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Pandemie Reisekonzerne rufen wegen Coronakrise den Staat zu Hilfe

Nach Marktführer Tui will auch der Wettbewerber FTI eine Staatsbürgschaft beantragen. Wegen der aktuellen Coronakrise könnten weitere folgen.
17.03.2020 - 15:54 Uhr Kommentieren
Rutschen Anbieter wie Tui in eine Insolvenz, drohen dem Staat Zahlungen in dreistelliger Millionenhöhe. Quelle: NurPhoto/Getty Images
Tui-Maschine

Rutschen Anbieter wie Tui in eine Insolvenz, drohen dem Staat Zahlungen in dreistelliger Millionenhöhe.

(Foto: NurPhoto/Getty Images)

Düsseldorf Der weltgrößte Reiseveranstalter Tui bleibt mit seinem Antrag auf Staatshilfe in Deutschland nicht allein. Auch Wettbewerber FTI Touristik, der im abgelaufenen Geschäftsjahr 4,2 Milliarden Euro umsetzte und damit europaweit auf Rang drei rangiert, ruft den Staat zu Hilfe.

Der Münchener Urlaubsveranstalter, der unter anderem mit Marken wie „BigXtra“, „Sonnenklar“, „5vorFlug“ oder „Windrose“ im deutschsprachigen, niederländischen und französischen Markt vertreten ist, wollte dazu zunächst keine weitere Auskunft geben.

Der Hannoveraner Reisekonzern Tui hatte in der Nacht zum Montag bekanntgegeben, er habe beschlossen, Staatsgarantien zu beantragen. Zudem zog Vorstandschef Fritz Joussen seine Prognose für das Geschäftsjahr 2020 ersatzlos zurück.

Aus Sicherheitsgründen habe man angesichts der Coronapandemie „in Übereinstimmung mit der Vorgabe der jeweiligen Regierungen“ beschlossen, „den größten Teil aller Reiseaktivitäten, einschließlich Pauschalreisen, Kreuzfahrten und Hotelbetrieb, bis auf Weiteres auszusetzen“. Man gehe aber davon aus, den Betrieb in einigen Wochen wieder starten zu können.

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    Der Kurs der in London notierten Aktien brach um rund ein Drittel ein. Seit dem 11. Februar haben die Papiere damit drei Viertel an Wert verloren, innerhalb der vergangenen 22 Monate sogar 86 Prozent. Auf Nachfrage erklärte ein Sprecher, Tui habe den Beschluss schon jetzt gefasst, um wegen der voraussichtlich längeren Bearbeitungsdauer rechtzeitig Hilfe zu bekommen.

    Noch verfüge der Konzern über Finanzmittel und Kreditfazilitäten in Höhe von rund 1,4 Milliarden Euro. Über die Höhe der beantragten Hilfe gab Tui auf Anfrage keine Auskunft. Es sei noch zu früh, Zahlen zu nennen, sagte ein Sprecher.

    FTI zieht Notbremse

    Noch prekärer als bei Tui dürfte es bei FTI Touristik aussehen. Das Unternehmen, das der Familie von Dietmar Gunz und dem ägyptischen Milliardär Samih Sawiris untersteht, besaß bereits vor der Coronakrise weitaus weniger Reserven als Tui. Das kräftige Umsatzwachstum von jährlich 13 Prozent seit 2011 bezahlten die Münchener mit einer überaus geringen Gewinnmarge.

    Selbst vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen sollen zuletzt gerade einmal 1,5 Prozent vom Umsatz übrig geblieben sein, berichten Branchenexperten. Noch im Dezember hatte FTI Hoffnungen geweckt, die geringe Eigenkapitalquote von rund zehn Prozent demnächst aufstocken zu können. Der Staatsfonds ADDH aus Abu Dhabi stellte eine Finanzspritze über 100 Millionen Euro in Aussicht, geflossen ist das Geld aber bis heute nicht.

    Inzwischen haben die Münchener, die insbesondere Urlaubsreisen in die Türkei, nach Ägypten, Griechenland und Spanien vermitteln, nach eigenen Angaben ihr Geschäft nahezu eingestellt. „Derzeit geht es so gut wie nur noch um Rückholaktionen“, sagte eine Sprecherin.

    Dass die ersten Reisekonzerne schon jetzt nach Staatshilfen rufen, hat einen triftigen Grund: Laut Paragraf 651h des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) sind die Reiseveranstalter verpflichtet, binnen zwei Wochen Kundenanzahlungen zurückzuzahlen, falls sie Reisen stornieren. Nur die Ausgabe von Reisegutscheinen kann dies verhindern – falls Urlauber dies akzeptieren.

    Für Tui, FTI und Co. bedeuten die Rückzahlungen einen bedrohlichen Schwund an Liquidität. Etwa 20 Prozent des Jahresumsatzes, errechneten Experten nach der Pleite von Thomas Cook, halten große Reiseveranstalter üblicherweise an Urlaubsanzahlungen in ihren Bilanzen. Fehlen die Gelder, droht vielen Veranstaltern die Illiquidität.

    Steuerzahler müsste für Ausfälle aufkommen
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