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Papierindustrie Melitta prüft Verkauf von Berliner Werk

Das finnische Start-up Paptic könnte das erst 2012 eröffnete Werk übernehmen. Das Geschäft mit Spezialpapier ist für Melitta schon länger ein Problemfall.
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Turbulente Zeiten für die Mitarbeiter. Quelle: Pressefoto
Melitta-Tasse

Turbulente Zeiten für die Mitarbeiter.

(Foto: Pressefoto)

HamburgDas ostwestfälische Unternehmen Melitta gehört zu den ältesten Markenunternehmen in Deutschland – und zu denjenigen mit einem der klingendsten Namen. Kaffeefilter, Bohnenkaffee und nicht zuletzt der legendäre Melitta-Mann aus der Fernsehwerbung stehen für Vertrauen.

Doch die Mitarbeiter des Unternehmens, zu dem auch Toppits-Frischhaltefolien und Swirl-Staubsaugerbeutel gehören, erlebten in den vergangenen Jahren Werksschließungen und -verlagerungen. Jetzt steht offenbar auch das Berliner Werk für Spezialpapier zur Disposition. Das 110 Jahre alte Unternehmen prüft nach Informationen des Handelsblatts aus mit dem Vorgang vertrauten Kreisen den Verkauf an ein Start-up aus Finnland.

Bislang stellt Melitta für die Industrie etwa Spezialpapiere für Tapeten her. Künftig könnte ein moderneres Produkt vom Band des Werks in Berlin-Neukölln laufen: Das vor vier Jahren gegründete finnische Unternehmen Paptic bietet ein Verpackungsmaterial aus Holzfasern als Alternative zu Kunststoffverpackungen und Plastiktüten an.

Bislang beauftragen die Finnen Auftragshersteller mit der Produktion des neuartigen Verpackungsmaterials, das auf bestehenden Papierverpackungsmaschinen weiterverarbeitet werden kann.

Derzeit ist Paptic auf der Suche nach eigenen Produktionsanlagen – und dabei augenscheinlich auf Melitta gestoßen. Allerdings ist das Geschäft offenbar noch nicht fest vereinbart, insbesondere die Finanzierung steht noch nicht.

„Wie aus frei zugänglichen Quellen hervorgeht, ist Paptic mitten in einer Finanzierungsrunde für den industriellen Aufbau. Zu diesem Zeitpunkt können wir dazu keinen weiteren Kommentar abgeben“, teilte Paptic-Mitgründer Esa Torniainen mit.

Vorbereitungen für den Deal laufen offenbar

Paptic hatte 2017 angekündigt, eine eigene Produktion mit etwa 30 Mitarbeitern zu planen und dafür zehn Millionen Euro einsammeln zu wollen. Genutzt werden solle dabei etwa stillgelegte Kapazität von traditionellen Papierherstellern. Denkbar sei auch eine Partnerschaft mit einem Hersteller. Eigentlich sollte das Vorhaben bereits Ende 2018 umgesetzt sein.

Vorbereitungen für den Deal sind offenbar getroffen worden. Anfang 2019 wurde in Hamburg eine Paptic GmbH im Handelsregister eingetragen unter der Adresse einer weltweit tätigen Wirtschaftskanzlei am Jungfernstieg. Als einer der Geschäftsführer agiert Paptic-Mitgründer Tuomas Mustonen.

Eine Melitta-Sprecherin wollte den Vorgang nicht kommentieren. Die Zurückhaltung von Melitta könnte auch damit zu tun haben, dass das Unternehmen bereits einige Auseinandersetzungen mit Arbeitnehmervertretern hatte. Schließlich schloss Firmenerbe Jero Bentz aus der vierten Unternehmergeneration erst vor zwei Jahren zwei Werke.

Er bündelte die Produktion von Staubsaugerbeuteln in Spenge bei Herford. 120 Mitarbeiter mussten umziehen. In Minden fielen 164 Arbeitsplätze in der Toppits-Fertigung weg, die komplett ins kostengünstigere Polen verlegt wurde.

Das Geschäft mit Spezialpapier für die Industrie blieb jedoch ein Problemfall. „Der Markt für Tapetenvliese und für Spezialpapiere zeigt weiterhin noch keinen positiven Trend. In Deutschland, aber auch in den internationalen Märkten geht die Nachfrage nach Tapetenvliesen zum Teil deutlich zurück. Ein rückläufiges Preisniveau bei sich weiter verschärfendem Wettbewerb kennzeichnen die sehr schwierigen Rahmenbedingungen“, heißt es im Geschäftsbericht 2017, dem jüngsten im Bundesanzeiger veröffentlichten Dokument. Damals setzte Melitta insgesamt 1,5 Milliarden Euro um. Angaben zum Gewinn gab es nicht.

Spezialpapier für die Industrie

Das Melitta-Papiergeschäft ist im Tochterunternehmen Neu Kaliss Spezialpapier (NKS) gebündelt. Hauptsitz ist in Neu-Kaliß in Mecklenburg-Vorpommern. 1992 kaufte Melitta in dem Ort die Spezialpapier-Produktion , deren Geschichte bis ins Jahr 1799 zurückverfolgt werden kann und die nach der Wiedervereinigung reprivatisiert wurde.

Neben Melitta-Filtertüten und Tapentenvlies entstehen im 1995 neu errichteten Werk auch Spezialprodukte wie Industriefilter etwa für Molkereien und elektrisch leitfähige Papiere. Laut Angaben im Bundesanzeiger kam das Melitta-Geschäft mit Spezialpapier 2016, also NKS, auf 50 Millionen Euro Umsatz. Im gesamten Melitta-Papiergeschäft, zu dem neben NKS auch Staubsaugerbeutel und Backpapier gehören, arbeiteten 2016 insgesamt 445 Menschen.

Zum Verkauf steht offenbar das zweite Werk in Berlin-Neukölln, das Melitta erst 2012 in Betrieb genommen hat. NKS preist das Werk als „führende und innovativste Technologie der Papierherstellung im Schrägsiebverfahren“. Das würde wohl gut zu Paptic passen, denn die Finnen bieten seit 2015 ebenfalls bedrucktes Verpackungsmaterial für Industriekunden an.

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