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Payment Eigener Zahlungsdienstleister mit Bafin-Lizenz: Otto will auf Onlinemarktplatz selbst kassieren

Der Händler geht bei der Weiterentwicklung seiner Plattform Otto.de einen mutigen Schritt: Der Konzern will eine Tochter gründen, die alle Zahlungsfunktionen abwickeln soll.
31.08.2020 - 19:00 Uhr Kommentieren
Der Servicegedanke steht für den Onlinehändler beim Payment-Angebot im Vordergrund. Er erhofft sich davon aber auch zusätzliche Erlöse durch Gebühren für die Zahlungsabwicklung. Quelle: dpa
Otto-Logo an der Konzernzentrale in Hamburg

Der Servicegedanke steht für den Onlinehändler beim Payment-Angebot im Vordergrund. Er erhofft sich davon aber auch zusätzliche Erlöse durch Gebühren für die Zahlungsabwicklung.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der Onlinehändler Otto Group treibt die Weiterentwicklung seiner Plattform Otto.de zu einem Marktplatz mit aller Macht voran. Nach dem Vorbild von Amazon sollen dort künftig Dritthändler für einen großen Teil des Umsatzes sorgen. Nachdem es anfangs technische Schwierigkeiten mit der automatisierten Anbindung der Händler an die Plattform gab, scheinen die Prozesse jetzt zu funktionieren.

„Der Ausbau unseres Marktplatzes läuft auch in der Coronazeit unter Volldampf“, berichtet Marc Opelt, Vorsitzender des Bereichsvorstands von Otto, im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Jeden Tag kommen neue Händler auf die Plattform, Ende des Jahres werden es weit über 1000 sein“, prophezeit Opelt. Damit hätte sich die Zahl der Marktplatzteilnehmer in diesem Jahr mehr als verdoppelt. Rund fünf Prozent des Gesamtumsatzes über die Plattform steuern bereits Handelspartner bei.

Nun hat Otto eine ganz entscheidende Weiterentwicklung der Plattform eingeleitet. Das Hamburger Unternehmen will eine Tochtergesellschaft gründen, die sämtliche Zahlungsfunktionen auf dem Marktplatz abwickeln soll.

Der Aufbau eines eigenen Payment-Dienstleisters ist für uns der nächste große und logische Schritt auf dem Weg unserer Transformation von einem Onlinehändler zu einem Plattformbetreiber“, sagt Otto-Vorstand Opelt.

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    Die Wandlung von Otto hat schon vor vielen Jahren begonnen, als der ehemalige Katalogversender beschloss, komplett auf den E-Commerce zu setzen. Als nächster Schritt wurde dann Otto.de in eine Plattform umgewandelt, auf der auch Dritthändler ihre Waren anbieten können. In dieses Projekt hat die Otto Group bereits einen dreistelligen Millionenbetrag investiert.

    Grafik

    Doch die Umstellung auf einen Onlinemarktplatz ist nicht nur eine technische Herausforderung, sondern auch eine Frage der Unternehmenskultur. „Es ist auch ein kultureller Wandel notwendig“, betonte Alexander Birken, Chef der Otto Group, jüngst im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Wenn ich in meiner DNA verankert habe, dass ich Händler bin, und es plötzlich aushalten muss, dass ich faire Konkurrenz auf der eigenen Plattform zulasse, ist das auch eine große Herausforderung für die Änderung des Selbstverständnisses.“

    Während daran noch gearbeitet wird, geht Otto jetzt bereits die nächste Hürde an: die Zentralisierung der Zahlungsabwicklung in der eigenen Hand. „Unser Ziel ist es, die Funktionen und die Zahlungsflüsse für unsere Endkunden und für die Handelspartner möglichst einfach und reibungslos zu gestalten“, begründet Otto-Vorstand Opelt diese Änderung.

    Bisher übernehmen verschiedene externe Zahlungsdienstleister diese Funktion auf Otto.de. Das Ergebnis ist für den Kunden, dass ihm unterschiedliche Services zur Verfügung stehen, je nachdem, ob er direkt bei Otto kauft oder bei einem unabhängigen Handelspartner. Das möchte der Plattformbetreiber vereinheitlichen und damit verbessern.

    Ansprüche des Handels gewachsen

    „Wir wollen die volle Hoheit darüber bekommen, welche Services angeboten werden und wie sie gestaltet sind“, erklärt Opelt. Der Endkunde werde bei der Bezahlung nur noch einen Adressaten haben, nämlich Otto. „Funktionen wie Rechnungskauf und Ratenzahlung, die bei Otto seit Jahren selbstverständlich sind, können dann im exakt gleichen Standard auch von den Partnern angeboten werden“, wirbt Opelt für die Umstellung.

    „Mittlerweile sind die Ansprüche des Handels an die Zahlungsabwickler deutlich gestiegen“, bestätigt auch Payment-Experte Ulrich Binnebößel vom Deutschen Handelsverband. „Die Systeme müssen heute sehr viel flexibler sein und sich schnell auf Änderungen einstellen können. Im Mittelpunkt steht, dass sie kanalübergreifend sowohl in der Filiale wie auch im Onlineshop eingesetzt werden können und dass sie alle Zahlarten akzeptieren.“

    Mit dem Aufbau eines eigenen Zahlungsdienstleisters geht Otto jedoch einen deutlichen Schritt weiter als die meisten Konkurrenten. Ebay beispielsweise hat erst im vergangenen Jahr begonnen, in Deutschland überhaupt auf eine zentrale Zahlungsabwicklung umzustellen. Zuvor hatte noch jeder Dritthändler auf dem Marktplatz selber beim Endkunden kassiert.

    Künftig zahlen die Endkunden an Ebay, und der Plattformbetreiber leitet das Geld dann an die Konten der Verkäufer weiter. Der größte Unterschied zu den Plänen von Otto: Ebay organisiert die Zahlungsabwicklung nicht selbst, sondern hat dafür den Payment-Dienstleister Adyen als Partner, der bereits über eine europäische Banklizenz verfügt.

    Bis zu 150 Mitarbeiter werden abgestellt

    Deutschland war dafür neben den USA der Pilotmarkt. „Wir schauen uns regelmäßig die regionalen Bezahlpräferenzen unserer Kundinnen und Kunden an und greifen ihr Feedback aktiv auf“, erklärt Oliver Klinck, Chief Commercial Officer von Ebay Germany. „So können wir Käuferinnen und Käufern eine höhere Flexibilität und neue Zahlungsoptionen anbieten.“

    Nun ist eine Vereinbarung mit der ehemaligen Tochter Paypal ausgelaufen, die den weltweiten Ausbau gebremst hatte. Ebay-CEO Jamie Iannone erhofft sich daraus auch finanzielle Vorteile. „Wir haben bereits eine große Dynamik bei der Zahlungsabwicklung erlebt und erwarten hier für 2022 Einnahmen in Höhe von zwei Milliarden Dollar und ein Betriebsergebnis von 500 Millionen Dollar“, betonte er.

    „Als gut durchdachte Plattform brauchst du eine zentrale Zahlungsabwicklung“, betont Marktplatzexperte Mark Steier, der auch den renommierten Branchenblog Wortfilter betreibt. Er sieht deshalb die Initiative von Otto durchaus positiv. „Wenn du im Besitz der gesamten Prozesskette bis, kannst du den Kunden das beste Einkaufserlebnis bieten.“

    Die Otto Group ist sich durchaus bewusst, dass diese Komplettübernahme des Payments ein echter Kraftakt ist. „Die Übernahme der Zahlungsabwicklung ist einer der ganz großen Brocken bei unserer Transformation“, sagt Vorstand Opelt.

    Jetzt arbeiten schon über 100 Mitarbeiter an dem Projekt. „Insgesamt planen wir mit bis zu 150 Mitarbeitern bei unserer eigenen Payment-Gesellschaft“, so Opelt. Das Unternehmen sucht zunächst 20 bis 40 Spezialisten für den neuen Bereich, die Stellenausschreibungen gehen noch diese Woche raus. Im Sommer 2021 soll der Payment-Dienstleister offiziell als eigene Gesellschaft ausgegliedert werden.

    Lizenz der Bafin notwendig

    Um diesen Service auch für andere Händler anbieten zu können, braucht Otto jedoch auch eine Lizenz der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Das wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. „Mit einem offiziellen ,Go live' rechnen wir vorbehaltlich der Bafin-Zustimmung im Frühjahr 2022“, sagt Opelt. Ab diesem Zeitpunkt soll die Gesellschaft die gesamte Zahlungsabwicklung zwischen Endkunden, Marktplatz und Händlern auf otto.de übernehmen.

    Ein großer Vorteil der Zahlungsabwicklung aus eigener Hand könnte perspektivisch auch sein, dass sich der Plattformbetreiber nicht von einem Zahlungsdienstleister abhängig macht. Welche Folgen das haben kann, zeigt gerade die Pleite von Wirecard. Das Unternehmen hatte für viele Onlinehändler zumindest Teile der Zahlungsabwicklung übernommen. Viele Händler sind jetzt auf der Suche nach einem neuen Partner, Wirecard-Konkurrenten wie Adyen konnten in kürzester Zeit neue Kunden gewinnen. „Die Zahlungsabwicklung ist ein sehr sensibler Bereich, in dem sich unsere Partner hundertprozentig auf uns verlassen können sollen“, weiß auch Otto-Vorstand Opelt.

    Er macht aber auch keinen Hehl daraus, dass das Unternehmen ähnlich wie Ebay zugleich ein finanzielles Eigeninteresse an dem neuen Service hat. „Der Servicegedanke steht für uns ganz klar im Fokus“, betont er, ergänzt jedoch: „Aber wir erhoffen uns davon auch zusätzliche Erlöse, denn zu den Händlermargen kommen künftig auch Gebühren für die Zahlungsabwicklung.“

    Chinesische Plattformen mit Vorbildfunktion

    Für viele Händler, die bisher noch keinen eigenen Onlinehandel haben, sind Marktplätze eine gute Möglichkeit, mit wenig Aufwand parallel zu ihrem stationären Geschäft in den E-Commerce einzusteigen. Gerade durch die erzwungenen Schließungen infolge der Corona-Pandemie ist vielen bewusst geworden, wie wichtig ein zweites Standbein ist. Da sie jedoch keine Erfahrung mit dem Onlinehandel haben, ist es für sie hilfreich, wenn der Plattformbetreiber ihnen möglichst viele Services anbieten kann.

    Welche strategische Bedeutung die Zahlungsabwicklung auf einem Marktplatz auch zur Kundenbindung haben kann, zeigen beispielhaft chinesische Plattformanbieter wie Alibaba oder Tencent. Der Onlinehändler Alibaba etwa hat mit „AliPay“ eine eigene Zahlungsfunktion eingeführt, die auch abseits des eigenen Marktplatzes genutzt wird. Auch Tencent hat „WeChatPay“ in sein soziales Netzwerk WeChat integriert. Kunden können so Waren, die ihnen dort empfohlen werden, sofort über die Zahlungsfunktion kaufen.

    Mittlerweile haben sich Millionen von chinesischen Konsumenten selbstverständlich daran gewöhnt, mit AliPay oder WeChatPay zu bezahlen - selbst in stationären Geschäften. Deshalb bieten auch deutsche Händler wie die Drogerien dm oder Rossmann oder das Kaufhaus Breuninger diese Zahlungsfunktionen an, um chinesische Touristen in ihre Filialen zu locken.

    So weit allerdings will die Otto Group nicht gehen. „Unser Ziel ist es nicht, ein eigenes Zahlungsmittel für externe Plattformen anzubieten“, sagt Otto-Vorstand Opelt. Einen Zahlungsdienst „Otto-Pay“ wird es also erst mal nicht geben.

    Mehr: Konzernchef Alexander Birken: „Die Otto Group wird nach diesem Jahr ein anderes Unternehmen sein.“

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