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Paolo Barilla im Interview „Größe macht dich auch zerbrechlich“

Der Chef des Nudelherstellers Barilla spricht über die Herausforderungen durch die Generation Y, die Globalisierung, Pasta aus Gemüse und eigene Restaurants.
15.07.2018 - 19:36 Uhr Kommentieren
Per Paolo Barilla, stellvertretender Vorsitzender des italienischen Nudelherstellers und Weltmarktführers Barilla. Quelle: Salvatore Vinci / 13 Photo
Paolo Barilla

Per Paolo Barilla, stellvertretender Vorsitzender des italienischen Nudelherstellers und Weltmarktführers Barilla.

(Foto: Salvatore Vinci / 13 Photo)

Gutes Essen ist für Paolo Barilla wichtig. Zum Interview kommt er etwas zu spät, weil er vorher noch eine kleine Mahlzeit einnehmen wollte. Natürlich am liebsten Pasta, aber nicht mit roter Soße, sondern mit Olivenöl und Parmesan. Doch dann ist er hochkonzentriert und redet mit Begeisterung über die Zukunft seines Unternehmens.

Herr Barilla, wie verändert die Generation Y die Wirtschaft?
Ich habe viel Erfahrung, aber die junge Generation hat mehr Träume als Erfahrungen, und es ist ihr Wunsch, in einem Unternehmen zu arbeiten, das die Zukunftsfragen proaktiv angeht. Wir haben den jungen Menschen die Tür zu unserem Unternehmen geöffnet. Dann haben wir aber auch die Pflicht, ihnen zu ermöglichen, sich zu entfalten und zu engagieren. Wenn wir es auf diese Weise nicht nur schaffen, unser Unternehmen besser zu machen, sondern auch die Gesellschaft zu verändern, dann haben wir wirklich etwas, worauf wir stolz sein können.

Was bedeutet das für Barilla?
Wir dürfen uns nicht mehr darauf zurückziehen, was unser Geschäftszweck ist, sondern wir müssen Verantwortung für die Zukunft der Gesellschaft übernehmen. Barilla hat eine lange Historie, auf die wir stolz sein können, aber wir müssen uns die Frage stellen, was wir heute erreichen wollen? Wir möchten als Führer des Wandels gesehen werden. Wir könnten einfach nur ein gutes Unternehmen sein, aber wir möchten Institutionen und anderen Unternehmen ein Vorbild sein für einen Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit. Das ist keine Frage des Wettbewerbs, sondern der Verantwortung.

Interessiert die Kunden wirklich das Thema Nachhaltigkeit, oder schauen sie am Ende doch nur auf den Preis?
In der Vergangenheit haben Kunden unsere Produkte gekauft, ohne sich dafür zu interessieren, was für ein Unternehmen dahintersteht. Heute aber fordern die Kunden detaillierte Informationen – über die Lieferkette, über die Produktion und auch über die Ideen, wie du dein Unternehmen weiterentwickelst. Wir erleben eine ganz neue Ära, in der Transparenz Pflicht ist. Ich bin überzeugt davon, wenn wir nur unser Kerngeschäft sehen und nicht auch Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen, dann wird unser Unternehmen verschwinden.

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    Haben Sie da als Familienunternehmer mehr Freiheiten?
    Der Vorteil eines Familienunternehmens ist, dass du frei bist von kurzfristigen Beschränkungen. Wir sind finanziell diszipliniert wie ein börsennotiertes Unternehmen. Das kombinieren wir mit der Freiheit, Entscheidungen dann zu treffen, wenn wir das Gefühl haben, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist – und nicht dann, wenn wir von außen dazu gedrängt werden.

    Ist Ihnen nachhaltige Entwicklung wichtiger als Wachstum?
    Als ich angefangen habe, hieß es immer, ein Unternehmen müsse größer werden, um sicherer zu sein. Ich bin aber davon überzeugt, dass größer zugleich zerbrechlicher ist. Du musst dich ständig überprüfen und verbessern und darfst nichts selbstverständlich nehmen. Um das Unternehmen zu schützen, musst du dich schnell auf die Herausforderungen der Zukunft einstellen.

    In Italien werden Forderungen laut, mehr Rohstoffe aus dem eigenen Land zu verwenden. Ärgert Sie das als global denkender Unternehmer?
    Globalisierung wird heute als etwas Negatives empfunden, die Menschen haben nicht die Überzeugung, dass sie ein besseres Leben schafft. Die Politik hat dieses Gefühl bestärkt, die Grenzen hochgezogen, Zölle erhöht und den Menschen erzählt, es wäre ein Wert an sich, lokale Produkte zu kaufen – egal ob sie nun besser sind oder nicht. Wir in den Unternehmen sehen das eher nüchtern. Wir schauen beispielsweise nach den besten Rohstoffen. Die wichtigen Kriterien sind für uns Sicherheit und Qualität.

    Und der beste Weizen kommt nicht aus Italien?
    Man sieht in fast allen Ländern die Ideologie: Lokal ist besser. Wenn wir mit lokalen Produkten bessere Qualität produzieren können, dann machen wir das. Aber wenn das nicht möglich ist, warum sollten wir es dann tun?

    Passt die Pasta überhaupt noch zu den Trends für immer gesündere Ernährung?
    Wir laufen nicht jedem neuen Trend hinterher. „Glutenfrei“ beispielsweise hat viele Verbraucher in die Irre geführt. Natürlich gibt es eine kleine Anzahl an Menschen, die wirklich eine Gluten-Intoleranz haben, und für die müssen wir auch gute und schmackhafte Lebensmittel produzieren. Aber die Mode von glutenfreien Diäten, die aus den USA gekommen ist, ist allen wissenschaftlichen Erkenntnissen nach fragwürdig. Deswegen produzieren wir zwar glutenfreie Lebensmittel, aber wir bewerben sie nicht für die Masse der Konsumenten.

    Können Sie sich denn als Hersteller solchen Trends wirklich verweigern?
    Eins ist klar: Wir können solche Trends nicht beeinflussen oder stoppen. Aber wir werden sie auch nicht befördern. Unsere Botschaft ist die Freude am Lebensmittel.

    Lässt sich das durchhalten, wenn man auf immer mehr Inhaltsstoffe verzichten muss?
    Der wichtigste Trend, den ich sehe: Die Menschen wollen sich ausgewogener ernähren, aber keiner will auf Geschmack verzichten. Innovationen bei Lebensmitteln sind keine Magie. Aber es ist schwierig, gut schmeckende Produkte zu entwickeln, bei denen du bewusst auf etwas verzichten willst – weniger Zucker, weniger Salz, weniger Fett – weil sich dadurch die Struktur verändert.

    Auf welche Innovation sind Sie besonders stolz?
    Eine unserer wichtigen Innovationen sind Pasta aus Gemüse. Die sind unglaublich schwierig herzustellen. Ich probiere die Prototypen jede Woche, und ich mag sie sehr gerne. Wenn die reif für die Produktion sind, ist das etwas, das wir gerne bewerben, weil es wirklich gesunde Ernährung ist. Aber mit Pasta haben die natürlich nur noch die Form gemeinsam. Bei der Produktion von frischer Pasta lernen wir auch noch. Wir haben im vergangenen Oktober die ersten Produkte in Deutschland auf den Markt gebracht, und sie verkaufen sich gut.

    Was sind Ihre erfolgreichsten Produkte?
    Die höchsten Wachstumsraten haben wir bei den Saucen und da speziell beim Pesto. Wir haben in den vergangenen fünf Jahren viel investiert in Technologie, um den ursprünglichen Geschmack der Zutaten noch stärker zu erhalten. Früher musste man mit hoher Temperatur arbeiten, um das Produkt sicher zu machen, da bietet uns die Technologie heute viel bessere Möglichkeiten.

    Schlagen sich die Innovationen auch in wirtschaftlichem Wachstum nieder?
    Wir hatten im vergangenen Jahr ein schönes Wachstum, zwischen zwei und drei Prozent. In Deutschland läuft es sehr gut, das ist neben Russland einer der besten Märkte für uns. Da sind wir 2017 um acht Prozent gewachsen. In den vergangenen zehn Jahren haben wir unseren Umsatz in Deutschland verdoppelt. Auch in diesem Jahr wollen wir in einem ähnlichen Tempo wachsen. Aber die Entwicklung der Märkte ist zurzeit sehr schwer vorauszusagen, da gibt es starke Schwankungen.

    Sie betreiben in den USA eigene Restaurants. Werden wir die bald auch in Deutschland sehen?
    Eigene Restaurants sind für uns ein Test, bei dem wir mehr über die Konsumenten lernen. Du erfährst viel darüber, wie die Menschen auf deine Produkte reagieren. Daraus können wir Rückschlüsse für die Entwicklung ziehen. Aber in Deutschland sind in nächster Zeit keine Restaurants unter der Marke Barilla geplant.

    Vielen Dank für das Interview.

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