Otis, Schindler, Thyssen-Krupp Vor diesen Herausforderungen steht die Aufzugbranche

Die deutschen Aufzugshersteller fahren seit Jahren gute Gewinne ein. Doch der Innovationsdruck steigt: Es braucht Konzepte für den Transport von morgen.
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Thyssen-Krupp und Co.: Die Herausforderungen der Aufzugbranche Quelle: picture alliance / Westend61
Moderne Aufzüge

Die Zukunft von Fahrstühlen könnte außerhalb der Gebäude und in der Vernetzung liegen.

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FrankfurtGeht es nach Udo Hoffmann, Vorsitzender der Geschäftsführung von Otis Deutschland, verlassen die Aufzugshersteller in nicht allzu ferner Zukunft ihr angestammtes Geschäftsfeld – nämlich das Gebäude. „Genau wie Taxi-Unternehmer, Fluggesellschaften und Logistiker befördern wir Personen von A nach B“, sagte Hoffmann dem Handelsblatt in Frankfurt. „Wir müssen deshalb raus aus dem Gebäude, uns mit anderen vernetzen.“ Das ermögliche eine völlig neue Verkehrsplanung, auch innerhalb von Häusern.

Es sind Ideen wie diese, die das Innovationspotenzial einer Branche vor Augen führen, die bisher nur zwei Richtungen zu kennen schien: einmal auf, einmal ab. Doch auf der Aufzugsmesse E2, die am Dienstag und Mittwoch erstmals in Frankfurt stattfindet, sinnieren die Größten der Branche über ihre Zukunft: Wie sehen die Städte von morgen aus, wie werden dort Menschen transportiert – und was bedeutet das für Unternehmen und Mitarbeiter?

Technologien wie künstliche Intelligenz, das Internet of Things (IoT) oder Fernwartung ermöglichen den Herstellern dabei zum Teil völlig neue Geschäftsmodelle. Beispiel Otis: Erst kürzlich hat der Konzern in Deutschland mit „Otis One“ eine Plattform vorgestellt, die eingehende Daten von weltweit rund 300.000 Aufzügen sammelt, auswertet und nach möglichen Störungen überprüft.

Weil die Techniker den Fehler nicht erst suchen müssen, verringert sich der Arbeitsaufwand um etwa 70 Prozent. „Doch das ist nur der erste Schritt“, sagte Hoffmann. Denn das System erkennt einen Fehler nicht nur dann, wenn er eingetroffen ist – sondern im besten Fall schon vorher.

Auf solcherart vorausschauende Wartung setzt auch der kleinere Otis-Konkurrent Thyssen-Krupp. Mit der Software „Max“, die über ähnliche Funktionen verfügt, werden derzeit 120.000 Aufzüge weltweit in Echtzeit überwacht. „Das System erhöht Effizienz und Laufdauer der Aufzüge und vermeidet Frust bei Passagieren“, so Hyun-Shin Cho, Leiter für Digitalisierung bei Thyssen-Krupp Elevator.

Ein weiteres Innovationsfeld will der Schweizer Hersteller Schindler erschließen: den Aufzug als Kommunikationsmittel. So hat die deutsche Landesgesellschaft kürzlich ein Bildschirm-Modul entwickelt, das sich wie ein schwarzes Brett im Aufzug nutzen lässt. Schindler-Deutschland-Chef Meinolf Pohle erklärte dem Handelsblatt: „Solche Technologien können beispielsweise dazu verwendet werden, Werbeflächen im Aufzug zu vermieten – und die Anlage dauerhaft zu refinanzieren.“

Nicht nur das schwarze Brett, auch die Aufzugstür will Schindler digitalisieren – und mit riesigen Flachbildschirmen versehen, die Fahrgästen entweder Werbung, hilfreiche Informationen oder Nachrichten anzeigen können.

Umsätze treiben Investitionen

Was das noch mit Aufzügen zu tun hat? „Weil sich die Bildschirme ausschalten müssen, wenn die Türen öffnen, müssen sie mit der Elektronik im Aufzug verbunden werden. Das können nur wir“, so Pohle. Die Erschließung neuer Geschäftsfelder und damit auch neuer Kompetenzen kostet Zeit – und Geld.

Dabei hat die Branche beste Ausgangsbedingungen: Wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) am Dienstag mitteilte, legte der Auftragseingang der deutschen Hersteller nach Stückzahl im vergangenen Jahr um 2,4 Prozent auf 19.300 zu. Im ersten Halbjahr 2018 lag er sogar um sechs Prozent höher als im Vorjahr. „Seit Beginn des Jahres geht es im Aufzugsbau weiter bergauf“, erklärte VDMA-Fachverbandsvorsitzender Albert Schenk.

Doch nicht nur bei Neubestellungen, auch bei Modernisierungsaufträgen verzeichnete die Branche 2017 ein starkes Wachstum von fünf Prozent auf 227,2 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2018 lag der Wert sogar rund zehn Prozent über dem Vorjahr. Rekorde sprengte der Absatz von Fahrtreppen – mit einem Wachstum von 53,5 Prozent.

Der branchenweite Erfolg schlägt sich auch in den Investitionen nieder. So lässt etwa Schindler derzeit für 50 Millionen Euro einen Campus in Berlin errichten, der sich mit digitaler Mobilität beschäftigen soll.

Thyssen-Krupp wiederum baut für rund 130 Millionen Euro einen neuen Firmensitz in Atlanta – und will US-Kunden dort unter anderem den „Multi“ präsentieren, den ersten Aufzug, der ohne Seil kreuz und quer durch Gebäude fahren kann – ein System, das eher einem U-Bahn-Netz innerhalb eines Gebäudes als einem klassischen Lift ähnelt.

Doch bis Taxi-Unternehmen ihre Daten an Aufzüge melden, die wiederum ihre Daten an Flugzeuge schicken – wie es Otis-Deutschland-Chef Hoffmann vorschwebt –, ist es noch ein langer Weg.

Um die Entwicklung zu beschleunigen, schaut sich Hoffmann regelmäßig Start-ups an, etwa aus der Batterietechnik. „Manch einer würde sich vielleicht fragen, was man mit einer Batterie in einem Aufzug macht“, so Hoffmann. „Doch bei den jungen Unternehmern sprudeln bei der Frage nur so die Ideen.“ Fortschritt beginnt eben mit Fantasie.

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