island City Halal Food“ steht in roten Lettern auf seinem hellblauen Street-Food-Wagen, den er seit vier Jahren gleich am Ausgang der U-Bahn-Station betreibt. „Je mehr Leute hier arbeiten, umso mehr Business für mich. Willkommen, Amazon!“

Amazon entscheidet sich für New York und Vorort von Washington

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