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Paketdienste UPS sucht nach Alternativen zum Streetscooter

Der Paketriese rüstet seine Flotte auf alternative Antriebe um. Vom E-Laster seines Wettbewerbers DHL will der Konzern dennoch nichts wissen.
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Pakete sollen künftig emissionsfrei ausgeliefert werden. Quelle: dapd
UPS rüstet um

Pakete sollen künftig emissionsfrei ausgeliefert werden.

(Foto: dapd)

Düsseldorf Bei der Umrüstung seiner Auslieferungsflotte auf umweltfreundliche Antriebe gibt UPS dem deutschen Post-Konzern einen Korb. „Der elektrische Streetscooter, den die Post in Aachen und Düren produziert, ist für unsere Zwecke zu klein“, erklärte UPS-Deutschlandchef Frank Sportolari gegenüber dem Handelsblatt. Es habe vor einiger Zeit Gespräche zwischen den beiden Unternehmen gegeben, am Ende seien diese aber erfolglos beendet worden.

Für den Paket- und Expressriesen aus Atlanta, der in Deutschland 30.000 Mitarbeiter beschäftigt und die Bundesrepublik als seinen wichtigsten Auslandsmarkt führt, bleiben alternative Antriebe für die braunen Lieferfahrzeuge dennoch oben auf der Agenda.

„Ab 2020 werden wir jährlich 25 Prozent der neu beschafften Lieferwagen mit alternativen Kraftstoffen betreiben“, sagte Sportolari. Um die Emissionen zu reduzieren, habe sich UPS außerdem zum Ziel gesetzt, bis 2025 rund 40 Prozent seiner Antriebsenergie aus kohlenstoffarmen oder alternativen Kraftstoffen zu beziehen.

Als Vorreiter hatte sich der Wettbewerber DHL, die Paketsparte der Deutschen Post, zuletzt mit der konzerneigenen Tochter Streetscooter einen Namen gemacht. Seit der Übernahme des Start-ups, das einst an der RWTH Aachen gegründet wurde, vor fünf Jahren hat der Bonner Dax-Konzern bis zum Frühjahr 2019 rund 9.000 Elektrotransporter produziert. Weitere 6000 sollen im Laufe des Jahres hinzukommen, wodurch dann knapp 15 Prozent der Flotte des Gelben Riesen elektrifiziert wäre.

Den Amerikanern aber sind die Fahrzeuge zu klein. „Wir liefern mit 3,5-Tonnern und 7,5-Tonnern aus“, berichtet der Deutschlandchef – schließlich gehen rund 80 Prozent der Zustellungen an Firmenkunden. Die Zuladung des Streetscooters dagegen beträgt nicht einmal eine Tonne.

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Entsprechend lässt UPS an Alternativen basteln. 2007 starteten erste Tests mit einem britischen Hersteller, 2010 wurde man beim Mittelständler Elektro-Fahrzeuge Schwaben (EFA-S) fündig, der sich am Firmenstandort nahe Kirchheim/Teck auf den Umbau von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor zu umweltfreundlichen Elektroantrieben spezialisiert hat.

88 solcher umgerüsteten 7,5-Tonnen-Dieselfahrzeuge hat UPS mittlerweile deutschlandweit im Einsatz, viele davon in Düsseldorf und Karlsruhe. In ganz Europa sind 200 unterwegs. Mit den Umbauten sei man „sehr zufrieden“, heißt es dazu offiziell aus dem Unternehmen.

Lastenräder sind längst im Einsatz

Dennoch laufen parallel Tests mit einem Hybridfahrzeug, dessen Bausatz die litauische Firma Elinta liefert. Für die Karosserie, deren Design aus Atlanta schon seit dem Deutschlandstart 1976 penibel vorgegeben wird, ist die niedersächsische Firma Sommer Karosseriebau verantwortlich.

Die ersten Einsätze von 7,5-Tonnern in Hannover und 3,5-Tonnern in Frankfurt verliefen verheißungsvoll. „Wir werden noch weitere Fahrzeuge in diesem Jahr umrüsten“, kündigt Sportolari deshalb an.

Endgültig entschieden ist aber noch nichts. In Köln schickte UPS im Mai 2019 in einem dritten Akt den Elektro-Nutzfahrzeugentwickler BPW testweise ins Rennen. Dort befinden sich die ersten Ergebnisse noch in der Auswertung.

Deutlich weiter ist „Big Brown“ dagegen schon bei einer ganz anderen Antriebsart: dem Lastenfahrrad. Vor zehn Jahren in Hamburg gestartet, sind die Lastenfahrräder inzwischen an 30 Standorten deutschlandweit im Einsatz, darunter auch in Dortmund oder Münster.

Dort starten sie üblicherweise von sogenannten Mikrodepots aus – mobilen Stahlcontainern oder Lastwagenanhängern, die zum Arbeitsantritt an vereinbarten Standorten aufgestellt werden. Auch Parkhaus-Erdgeschosse oder schlichte Garagen nutzt UPS mancherorts als Verteilzentrum in der Innenstadt. „Innerhalb des Mittleren Rings in München wollen wir das komplette Gebiet mit solchen Lastfahrrädern abdecken“, kündigt Sportolari an. Nur Großlieferungen etwa an Warenhäuser sollen dann noch mit dem Lkw ausgefahren werden.

Experten wie der Hamburger Logistikberater Horst Manner-Romberg halten solche Planungen und Konzepte keineswegs für einen Luxus. „Die Paketdienste müssen sich darauf einstellen, dass in vielen Metropolen Innenstadtsperrungen verhängt werden“, beobachtet er. „Angesichts der Umweltbelastungen und des drohenden Verkehrsinfarkts in den Citys bleibt vielen Verwaltungen nichts anderes übrig.“

Städte sperren die Zufahrt für Autos

Wie ernst die Lage ist, können Zustellfirmen seit dem vergangenen Wochenende in Hamburg verfolgen. Dort ziehen die Grünen aktuell mit der Forderung in den Bürgerschaftswahlkampf, die Haupteinkaufsmeile Mönckebergstraße sowie Teile des Jungfernstiegs komplett für den motorisierten Verkehr zu sperren. „UPS hat mit den Lastenfahrrädern vorausschauend auf das richtige Konzept gesetzt“, ist sich Manner-Romberg deshalb sicher.

Den Vorteil des Pedalantriebs sieht Deutschlandchef Sportolari allerdings nicht nur in der Umwelt- und Verkehrsfreundlichkeit. „Bei diesem Konzept können wir Fahrer einstellen, denen ein Lkw-Führerschein fehlt“, sagt der in Chicago geborene Manager im Hinblick auf den deutschen Arbeitskräftemangel.

Das Beispiel macht Schule. UPS-Stationen in Dublin, Paris und Mailand haben das Modell seit Kurzem übernommen. „Demnächst werden es auch die USA importieren“, kündigt Sportolari an.

Nicht sein einziger Erfolg. Gleichzeitig schaffte das Konzernsegment „International Package“, in dem Deutschland die Hauptrolle spielt, im zurückliegenden Quartal eine Rekordmarge von 18,9 Prozent. Zum Vergleich: Der Wettbewerber Deutsche Post musste sich im selben Zeitraum mit fünf Prozent begnügen.

Dem Statthalter von Big Brown beschert all dies einen wichtigen Prestigegewinn für seinen Nebenjob. Seit anderthalb Jahren repräsentiert der 63-Jährige die US-Wirtschaft in Deutschland – in der Nachfolge von Ex-Ford-Deutschlandchef Bernhard Mattes als Präsident der American Chamber of Commerce in Germany.

Mehr: Brennstoffzellen sollen die Reichweite der E-Transporter erhöhen. Bis zu 500 Kilometer sollen die Streetscooter künftig fahren können.

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