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Vegane Burger im Test

Sie sehen zwar gut aus, aber schmecken die Burgerpattys auch wie echtes Fleisch?

Pflanzliche Pattys Vegane Burger im Test: Welcher ist der beste?

Fleischlose Burger sind im Trend. Nach dem gehypten Beyond Burger bieten nun auch Aldi und Lidl vegane Patties an. Aber können die mit echtem Fleisch mithalten? Unsere Autorin Lena hat probiert.
13.08.2019 - 11:49 Uhr Kommentieren

Dieser Artikel ist am 13. August 2019 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

Der typische Veganer ist weiblich, gebildet und Anfang 30. So steht es zumindest in vielen Studien. Meine Freundin Miri passt also voll ins Bild. Aus den meisten Restaurants ist sie bis vor kurzem enttäuscht wieder rausgetrottet. Auf der Speisekarte war einfach nichts für sie dabei. Doch seit Kurzem können wir auch auswärts endlich richtig zusammen schlemmen.

Der längste Einkauf meines Lebens

Das Angebot ist größer geworden. Vor allem Pflanzenburger sind voll im Trend. Sie sollen aussehen und schmecken wie echtes Fleisch. Die Anbieter richten sich damit aber ausdrücklich nicht nur an Veganer und Vegetarier. Sie wollen auch die Verbraucher erreichen, die zwar Fleisch essen, aber weniger davon konsumieren wollen. Ob Beyond Meat, Aldi und Lidl wirklich halten, was sie versprechen? Ich habe probiert.

Es braucht vier Tage und 190 Kilometer, bis ich alles für mein Experiment beisammen habe. Auf meiner Liste steht unter anderem der Beyond Burger von der amerikanischen Firma Beyond Meat, der schon seit geraumer Zeit in Deutschland verfügbar ist und sogar beispielsweise in der Restaurantkette Café del Sol serviert wird.

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    Diese drei veganen Burger-Patties sollen im Test gegen echtes Rindfleisch bestehen:

    • Beyond Burger (von der kalifornischen Firma Beyond Meat)
    • Next Level Burger (bei Lidl erhältlich)
    • Wonder Burder (bei Aldi erhältlich)

    Der Next Level Burger von Lidl hingegen ist ganz neu. Der Discounter hat ihn erst vergangenen Freitag ins Sortiment aufgenommen. Mein Freund Patrick besorgt ihn an dem Tag direkt – und hat Glück: Bereits um 14 Uhr sind nur noch wenige Patties im Kühlregal. Eins davon für mich.

    Dann die Pleite. Der Wonder Burger sollte am Montag, den 05. August, bei Aldi Süd erscheinen. 50 Kilometer sind es von mir aus bis zur nächsten Filiale. Ich wohne nämlich in dem Teil Nordrhein-Westfalens nördlich des Aldi-Äquators – also dort, wo es weit und breit nur Aldi Nord gibt.

    Problem mit dem Aldi-Burger

    Bevor ich am Montagmorgen das Haus verlasse, nehme ich noch schnell den Beyond Burger aus dem Gefrierfach. Laut Packungsanweisung muss der vor der Zubereitung auftauen. Ich schwinge mich ins Auto. Mein Magen knurrt schon. Als ich bei Aldi Süd in Bottrop ankomme, stehe ich jedoch vor leeren Regalen. Die Verkäuferin guckt mich ahnungslos an, als ich nach dem Wonder Burger frage. Der hat die Filialen bis dato noch nie von innen gesehen. Aldi, so erfahren wir später von einer Pressesprecherin, hatte Lieferprobleme. Zum Glück haben wir ein Probe-Exemplar in die Redaktion zugeschickt bekommen. Das heißt für mich aber: Noch einmal 50 Kilometer weiter in die Landeshauptstadt und dann 90 Kilometer zurück in mein Dorf.

    Nach einer dreistündigen Tortur – bei 30 Grad in einem Auto ohne Klimaanlage brutzeln nicht nur die Buletten – stehe ich endlich wieder in meiner Küche. Im Kühlschrank liegen der mittlerweile aufgetaute Beyond Burger und eine flache Frikadelle aus Rindfleisch. Auch die werde ich braten, damit ich den direkten Vergleich habe. Es kann also los gehen.

    Von unten im Uhrzeigersinn: Rindfleischburger, Beyond Burger, Next Level Burger, Wonder Burger.

    Bis auf den tiefgekühlten Beyond Burger habe ich nur frische Produkte gekauft. Nacheinander packe ich die Burger aus und lege sie auf einen Teller. Sie sehen alle ganz unterschiedlich aus. Der Wonder Burger (Aldi) kommt in einem intensiven Orange-Rot daher, fast so als wäre bei der Zubereitung der Streuer mit dem Paprikapulver umgefallen. Die Struktur würde meine kleine Schwester als „Matschepampe“ bezeichnen, ein zusammengepresster Haufen Brei. Besonders appetitlich sieht er nicht aus.

    Als ich den Beyond Burger aus der Folie ziehe, fühlt er sich an wie feuchtes Pappmaché. Das habe ich mir vielleicht im Kindergarten mal aus Neugier in den Mund geschoben. Heute würde ich das ungern tun. Immerhin sieht die Bulette echtem Fleisch dank der Farbe und Struktur schon etwas ähnlicher. Ihre Farbe bekommen die veganen Burger übrigens allesamt durch Rote-Bete-Saft.

    Nur der Next Level Burger sieht aus wie Fleisch

    Wirklich verwechseln könnte ich allerdings nur den Next Level Burger (Lidl) mit echtem Fleisch. Er fasst sich auch so fest an. Zugegeben, der Fleischersatz sieht durch die vergleichsweise blasse Farbe aus wie zwei Tage altes Hack. Aber immerhin wie Hack. Nach der ersten Runde steht es damit eins zu null (zu null) für Lidl. In der Pfanne kann sich aber noch einiges wenden.

    Ich brate die Burger in heißem Öl an. Atme ein. Beginne zu hoffen. Riecht ganz lecker. Es brutzelt. Die Hersteller versprechen, dass die Burger in der Pfanne sogar wie Fleisch „bluten“ sollen. Tatsächlich färbt sich das Öl stellenweise rot. Allerdings werden die pflanzlichen Buletten wesentlich langsamer braun als das Rindfleisch-Patty.

    Nach einigen Minuten von jeder Seite nehme ich die Burger aus der Pfanne. Bis auf den Wonder Burger sehen nun tatsächlich alle Buletten fast gleich aus. Das Aldi-Produkt behält sein künstliches Rot bei. Immerhin ist aus der „Matschepampe“ und dem „Pappmaché“ noch etwas geworden. Hätte ich die Burger mit verbundenen Augen angeschnitten, wäre ich nicht drauf gekommen, welcher der Fleischburger ist. Mit den Konsistenzen bin ich zufrieden.

    Aber was schiebe ich mir da gleich in den Mund? Sowohl die Burger vom Discounter als auch der Beyond Burger bestehen hauptsächlich aus Pflanzenproteinen, also aus Eiweiß wie Erbsen, Soja oder Weizen. Ehe das Essen kalt wird, bewaffne ich mich mit Messer und Gabel und setze mich an den Tisch. Jetzt wird es ernst.

    Lidl-Burger gewinnt den Geschmackstest

    Ich verbinde mir die Augen und mein Freund reicht mir die Gabel. „Ich habe Angst“, sage ich zu ihm. Für Orange habe ich bereits eine Woche lang vegan gelebt und weiß daher, wie scheußlich so manches Ersatzprodukt für meine fleischverwöhnten Geschmacksknospen ist. Indem ich die Patties blind verkoste, möchte ich sicherstellen, dass ich mich bei der Bewertung nicht von meinen bisherigen Eindrücken beeinflussen lasse.

    Als mir Patrick die erste Gabel reicht, rieche ich erst vorsichtig daran. Nach Fleisch riecht das nicht, das erkenne ich gleich. Beschreiben kann ich den Geruch aber auch nicht. Ich kenne nichts, womit ich ihn vergleichen könnte. Der Happen auf der Gabel quietscht in meinem Mund wie Grillkäse. Er ist weicher als Fleisch und schmeckt sehr intensiv. Aus diesem Grund schließe ich auf den Wonder Burger, der schon wegen seiner auffälligen roten Farbe vermuten ließ, dass er stark gewürzt ist. Ich habe recht.

    Das zweite Stück, das ich mir in den Mund schiebe, hat einen ähnlichen Geruch, schmeckt aber natürlicher. Auch hier merke ich gleich, dass es kein echtes Fleisch ist. Und doch erinnert es mich stark an Cevapcici – sowohl geschmacklich, als auch von der Konsistenz. Mein Tipp ist wieder richtig: der Next Level Burger. Ganz gut, aber da geht doch noch was.

    Meine Hoffnungen liegen auf dem gehypten Beyond Burger – und werden bitter enttäuscht. In meine Nase steigt ein beißender Geruch, der mich an verbranntes Plastik erinnert. Genauso riecht es, wenn ich mit dem Rad an der Recyclingfabrik bei uns im Ort vorbeifahre. Als ich auf dem Burger herumkaue, verziehe ich mein Gesicht. Riecht nicht nur nach Plastik, schmeckt auch so. Das Einzige, was der Beyond Burger mit Fleisch zu tun hat, ist die Konsistenz.

    Vegane Burger: Wer kauft so was eigentlich?

    So oder so: Täuschen konnte mich keines der tierfreien Produkte. Ehrlich gesagt hätte ich eine schlichte Gemüsefrikadelle vorgezogen. Umso mehr freue ich mich, als ich endlich in den Rindfleischburger beißen darf. Unwillkürlich frage ich mich: Wer kauft so was eigentlich?

    Laut dem internationalen Marktforschungsinstitut Skopos leben in Deutschland 1,3 Millionen Menschen vegan. Das sind mehr Leute als in ganz Köln leben, der größten Stadt in NRW. Sie verzichten nicht nur auf Fleisch, sondern komplett auf tierische Produkte. In Deutschland interessieren sich immer mehr Verbraucher für eine nachhaltige Ernährungsweise. Das bestätigt auch Andreas Daxenberger. Er ist Lebensmittelexperte beim TÜV Süd. Deshalb seien Fleischersatzprodukte wie die veganen Burger mehr als bloß ein kurzfristiger Hype.

    Seit 2010 wächst die Anzahl der Veganer laut Skopos hierzulande jedes Jahr um 15 Prozent. Das bedeutet aber nicht, dass wir in 30 Jahren alle auf Tierprodukte verzichten. „Eine vollständige Trendwende ist aufgrund der geringen Anzahl konsequent vegan oder vegetarisch lebender Konsumenten nicht zu erwarten“, sagt Daxenberger. Doch er ist sicher, dass die Lebensmittelbranche ihr Angebot bei steigender Nachfrage weiter an die Wünsche der veganen Konsumenten anpassen wird.

    In meinem Umfeld und in den sozialen Netzwerken sehe ich aber auch die andere Seite. Vielen Menschen sind diese Produkte noch immer suspekt. Diese Skepsis könne sich aber schnell legen, meint Daxenberger: „Wenn diese Produkte im Sortiment des Einzelhandels dauerhaft angekommen sind, ist davon auszugehen, dass dies eine breitere Akzeptanz in der Bevölkerung fördert.“ Letztlich liege es aber am Preis und der Verfügbarkeit, ob sich Fleischersatzprodukte im Massenmarkt durchsetzen können.

    Am günstigsten ist der Fleischburger

    Mit einem Blick auf den Kassenzettel weiß ich gleich, was der Experte damit meint. Das einzige Burger-Patty, für den tatsächlich ein Tier sterben musste, ist mit 1,99 Euro am günstigsten. Ein Paradebeispiel für das Fleischdumping. Bei dem Spottpreis verschwindet das schlechte Gewissen schnell zwischen den gesparten Münzen im Kleingeldfach. Die veganen Alternativen aus dem Discounter kosten beide bereits 2,99 Euro. Richtig teuer wird es aber erst beim Beyond Burger: Verschiedene Händler verlangen zwischen fünf und sieben Euro. Wäre das Pflanzenfleisch doch auch so saftig wie sein Preis.

     Echtes Fleisch kostet am wenigsten (Preise gelten für jeweils zwei Patties).

    Ich frage bei der US-Firma Beyond Meat nach, warum der Beyond Burger so viel teurer ist als die Konkurrenz und wie der hohe Preis zustande kommt. Als Antwort bekomme ich das übliche PR-Geschwafel. „Wir sind zuversichtlich, dass Verbraucher, die sich den Beyond Burger kaufen, das Gefühl haben werden, dass sie gute Qualität für ihr Geld bekommen“, schreibt eine Pressesprecherin auf Englisch. Ich bin da nicht so zuversichtlich. Nächster bitte.

    Eine Lidl-Sprecherin verrät mir, woher der Preisunterschied kommt. Der Next Level Burger wird in Deutschland hergestellt. Daher sind die Transportwege relativ kurz. Beyond Meat hingegen produziert in Amerika. Außerdem nimmt Lidl hohe Mengen vom Hersteller ab. Auf diese Weise kostet ein Burger für Lidl im Einkauf weniger als beispielsweise der Beyond Burger, der auch bei dem Discounter im Kühlregal lag, war ruckzuck ausverkauft war. Wie viel Geld die drei Händler mit ihren veganen Burgern machen, verraten sie mir nicht.

    Fazit: Gut, aber kein Fleischersatz

    Überraschenderweise fällt der Beyond Burger im Test durch. Obwohl er viel teurer ist als die Alternativen aus dem Discounter, kann er nicht mit ihnen mithalten. Lieber drehe ich mir in Zukunft ein paar Karotten durch den Fleischwolf. Lidl und Aldi haben mit dem Next Level Burger und dem Wonder Burger hingegen pflanzenbasierte Burger auf den Markt gebracht, die erschwinglich sind und gut schmecken.

    Patrick grübelt und sagt: „Wenn ich im Burger-Restaurant die Wahl hätte, würde ich mich vielleicht sogar für den hier entscheiden.“ Er zeigt auf den Next Level Burger. Auch für mich ist das Lidl-Produkt unter den veganen Burgern der klare Testsieger: Günstig, lecker und als Möchtegern-Cevapcici wenigstens fleischartig. Doch die „perfekte Fleischkopie“, wie die Lidl-Sprecherin ihn bezeichnet, ist der Next Level Burger wirklich nicht.

    Wer erwartet, dass die Produkte wie echtes Fleisch schmecken, wird vermutlich enttäuscht sein. Für mich sind es zwei unterschiedliche Gerichte. Mein geliebtes Fleisch können sie nicht ersetzen. Doch zum Glück hab ich noch ein paar Jahre Zeit, um auf den Geschmack zu kommen. Der typische Veganer ist ja schließlich weiblich, gebildet und – Anfang 30.

    Mehr: Wie Livekindly den veganen Lebensmittelmarkt revolutionieren will

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