Payback und Co. Warum die Deutschen Treueherzen lieben

Coupons, Treuepunkte und Rabattmarken: Wenn es ums Einkaufen geht, sind die Deutschen Jäger und Sammler. Auch im digitalen Zeitalter haben Einzelhändler Erfolg mit Bonus-Programmen. Dabei kommt nicht jede Aktion an.
Kommentieren
Viele Deutsche schätzen das Bonussystem. Quelle: dpa
Payback-Punkte

Viele Deutsche schätzen das Bonussystem.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Egal ob Treueherzen für ein neues Messerset, Sammelbilder zur Fußball-Europameisterschaft oder ganz nüchtern Payback-Punkte: Die Deutschen sind begeisterte Bonusjäger. Nach einer aktuellen Studie des Marktforschungsunternehmens Nielsen nutzen fast drei Viertel der Bundesbürger Treueprogramme des Einzelhandels. Damit liegen sie deutlich über dem europäischen Durchschnitt.

Für den Marketingexperten Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU kommt das nicht überraschend: „Wir sind in unserem Herzen immer noch Jäger und Sammler“, erklärt der Marketing-Experte den anhaltenden Erfolg. Die Sammelleidenschaft der deutschen Konsumenten ist der Nielsen-Studie zufolge so groß, dass sie im Zweifel Händler bevorzugen, die mit Treueaktionen locken. Kein Wunder also, dass beim Bezahlen im Laden Fragen wie „Haben Sie eine Payback-Karte?“ oder „Sammeln Sie unsere Treuepunkte?“ inzwischen fast so selbstverständlich sind wie das Kassieren.

Damit zahlen die Deutschen am liebsten
Platz 6: Sonstige, z.B. mobiles Bezahlen
1 von 7

Der Umsatzanteil von Zahlungsarten wie dem Bezahlen per Smartphone lag 2015 im stationären Einzelhandel bei nur 0,6 Prozent. Auf marktreife mobile Bezahllösungen wartet der Handel noch immer. Die Voraussetzungen dafür hat er allerdings größtenteils geschaffen. So ist kontaktloses Bezahlen bereits in der Hälfte der großen Unternehmen möglich. Bis zum Jahresende wird sogar erwartet, dass er auf gut 60 Prozent steigen wird. Das hat eine aktuelle Studie des EHI Retail Institute für Handel ergeben.

Platz 5: Rechnung
2 von 7

Nur an vorletzter Stelle befindet sich das Bezahlen per Rechnung auf der Beliebtheitsskala der Deutschen. Der Anteil am Umsatz des stationären Einzelhandels beträgt hier nur 2,5 Prozent.

Platz 4: Kreditkarte
3 von 7

Im Dezember 2015 wurden EU-weit die InterChange-Gebühren auf 0,3 Prozent für Kredit- und 0,2 Prozent für Debitkarten gedeckelt. Die Folge ist, dass nun auch Discounter wie Aldi und Lidl und große Unternehmen anderer Branchen wie Media-Saturn flächendeckend Kreditkarten akzeptieren. Das hat zu einem Anstieg der Kreditkartenumsätze auf 22,9 Milliarden Euro geführt. Das Institut EHI geht davon aus, dass sich dieser Effekt im laufenden Jahr weiter verstärken und für Kreditkarten einen weiteren Zuwachs auf 6,2 Prozent bringen wird. Im Moment liegt der Umsatzanteil bei Zahlungen per Kreditkarte im Einzelhandel bei 5,7 Prozent.

Platz 4: Kreditkarte
4 von 7

Beschwerden gibt es allerdings über neue zusätzliche Systemgebühren, die MasterCard entwickelt hat. Es wird dabei vermutet, dass so die Erleichterungen für den Handel umgangen werden. Unzufriedenheit herrscht außerdem über die unterschiedliche Gebührenbelastung für private Kunden einerseits und für die erstaunlich hohe Zahl von Business Cards andererseits, die nicht von der Regulierung erfasst wurden.

Platz 3: EC-Lastschrift
5 von 7

Das EC-Lastschriftverfahren wurde eigentlich schon vielfach totgesagt. Doch 2015 stieg der Umsatzanteil um 0,8 Prozentpunkte auf 14,2 Prozent. 77,7 Prozent aller großen Handelsunternehmen setzen auf das EC-Lastschriftverfahren – vor allem in Kombination mit dem Electronic-Cash/Girocard-System.

Platz 2: Girocard / EC-Cash
6 von 7

Am zweitliebsten zahlen die Deutschen mit der Girokarte. 2015 lag der Umsatzanteil der Zahlung per EC-Cash im stationären Einzelhandel bei 23,2 Prozent. Von der Regulierung profitiert hat das System jedoch nicht. Zum ersten Mal seit der Einführung 1990/1991 hat es an Anteil verloren – und zwar um 0,5 Prozentpunkte. Es liegt nahe, dass die Ursache hierfür die Einführung und der Ausbau der Kreditkartenakzeptanz im Einzelhandel ist.

Platz 1: Bargeld
7 von 7

Am liebsten zahlen die Deutschen noch immer mit Bargeld. Der Umsatzanteil im stationären Einzelhandel lag hier 2015 bei 52,4 Prozent. Trotzdem wird immer wieder über eine Bargeldobergrenze diskutiert. Befürworter führen vor allem ein vereinfachtes Handling an der Kasse und geringere Kosten der Geldversorgung an, insbesondere dann, wenn Ein-Cent- und Zwei-Cent-Münzen abgeschafft werden würden. Kritiker fürchten hingegen, dass viele Kunden dafür wenig Verständnis hätten - zumal Preise abgeändert und Kassen neu programmiert werden müssten.

Am liebsten sind den Deutschen bei der Bonusjagd Nielsen zufolge direkte finanzielle Vorteile in Form von Preisnachlässen oder einer Auszahlung gesammelter Punkte. Davon profitieren nicht zuletzt Rabattsysteme wie Payback mit 28 Millionen ausgegebenen Karten und die Deutschlandcard, die auf über 20 Millionen Teilnehmer kommt.

Verbraucherschützer kritisieren allerdings immer wieder, dass durch die Nutzung der Karte und die damit verbundene Datensammlung der Weg zum gläsernen Kunden beschritten werde. Der Kunde gebe viel über sich preis, der gewährte Rabatt sei dagegen oft mager.

Daneben behaupten sich nach wie vor die klassischen Treuepunkt- und Sammelbild-Aktionen. Sie sind sogar eher noch häufiger geworden in den letzten Jahren. Denn inzwischen finden sie sich sogar bei Discountern, die über Jahrzehnten hinweg auf solche Kundenbindungsaktionen verzichteten.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Gratis-Prämien sind Kundenfänger
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Payback und Co. - Warum die Deutschen Treueherzen lieben

0 Kommentare zu "Payback und Co.: Warum die Deutschen Treueherzen lieben"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%