Penny gegen Pippi BGH weist Forderung von Lindgren-Erben ab

Rote Zöpfe, gelbes Kleid, bunte Socken: Das ist Astrid Lindgrens Romanheldin Pippi Langstrumpf. Weil eine Supermarktkette das Kostüm auf Broschüren drucken ließ, klagten Lindgren-Erben auf Lizenzgebühren – vergeblich.
Pippi Langstrumpf war Gegenstand eines Rechtsstreits. Quelle: dpa
Pippi Langstrumpf

Pippi Langstrumpf war Gegenstand eines Rechtsstreits.

(Foto: dpa)

KarlsruhePippi ist das stärkste Mädchen der Welt, sie lebt unabhängig und aufmüpfig. Auch im Zeitalter von Lara Croft und Lady Gaga bleibt Pippi Langstrumpf noch immer eine Sehnsuchtsfigur junger Mädchen. Im Karneval schlüpfen selbst erwachsene Frauen mit roter Zopfperücke, kurzem Kleidchen und Ringelstrümpfen in die Rolle der von Astrid Lindgren geschaffenen schwedischen Göre. Der Bundesgerichtshof (BGH) wies nach jahrelangem Rechtsstreit am Donnerstag eine Forderung der Lindgren-Erben endgültig zurück. Sie wollten eine Lizenzgebühr für eine Karnevalskostüm-Werbung der Supermarktkette Penny (I ZR 149/14).

Die Erben der Schriftstellerin haben dabei gar nichts gegen die Verkleidung als Pippi Langstrumpf einzuwenden. Penny aber ging ihnen zu weit, indem das Unternehmen im Jahr 2010 millionenfach in Prospekten und auf Plakaten sowie im Internet für Faschingsverkleidungen warb. Zu sehen waren ein Mädchen und eine junge Frau im „Püppi“ genannten Kostüm mit roten abstehenden Zöpfen, kurzem T-Shirt-Kleid und langen Ringelstrümpfen.

Bereits 2013 hatte der BGH die Lizenzforderung der Erben in Höhe von 50.000 Euro zurückgewiesen, denn es seien keine Urheberrechte verletzt worden. Jetzt ging es vor allen um die Frage, ob die Abbildungen im Werbeprospekt lediglich eine Assoziation an die berühmte Romanfigur weckten oder damit eine schutzwürdige Leistung durch Nachahmung ausgenutzt wurde. Grundsätzlich sei es möglich, dass eine literarische Figur nach dem Leistungsschutzrecht geschützt sei, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Büscher.

Der Versicherungsfall Langstrumpf
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Ein Pferd auf der Veranda, ein Affe als Haustier, ein Koffer voll Goldmünzen – und kein Erwachsener in Sicht. Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf ist das stärkste Mädchen der Welt. Im Film „Pippi in Taka-Tuka-Land“ (1970) geht so einiges zu Bruch. Pippi muss ihren entführten Vater befreien und gegen Piraten kämpfen. Für das Allianz-Kundenmagazin „1890“ hat sich Schadenexpertin Christiane Maderer den schwedischen Kinderfilm mit gezücktem Taschenrechner angesehen. Ein kaputtes Bett in der Villa Kunterbunt, die Festungsmauer, mehrere Fenster und ein Schiffsmast stehen in der Schadenakte. Ihr Urteil: Bedingt deliktsfähig: Die Schäden, die Pippi bei den Piraten in Taka-Tuka-Land hinterlässt, entstehen aus einer „akuten Notwehrsituation“.

ASTRID LINDGREN
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Bei solchen Gedankenspielereien würde sich vielleicht auch die Autorin Astrid Lindgren (Foto) die Haare raufen.
Vor der Regulierung würde Allianz-Expertin Maderer erstmal einige Fragen stellen: „Es muss geklärt werden, ob Pippis Vater nicht seine Aufsichtspflicht vernachlässigt hat beziehungsweise ob die neunjährige Pippi für ihr Tun verantwortlich gemacht werden kann.“ Denn bis zum vollendeten siebten Lebensjahr sind Kinder „nicht deliktsfähig“, das heißt, sie müssen für eventuell angerichtete Schäden keine Verantwortung übernehmen. Die Haftpflichtversicherung übernimmt die verursachten Kosten nur dann, wenn die Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzt haben.

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Im Alter zwischen sieben und 18 Jahren sind Kinder laut Gesetz „bedingt deliktsfähig“. Für einen Schaden, den sie jemandem zufügen, tragen sie dann die Verantwortung, wenn sie beurteilen können, was sie tun. Eine eventuell fehlende Einsichtsfähigkeit muss nachgewiesen werden, beispielsweise durch ein psychologisches Gutachten. Bei der neunjährigen Pippi könnte man nach der Einschätzung der Allianz Expertin Maderer eine gewisse Einsicht zugrunde legen: „Immerhin ist sie das stärkste Mädchen der Welt, sogar die verantwortungsbewussten Eltern von Tommy und Annika vertrauen Pippi ihre Kinder an“, so Maderer.

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Ein kaputtes Bettgestell in der Villa Kunterbunt

Die Konsequenz: Pippi handelt eigenverantwortlich, die Haftpflichtversicherung der Familie Langstrumpf muss prüfen, ob eine Ersatzpflicht für entstandene Schäden am Eigentum anderer Personen besteht. In diesen konkreten Fällen in der Villa und in Taka-Tuka-Land besteht jedoch keine Haftung. Doch wenn eigener Hausrat mutwillig beim Toben zerstört wird, zahlt keine Versicherung – wie im Fall des Bettgestells, das in der Villa Kunterbunt zusammenkracht, weil Pippi es als Trampolin missbraucht. Ein neues Bett (rund 400 Euro) müsste Papa Langstrumpf aus seiner eigenen Schatztruhe bezahlen.

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Eine Festungsmauer wird gesprengt

Auf der Taka-Tuka-Insel nimmt Pippi den Kampf mit den Piraten, die unter dem Kommando von Blut-Svente und Messer-Jocke stehen, auf und kann schließlich ihren Vater befreien, den Schatz bergen und die Mannschaft der Hoppetosse von ihrer Insel retten. Doch vorher sprengt sie eine Festungsmauer und es entsteht ein Schaden in Höhe von 2500 Euro.

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Fenster und Säbel gehen zu Bruch

Bei ihrem Kampf gegen die bösen Piraten wirft Pippi zwei Piraten durch das Fenster. Dass die Piraten sich dabei Schnittwunden zugetragen haben könnten ist eher unwichtig, wichtiger ist der entstandene Schaden in Höhe von 200 Euro. Des Weiteren zertrümmert sie einen Säbel (350 Euro).

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Eine Piratenfahne wird zerschossen

Die Rettung war ein langer Weg mit vielen Hindernissen, die Pippi nichts ausmachten. Das stärkste Mädchen der Welt nimmt sich jeder Herausforderung an und durchlöchert dabei eine Piratenfahne (120 Euro).

Er brachte alle Beteiligten auf den Stand, wie Lindgren ihre Pippi im Buch beschrieben hatte: rote Haare mit zwei geflochtenen, abstehenden Zöpfen, Sommersprossen, Kartoffelnase, breiter Mund, kurzes gelbes Kleid, blaue Hose mit weißen Punkten, unterschiedliche Strümpfe – einer schwarz, der andere geringelt – und schwarze Schuhe doppelt so groß wie ihre Füße. „Man kann sagen, es ist sehr wenig übernommen worden“, stellte Büscher in der Urteilsbegründung fest. „Das reicht für eine Nachahmung der Romanfigur einfach nicht aus.“

Der Anwalt der Klägerseite hatte zuvor vergeblich argumentiert: „Die Kostüme lassen sich nur gut verkaufen, weil jeder sagt, ‚das ist Pippi Langstrumpf‘.“ Es sei das Wesen der Kostümierung, dass man damit zu der gewünschten Person werde.

Der Anwalt der beklagten Supermarktkette sah das anders. „Die Abbildung entspricht nicht der Beschreibung der Romanfigur.“ Seiner Überzeugung nach würden schon rote abstehende Zöpfe alleine ausreichen, um die Pippi-Assoziation zu wecken. Charaktereigenschaften wie die Rebellion und der kindliche Widerstand gegen die Erwachsenenwelt, die zur Romanfigur gehören, seien mit der Abbildung nicht transportiert worden.

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