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Onlinehandel Warum Zalando Amazon nicht fürchten muss

Die Anleger haben Zalando abgestraft: Weil die hohen Umsatzerwartungen nicht erfüllt wurden, stürzte der Aktienkurs ab. Doch ein genauer Blick zeigt: Es gibt überhaupt keinen Grund zur Panik.
18.07.2017 - 15:00 Uhr 4 Kommentare
Der Modehändler hat direkten Zugang zum Kunden und zu den angesagten Marken. Quelle: Reuters
Zalando-Showroom in Berlin

Der Modehändler hat direkten Zugang zum Kunden und zu den angesagten Marken.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Immer wenn Amazon eine neue Initiative ankündigt, ist die Öffentlichkeit elektrisiert. Stellt der Konzern aus Seattle das Konzept eines kassenlosen Supermarktes vor wie bei „Amazon Go“, wird das Ende des klassischen Einzelhändlers ausgerufen – und die Aktienkurse von Walmart und Target rauschen in die Tiefe. Gibt Amazon mit dem Programm „Prime Wardrobe“ Kunden die Möglichkeit, Mode anzuprobieren, bevor sie sie bezahlen, werden sofort Konkurrenten wie Zalando in der Krise gesehen.

Und wenn dann noch der deutsche Modehändler wie an diesem Dienstag geschehen die hochgesteckten Erwartungen nicht komplett erfüllt, ist der Boden für den Ausverkauf bereitet. Um 19 bis 21 Prozent ist der Umsatz im zweiten Quartal gewachsen, teilte Zalando mit. Das reichte den Anlegern nicht, denn von Reuters befragte Analysten hatten 22 Prozent erwartet: Um bis zu acht Prozent stürzte der Aktienkurs auf nur noch knapp über 39 Euro.

Doch für Panik gibt es kein Anlass. Ganz im Gegenteil: So hält Analyst Volker Bosse von der Baader Bank die „Aktien-Story“ rund um Zalando für weiterhin intakt. Das Umsatzplus belege, dass der Händler weiterhin stärker wachse als die deutsche Bekleidungsbranche und damit sogar Marktanteile hinzugewinne. Er bestätigte sein Kursziel von 48 Euro. Noch optimistischer ist Christian Salis von der Privatbank Hauck & Aufhäuser. Er setzt das Kursziel sogar auf 50 Euro.

Die zehn größten Onlinehändler in Deutschland
Platz 10: Apple.com/de
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Im Smartphone-Geschäft top, im Internethandel flop? Nicht ganz, allerdings landet Apple nur auf dem zehnten Platz im Ranking der größten Onlineshops in Deutschland. Das wertvollste Unternehmen der Welt aus Kalifornien macht im deutschen E-Commerce 2015 einen Umsatz von „nur“ 370 Millionen Euro.

Quelle: EHI Retail Institute

(Foto: AP)
Platz 9: Alternate.de
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Dieser Onlineshop ist hauptsächlich im Elektronikgeschäft tätig. Der Versandhändler für Hardware liegt, wie im Vorjahr, auf dem neunten Platz. Der deutschlandweite Umsatz lag 2015 bei 377 Millionen Euro.

(Foto: screenshot)
Platz 8: Conrad.de
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Mit einem Umsatz von 433 Millionen Euro liegt der Elektronikversandhändler Conrad auch 2015 wieder auf dem achten Platz des Rankings. Das Unternehmen aus dem bayerischen Hirschau betreibt neben dem Onlineshop 25 Filialen in Deutschland.

(Foto: screenshot)
Platz 7: Tchibo.de
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Das Internet-Geschäft von Tchibo läuft, dennoch verliert der Onlineshop einen Platz zum Vorjahr: 2015 erwirtschaftete Tchibo.de mit Kaffeeprodukten, Kleidung und Möbeln einen Umsatz in Höhe von 450 Millionen Euro und belegt damit den siebten Platz.

(Foto: dpa)
Platz 6: Bonprix.de
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Die Otto-Tochter Bonprix wirbt mit günstigen Preisen für Damen-, Herren und Kindermode. Im Vergleich zum Vorjahr kann sich der Onlineshop um einen Platz verbessern und klettert 2015 auf Rang sechs – mit einem Umsatz in Höhe von 485 Millionen Euro.

(Foto: screenshot)
Platz 5: Cyberport.de
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Cyberport ist auf Wachstumskurs. Nicht nur der stationäre Handel, auch das Online-Geschäft entwickelt sich positiv. Mit einem Umsatz in Höhe von 491 Millionen Euro in Deutschland konnte der Elektrohändler 2015 den fünften Rang, den er schon im Vorjahr belegte, verteidigen.

(Foto: Imago)
Platz 4: Notebooksbilliger.de
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Seit zwölf Jahren macht der Online-Händler Notebooksbilliger.de anderen Elektronikhändlern mit besonders günstigen Angeboten Konkurrenz – und das erfolgreich. Das Portal für Unterhaltungselektronik, Computer, Handys und Zubehör landet wie im Vorjahr auf Platz vier mit einem Umsatz von 611 Millionen Euro.

(Foto: screenshot)

Auch Rubin Ritter, Co-Vorstandschef von Zalando, konnte die negativen Börsenreaktionen nicht verstehen. „Wir sind mit der ersten Jahreshälfte 2017 zufrieden und investieren weiter, um unsere ambitionierten Wachstumsziele von 20 bis 25 Prozent in diesem Jahr und darüber hinaus zu erreichen“, sagte er fast trotzig.

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    Denn eine genauere Betrachtung zeigt: In vielen Bereichen ist Zalando sogar deutlich weiter als der US-Konkurrent Amazon. So tut sich der Onlineriese aus Seattle gerade im Modebereich sehr schwer. „Prime Wardrobe“ ist nun der Versuch, endlich auch bei Hemden, Hosen oder Schuhen die Kunden vom Onlinekauf zu überzeugen. Kunden des Abo-Dienstes Amazon Prime können sich künftig bis zu 15 Kleidungsstücke nach Hause schicken lassen. Was ihnen nicht gefällt, können sie innerhalb einer Woche kostenlos zurückschicken.

    Zalando bietet mit „Zalon“ bereits einen deutlich intelligenteren Service. Da bekommen die Kunden individuelle Outfits zugeschickt, die zum Typ des Kunden passen sollen. Fragebögen und die Beratung durch persönliche Stylisten sollen dafür sorgen, dass die Kleidung den Geschmack wirklich trifft und damit die Retourenrate niedrig bleibt – ähnlich wie bei den erfolgreichen Start-ups Modomoto oder Outfittery.

    Während Amazon noch daran arbeitet, auch im Modebereich Eigenmarken zu entwickeln, ist Zalando schon seit Jahren mit eigenen Brands am Markt. Entwickelt und gebündelt werden sie in dem Tochterunternehmen ZLabels. Marken wie Zign oder Mint & Berry sind mittlerweile so erfolgreich, dass sie auch auf externen Plattformen verkauft werden – unter anderem auf Amazon.

    Eigene Marken und neue Services
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    4 Kommentare zu "Onlinehandel: Warum Zalando Amazon nicht fürchten muss"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • „Immer wenn Amazon eine neue Initiative ankündigt, ist die Öffentlichkeit elektrisiert. Stellt der Konzern aus Seattle das Konzept eines kassenlosen Supermarktes vor wie bei „Amazon Go“, wird das Ende des klassischen Einzelhändlers ausgerufen – und die Aktienkurse von Walmart und Target rauschen in die Tiefe. Gibt Amazon mit dem Programm „Prime Wardrobe“ Kunden die Möglichkeit, Mode anzuprobieren, bevor sie sie bezahlen, werden sofort Konkurrenten wie Zalando in der Krise gesehen." /
      "Doch ein genauer Blick zeigt: Es herrscht überhaupt kein Grund zur Panik.“

      Genauer hinzusehen und dann eigene Schlüsse zu ziehen (kurz gesagt: selbst zu denken) ist aktuell aber gerade nicht in Mode.

      Ganz im Gegenteil: Man eckt überall als „Spielverderber“ an, wenn man mal ein paar Fragen stellt.

      Das wär‘ ja alles gar nicht mal so schlimm, wenn die Auswirkungen davon sich auf die Enttäuschung irgendwelcher Gewinnerwartungen beschränken würden.

      Dem ist aber leider ganz und gar nicht so.

    • Wer befasst sich mit solchen Firmen, keine Dividenden, steigende Kurse gefüllt mit heißer Luft und nix dahinter außer der Hintern. Ha Ha Ha

    • @Herr Hans-Jörg Griesinger

      Ihren Argumenten kann ich zwar zustimmen, allerdings sehe ich den Stern von Amazon noch nicht sinken. Wäre dem so, wäre der Aktienkurs nicht inzwischen so exorbitant teuer. Eventuell ändert Amazon ja auch ihre Strategie wieder. Früher konnte man tatsächlich ohne Prime innerhalb von einem Tag mit der Lieferung rechnen.

      Kleine Anekdote am Rande. Ich war mal so schlau 500 Aktien von Amazon für 120 Euro zu verkaufen. Na ja, Schnee von gestern.

    • Wenn amazon.de so weitermacht, dann werden sich viele bisherige treue Kunden von diesem Unternehmen abwenden.
      Durch „Prime“ gibt es auch beim Onlineeinkauf mittlerweile einen Zwei-Klassen-Service.
      Wenn ich als Nicht-Prime-Kunde mittlerweile trotz Warenverfügbarheit und ausreichend Lagerbestand fast eine Woche auf meine Bestellung warten muß, ist dass einfach nicht mehr akzeptabel.
      Genau dass, was amazon atrakttiv für den Kunden machte, wird nun mit allen Mitteln zerstört, weil man die Kunden in Prime für 69 Euro treiben möchte.
      So wird dass nichts werden @ amazon!
      Die anderen Onlinehändler freuen sich, wenn ihr zunehmend schlechter werdet.
      Selbst der eigene Anspruch, das kundenfreundlichste Unternehmen zu sein, lässt sich seit längerer Zeit nicht mehr aufrechterhalten.
      Es gab in der Vergangenheit schon andere Großkonzerne, welche sich ihrer Marktmacht zu sicher wähnten und dann durch falsche Ausrichtungen und Unternehmensentscheidungen, immer weiter in der Kundengunst einbüssten.
      Wenn amazon so weiter macht, dann wird dieser Konsern das gleiche Schicksal wie viele andere teilen und massiv Marktanteile verlieren. Gut für die anderen Onlinehändler, die es besser machen, gut für den Einzelhandel vor Ort, der wieder mehr Zulauf bekommt. Im Onlinehandel domminiert immer der Service und die Kulanz über den Preis. Gena darin war amanzon in der Vergangenheit top. Leider verzettelt man sich jetzt in einem Zwei-Klassen-Kunden-Service und immer schlechteren Lieferzeiten. Gleiches gilt die Auswahl des Transportdienstleisters, die bei amazon mittlerweile zu einem reinen Glückspiel wird. Hermes Versand ist dabei bezüglich der Versandlaufzeiten und Sendungszustellung sehr negativ zu nennen.
      Von den schlechten Arbeitsbedingungen und der schlechten Entlohnung der Mitarbeiter/innen bei amazon, will ich erst gar nicht anfangen zu schreiben. Kann man alles im Internet nachlesen!

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