Philippe Capron Warum der neue Chef von Air France-KLM auf Widerstand stößt

Der bisherige Finanzchef des Entsorgungsdienstleisters Véolia soll künftig Air France-KLM führen. Doch nicht alle halten Philippe Capron für geeignet.
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Der neue Chef soll den Konflikt zwischen Air France und KLM beenden. Quelle: Gilles ROLLE/REA/laif
Philippe Capron

Der neue Chef soll den Konflikt zwischen Air France und KLM beenden.

(Foto: Gilles ROLLE/REA/laif)

ParisEinen echten „Tausendsassa“ wünschte sich der frühere Air France-KLM-Chef Jean-Marc Janaillac als Nachfolger: Aus der Branche sollte er kommen, möglichst staatsfern sein, ein Händchen für den Umgang mit einer konfliktfreudigen Belegschaft haben, Franzosen wie Niederländer zufrieden stellen und ein erfahrener Sanierer sein. Die Mitarbeiter hofften vor allem, die Cliquenwirtschaft der französischen Eliteschüler würde beendet, die sich gegenseitig decken und befördern.

Doch daraus scheint nichts zu werden. Der Personalausschuss des Verwaltungsrats hat sich auf Philippe Capron verständigt, derzeit noch Finanzchef des Wasser-, Recycling- und Umweltdienstleisters Véolia. Mit der Luftfahrtbranche hat er bislang nur als Fluggast zu tun gehabt. Und er hat die französische Eliteschule ENA absolviert. Ein großes Unternehmen hat er noch nicht geführt, aber am Umbau von Vivendi mitgewirkt.

Dennoch hat Capron größte Chancen, in den nächsten Tagen vom Verwaltungsrat ernannt zu werden. Andernfalls hätte der Personalausschuss seinen Namen wohl nicht den Medien geleakt. Die Fluggesellschaft wird übergangsweise von Anne-Marie Couderc und Franck Terner geführt.

Der neue Chef soll die Spannungen abbauen, die in der Airline zwischen Belegschaft und Management bestehen. Der jüngste Streik hat das Unternehmen rund 400 Millionen Euro gekostet und im ersten Quartal in die Verlustzone gedrückt. Janaillac wollte den Konflikt mit einem Kompromiss beenden, verlor aber darüber ein Referendum im Unternehmen.

Mittlerweile streikt schon wieder ein Teil der Piloten. Befrieden soll der Janaillac-Nachfolger auch den latenten Konflikt zwischen Air France und KLM.

Doch die Ernennung von Capron könnte eher noch das Gegenteil bewirken. Eine französisch-niederländische Gruppe von Gewerkschaften schreibt in einer Stellungnahme, die dem Handelsblatt vorliegt: „AF-KLM dient es nicht, wenn die Oligarchie einen der ihren aus tausend schlechten Gründen ins Amt hebt, das Unternehmen braucht einen charismatischen, kompetenten, starken und unabhängigen Chef.“

Die Branche konsolidiere sich, Air France-KLM habe bereits erheblichen Rückstand, da benötige man einen CEO mit exzellenten Kenntnissen und einschlägiger Erfahrung.

Protest kommt niederländischen Medien zufolge auch vom KLM-Verwaltungsrat: Die Nominierung des CEO verlaufe intransparent, der niederländische Teil erwarte endlich mehr Einfluss auf die gesamte Gruppe. „Wir wollen nicht mehr als Air France-Tochter behandelt werden, während wir vier Mal so viel Gewinn machen wie der französische Teil“, schreibt der KLM-Verwaltungsrat.

Capron nimmt auf dem Schleudersitz Platz, sollte er bestätigt werden.

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