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Osram-Übernahme AMS gibt sich zuversichtlich für milliardenschwere Kapitalerhöhung

Die Milliarden-Akquisition steht in Zeiten der Coronakrise auf wackligen Beinen. Doch nun sollen weitere Investoren bereit sein, neue Aktien zu kaufen.
29.03.2020 - 09:35 Uhr Kommentieren
AMS würde sich durch die Übernahme von Osram weniger abhängig vom Großkunden Apple machen. Quelle: dpa
Osram

AMS würde sich durch die Übernahme von Osram weniger abhängig vom Großkunden Apple machen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Viel ungünstiger könnte der Zeitpunkt für eine milliardenschwere Kapitalerhöhung kaum sein: Mehr als 1,6 Milliarden Euro will der österreichische Sensorik-Spezialist AMS einsammeln, um die Übernahme des deutlich größeren Konkurrenten Osram teilweise zu finanzieren.

In den vergangenen Wochen hatte es an den Finanzmärkten massive Zweifel gegeben, dass dies gelingt. Doch auch nach dem Absturz der Börsenkurse beider Unternehmen in der Coronakrise geben sich die Österreicher zuversichtlich.

Neben dem Finanzinvestor Temasek, der mehr als fünf Prozent der Anteile hält, wollten auch weitere wichtige AMS-Investoren bei der Kapitalerhöhung mitziehen, erfuhr das Handelsblatt aus dem AMS-Umfeld. Laut Industriekreisen soll es zudem unter anderem Hedgefonds geben, die sich weitere Anteile sichern könnten.

Am Montag läuft die Frist für die Kapitalerhöhung ab. In den vergangenen Wochen hatte es Zweifel gegeben, ob es überhaupt gelingt, die neuen Aktien bei Investoren zu platzieren. AMS hatte beim Preis ohnehin schon große Zugeständnisse machen müssen, die neuen Aktien werden zum Preis von 9,20 Schweizer Franken angeboten.

Zum Vergleich: Noch im Herbst hatte der AMS-Kurs bei 32 Franken gelegen. Um die gewünschte Summe einzusammeln musste AMS nun 190 Millionen Aktien anbieten. Der AMS-Aktienkurs war in den vergangenen Wochen zeitweise unter die 9,20 Franken gefallen. Ende vergangener Woche lag er knapp darüber.

Die Kapitalerhöhung wird von den Banken HSBC und UBS sowie Deutsche Bank, Erste Group und anderen begleitet. Sollte sich nicht genug Interessenten für die neuen Aktien finden, müssten die Finanzinstitute die Aktien in ihre Bücher aufnehmen.

AMS gibt sich gelassen

Sollten die Banken auf zu vielen Anteilen sitzen bleiben, müssten sie eventuell sogar den anderen Aktionären ein Übernahmeangebot machen. Allerdings könnte die Kapitalerhöhung aufgrund einer „Änderung an den Finanzmärkten, einem Unglück oder einer Krise“ – so heißt es in einer Klausel im Prospekt – noch gestoppt werden.

Im Umfeld von AMS gibt man sich gelassen. Es gebe durchaus Interesse an neuen Aktien – auch, wenn niemand derzeit beziffern will, wie hoch es ist. Sollten Anteile bei den Banken landen, könnten diese sie ja später – womöglich mit Gewinn – abstoßen, hieß es. Im Übrigen habe AMS eine sichere Brückenfinanzierung, mit der die Osram-Anteile auch ganz ohne Kapitalerhöhung finanziert werden könnten.

AMS hatte mehr als vier Milliarden Euro für Osram geboten. Die Österreicher kauften bereits über die Börse mehr als 20 Prozent der Anteile und sicherten sich mit dem Angebot von 41 Euro je Aktie, das noch nicht vollzogen ist, die Mehrheit.

In deutschen Industriekreisen fühlt sich mancher angesichts der Probleme der Österreicher in Befürchtungen bestätigt. „Die Kapitalerhöhung hängt voll in den Seilen“, meint einer aus dem Umfeld von Osram. Es sei gut möglich, dass ein großer Teil der neuen Aktien bei den Banken landen werde.

Es sei riskant, sich auf die Brückenfinanzierung zu stützen. Denn dann würden den neuen Konzern noch höhere Schulden drücken. Angesichts der sich abzeichnenden Wirtschaftskrise dürfte es AMS ohnehin schon schwer fallen, den Schuldenberg so schnell wie versprochen abzubauen.

Offen ist, wie es weitergeht, wenn das Finanzierungsmodell von AMS wackelt und der Druck von den Banken wächst. „Der einzige Ausweg ist eigentlich, dass ihnen jemand die Osram-Anteile abkauft“, heißt es in deutschen Industriekreisen. Schließlich gebe es noch immer Finanzinvestoren, die grundsätzlich an Osram interessiert seien. So hatten zum Beispiel die Finanzinvestoren Bain und Advent lange um die Ex-Siemens-Tochter mitgeboten, wurden schließlich aber von AMS ausgestochen.

Übernahme macht strategisch immer noch Sinn

Angesichts der unklaren Lage und der Coronakrise war der Osram-Aktienkurs in den vergangenen Wochen von 45 auf zeitweise 26 Euro gefallen. Als AMS in der vergangenen Woche seine Erwartung bestätigte, die Übernahme im zweiten Quartal zu vollziehen, schoss der Kurs in die Höhe. Ende der Woche lag er bei gut 32 Euro.

Vom strategischen Sinn der Übernahme von Osram aus AMS-Sicht waren und sind viele Investoren durchaus überzeugt. Die Österreicher lösen damit gleich zwei Probleme. In einem sich konsolidierenden Markt hatten sie als kleiner bis mittelgroßer Player allein eine schwierige Position.

Zudem kann AMS mit der Übernahme die Abhängigkeit vom Großkunden Apple verringern. Mit dem Handyhersteller ist AMS zwar gut im Geschäft – eine theoretisch denkbare Auslistung würde AMS allerdings schwer treffen.

Mehr: Osram kassiert wegen Coronakrise die Jahresprognose

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