Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Phillip Böndel und Tobias Kargoll Wie zwei Werber Hip-Hop vermarkten wollen

Phillip Böndel und Tobias Kargoll haben Anfang 2021 The Ambition gegründet. Marken die mit Hip-Hop werben, scheinen bei der jungen Generation anzukommen.
21.07.2021 - 11:32 Uhr Kommentieren
Mit Hip-Hop treffen die Werber den Nerv einer jungen, kauffreudigen Generation. Quelle: The Ambition
Tobias Kargoll (links) und Phillip Böndel

Mit Hip-Hop treffen die Werber den Nerv einer jungen, kauffreudigen Generation.

(Foto: The Ambition)

Düsseldorf Hip-Hop-Kultur und Marken passen zusammen – das finden zumindest die beiden Hip-Hop-Fans Phillip Böndel und Tobias Kargoll, die Anfang 2021, inmitten der Corona-Pandemie, ein neues Beratungsunternehmen gegründet haben. Die Firma „The Ambition“ berät Unternehmen dabei, wie sie die Hip-Hop-Kultur für ihr Marketing nutzen können.

In diesem Herbst erscheint außerdem ihr Buch dazu. „Erfolgsformel Hip-Hop – Ambition und Underdog-Mindset als Businessfaktor“ heißt das Werk, das im Campus Verlag erscheint und einen Überblick über jene Musikrichtung geben soll, die Studien zufolge rund 19 Millionen Menschen in Deutschland hören.

„Die Nachfrage der Unternehmen ist groß“, resümiert Böndel nach dem ersten halben Jahr am Markt. Ihr Unternehmen hat sechs feste und neun freie Mitarbeiter, auf der Kundenliste stehen Namen wie der Spirituosenhersteller Pernod Ricard, die Basketball-Bundesliga sowie der Gründungskunde Red Bull. Den Umsatz für das erste Unternehmensjahr schätzt Böndel auf eine halbe Million Euro.

Für eine junge Firma sind das gute Kennzahlen für das Auftaktjahr. Tatsächlich scheint Hip-Hop den Nerv einer jungen, kauffreudigen Generation zu treffen. Hip-Hop sei „die markenaffinste Jugendkultur, die erste, die sich die Mechanismen der Marktwirtschaft zu eigen macht“, wirbt Böndel für sein Unternehmen.

„Hip-Hop kommuniziert über Marken und Produkte. Durch sie drückt man aus, dass man stolz darauf ist, wo man herkommt, und signalisiert, wie weit man es auf der eigenen Reise ,from Rags to Riches‘ gebracht hat“, sagt er.

Hip-Hop-Vorreiter Adidas arbeitet mit Run DMC zusammen

Adidas war eine der ersten Marken, die Teil dieser Subkultur wurden. 1986 besang die Hip-Hop-Gruppe Run DMC mit ihrem Song „My Adidas“ die Turnschuhe der Marke aus Herzogenaurach. Das weckte wiederum das Interesse des Sportartikelkonzerns. Im vergangenen Jahr legte Adidas mit der Band eine eigene Kollektion auf. Eine Ehre, wie die Musiker finden.

Das Beispiel Adidas dient als Blaupause für das Unternehmen von Böndel und Kargoll. Ein Unternehmen, das sich eine ausgesprochen kleine Nische gesucht hat. „Mutig“ findet daher Oliver Klein, Chef der Agenturberatung Cherrypicker, die Ausrichtung der beiden Werber.

Die Agentur folge „einem Markttrend der Spezialisierung von kleineren und mittleren Agenturen“, erläutert Klein. „Grund für diesen Trend ist die massiv zunehmende Komplexität von Kommunikation und die Folge, dass viele Agenturen nicht mehr als Generalist alles in bester Manier anbieten können.“

In der Werbe- und Medienszene sind die beiden Firmengründer gut vernetzt. Böndel hat einige Jahre als Berater von Rappern wie Kool Savas, Eko Fresh und Azad gearbeitet. Aufregende Jahre seien das gewesen, erzählt der 35-Jährige, aber leider sei das Geldverdienen in dem Bereich damals etwas zu kurz gekommen.

Böndel wechselte ins Werbegeschäft und baute bei der Werbeagentur Butter ab 2014 die Digitaleinheit auf. 2017 stieg er in die Geschäftsführung auf, 2019 ließ er sich in den Vorstand des Branchenverbands GWA wählen, und schließlich kürte ihn das Branchenmagazin „W&V“ zu einem der „Top-100-Köpfe 2021“.

Frauen sind wachsende Hip-Hop-Zielgruppe

Zusammen mit Kargoll entwickelte er die Idee für „The Ambition“. Kargoll ist Herausgeber der Medienplattform Hiphop.de, für die Böndel früher Artikel schrieb. Der 38-jährige Kargoll ist nicht nur der publizistische Kopf des Musikportals, sondern hat es 2012 als Medienunternehmer selbst übernommen.

Für Böndel und Kargoll ist Hip-Hop nicht nur eine Musikrichtung, sondern eine ganze Kultur, die „mit Kreativität Dinge für sich dreht“, wie sie sagen. Die beiden Markenstrategen haben ein Schema für 14 verschiedene Hip-Hop-Milieus entwickelt.

Da gibt es die „Liberals“, etwas älter und oft bereits Eltern, oder die „New Waver“, deutlich jünger, deutlich luxusorientierter. Eine wachsende Gruppe stellen ihrer Ansicht nach die „Queen Bs“ dar – das sind junge, progressive Frauen.

Böndel und Kargoll wollen aber nicht nur Marken strategisch beraten, sondern auch die Kampagnen oder Projekte der Musiker betreuen. Ein gutes Beispiel dafür ist Capital Bra: Der deutsche Rapper verdient nicht nur mit seiner Musik gut, sondern hat inzwischen auch ein Food-Label aufgebaut.

Mit der Freiberger Lebensmittel GmbH entwickelte Capital Bra eine eigene Tiefkühlpizza – Name Gangstarella – und konnte über den Absatz nur staunen: mehr als fünf Millionen verkaufte Pizzen. Angestachelt von dem Erfolg brachte Capital Bra kurze Zeit später einen Eistee auf den Markt, den „BraTee“.

Für Böndel und Kargoll ist klar: Es gibt ein Potenzial für Marken in der Hip-Hop-Welt. Agenturberater Klein meint allerdings: „Es wird sich erst noch zeigen, ob Kunden eine auf Hip-Hop und damit auf eine bestimmte Kulturrichtung spezialisierte Agentur wirklich dauerhaft nachfragen. Oder ob sie eine solche Agentur lediglich als Impulsgeber ab und zu mal dazuholen.“

Mehr: Serviceplan-Chef Florian Haller: Digitalisierung darf nicht überhand nehmen

Startseite
Mehr zu: Phillip Böndel und Tobias Kargoll - Wie zwei Werber Hip-Hop vermarkten wollen
0 Kommentare zu "Phillip Böndel und Tobias Kargoll: Wie zwei Werber Hip-Hop vermarkten wollen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%