Onlinekonzern Für Jeff Bezos kommen Amazons beste Zeiten erst noch

Amazon wächst mit einer scheinbar unaufhaltsamen Macht. Dabei steht das Unternehmen für den 54-jährigen Chef gerade erst am Anfang. Er hat noch viel vor.
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Der Amazon-Chef ist zum allmächtigen Allesverkäufer geworden. Quelle: Getty Images; Per-Anders Pettersson
Jeff Bezos

Der Amazon-Chef ist zum allmächtigen Allesverkäufer geworden.

(Foto: Getty Images; Per-Anders Pettersson)

San FranciscoDer Amazon-Gründer denkt langfristig. „Day 1“ hat Jeff Bezos die Hauptzentrale in Seattle getauft. Der Name drückt die Maxime aus, an der Bezos sich selbst und seine mehr als 575.000 Mitarbeiter weltweit misst: dass wir immer noch an „Tag 1“ des Internets stehen, die besten Innovationen noch auf uns warten und Amazon gerade erst angefangen hat, die Zukunft zu erfinden. „Setze den Kunden an die erste Stelle. Erfinde. Und sei geduldig“, erklärte der Gründer den berühmten Amazon-Dreisatz 2014 in einem Interview.

Der 54-Jährige spricht über seinen Konzern noch immer wie über ein Start-up. Dabei schwingt sich seine Firma längst zu einem globalen Riesen mit gewaltiger Marktmacht auf. Als zweites Unternehmen nach Apple erreichte Amazon diese Woche kurzzeitig die Bewertung von einer Billion Dollar.

Der Siegeszug des Online-Unternehmers, der 1994 in einer Garage begann und mit einem geschätzten Vermögen von über 160 Milliarden Dollar inzwischen mehr Geld besitzt als jeder andere Mensch auf der Welt, begeistert die Wall Street. In den vergangenen zwölf Monaten stieg die Amazon-Aktie um mehr als 106 Prozent.

Die Geduld des glatzköpfigen Gründers zahlt sich aus. „Was Jeff Bezos gemacht hat und wahrscheinlich tun wird, ist vielleicht der erstaunlichste Erfolg, den ich je gesehen habe“, sagte Warren Buffett, Chef der Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway, gegenüber „Forbes“.

Lukrativer Erfindergeist

Früher verkaufte Bezos nur Bücher. Heute nahezu alles. Auf den Bürgersteigen von Metropolen wie San Francisco türmen sich die Kartons mit dem Amazon-Logo. Der Amazon-Gründer unterhält ein Ökosystem riesiger Warenzentren, in denen die Menschen Hand in Hand mit gelben Robotern arbeiten, die automatisch durch dunkle Hallen flitzen und die gewünschten Produkte heranholen.

Er befiehlt über ein ganzes Heer von Lastwagen und Lieferautos, die den Kunden alles bequem bis vor die Haustür liefern. Inzwischen nimmt Amazon die Hälfte jedes Dollars ein, den die Amerikaner online ausgeben.

Doch Bezos bedeutet das nichts. Für den Absolventen der Eliteuniversität Princeton ist das alles immer noch „Tag 1“. Er strebt immer weiter. Beim deutschen Autobauer Daimler bestellte er gerade erst wieder 20 000 neue Transporter des Typs Sprinter. Der Allesverkäufer avanciert damit zum weltweit größten Kunden der Stuttgarter Lieferwagensparte. Im US-Bundesstaat South Carolina eröffnete Daimler gerade extra ein neues Werk.

Amazon wächst mit einer scheinbar unaufhaltsamen Macht. Wenn ein Unternehmen die Welt beherrschen kann, hört man mittlerweile nur noch halb im Spaß, dann Amazon. Besonders lukrativ ist das Geschäft mit der Cloud, das Bezos eher zufällig entdeckte.

In dem für ihn üblichen Erfindergeist kam er darauf, dass er die Server seines eigenen Unternehmens auch einfach weitervermieten könne. Inzwischen hostet „Amazon Web Services“ die halbe Internetwelt: von der Filmbibliothek des Streaminganbieters Netflix bis hin zum Fahrservice Uber. Die Zahl der Kunden verdoppelt sich von Quartal zu Quartal.

Vom Handel, mit dem vor 24 Jahren alles begann, expandiert der Zukunftserfinder Bezos ständig in neue Märkte, experimentiert immer weiter. Im vollautomatischen Einkaufsladen Amazon Go hat er die Kassierer abgeschafft. Dutzende Kameras und Sensoren erfassen den Kunden, eine dahinterliegende künstliche Intelligenz die Einkäufe.

Wie kein anderer Unternehmer setzt Bezos auf neue Technologien. Alexa beherrscht inzwischen den Markt mit Sprachassistenten. Doch auch hier steht Amazon erst am Anfang: In Seattle arbeiten Entwickler bereits an der nächsten Stufe der technischen Eroberung.

Die Sprache sei „nur der erste Schritt“, sagt Amazons Technikchef Werner Vogels. Bald werde das Internet den Nutzer von allen Seiten umschließen. Möglichst viele interaktive Oberflächen, die Lautsprecher, Bildschirme oder auch jeden anderen intelligenten Sensor im Internet der Dinge will Bezos dann bespielen. Am liebsten alle auf einmal.

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