Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Pieter Haas im Interview Ceconomy-Chef rechtfertigt Russland-Deal – „Wir haben einen fairen Preis bezahlt“

Ceconomy-Chef Pieter Haas spricht im Interview über die Finanzierung des Russland-Deals und die weiteren Perspektiven in den Auslandsmärkten.
Kommentieren
Pieter Haas: Aktuelle News zum Vorstandsvorsitzenden der Ceconomy AG Quelle: picture alliance / Federico Gamb
Pieter Haas

Pieter Haas: Aktuelle News zum Vorstandsvorsitzenden der Ceconomy AG

(Foto: picture alliance / Federico Gamb)

Düsseldorf Zum Interview mit dem Handelsblatt in seinem Düsseldorfer Büro lässt sich Pieter Haas eine Trinkschokolade bringen. Die Verhandlungen der vergangenen Wochen sind an die Substanz gegangen.

Herr Haas, ist der Deal, den Sie gerade abgeschlossen haben, das Eingeständnis, dass Sie im russischen Markt gescheitert sind?
Ganz sicher nicht. Es ist die logische Konsequenz daraus, dass sich externe Faktoren im Lauf der Zeit ändern können. Und, dass man als Management gut beraten ist, daraus die richtigen Konsequenzen zu ziehen und entschlossen zu handeln. Es ist Fakt, dass wir nicht aus eigener Kraft in Russland eine führende Rolle erreichen können. Deswegen haben wir nach sinnvollen Alternativen gesucht – und diese gefunden.

Aber den russischen Markt halten sie weiter für sehr attraktiv?
Ja. Der russische Markt gehört zusammen mit dem türkischen Markt zu den Ländern in Europa, die mit das höchste Wachstum zeigen, sowohl in den Läden als auch online. Beides sind Märkte mit einer großen Bevölkerung, die technisch affin ist und die eine noch stärkere Dynamik zeigen als westeuropäische Märkte.

Andere Händler haben sich viel früher von dort zurückgezogen.
Wir sind im Nachhinein froh, dass wir in Russland und der Türkei nicht aufgegeben haben. In der Türkei haben wir nach Verlusten in der Vergangenheit eine nachhaltige Wende hin zur Profitabilität geschafft. Und in Russland haben wir nun auch eine sehr gute Perspektive.

Was haben Sie in der Türkei anders gemacht?
In der Türkei ist der Abstand zum Marktführer viel kleiner, wir haben dort die Chance, zum mitführenden Unternehmen zu werden. Wir haben das Unternehmen umgebaut, haben uns viel stärker an die türkischen Verhältnisse angepasst und haben jetzt ein komplett türkisches Management. Das hat sich bezahlt gemacht. Wir haben in der Vergangenheit oft deutsche Manager in die Auslandsgesellschaften geschickt, das hat sich nicht als die bestmögliche Lösung erwiesen.

Der Wettbewerber Eldorado ist in Russland als Media-Markt-Kopie gestartet und war so erfolgreich, dass er von M.Video übernommen wurde. Was haben die besser gemacht als Sie?
Eldorado hat sicherlich eine schnellere Expansion geschafft und dadurch früher eine kritische Größe erreicht. Die haben rasch über 200 Läden gehabt, wir sind nie weiter gekommen als knapp über 60. Sie sind auch in die kleineren Städte gegangen, wo der Margendruck nicht so groß ist und haben sich als heimischer Spieler naturgemäß besser auf das russische Umfeld eingestellt. Sicherlich ist das am Ende vor allem eine Frage der Ressourcen: Sie müssen Prioritäten setzen. Und als der Markt schwieriger wurde haben sie weiter investiert, während wir vorsichtig waren.

Sie bezahlen einen hohen strategischen Preis für den Anteil an M.Video, deutlich höher als der Marktwert. Wie rechtfertigen Sie das?
Man muss das differenzieren. Der Preis besteht aus einer Barzahlung in Höhe von rund 258 Millionen Euro und der Einbringung des defizitären Geschäfts von Media Markt in Russland…

… das von M.Video mit rund 150 Millionen Euro bewertet wird…
…ja, aber für uns hat es einen negativen Wert, weil es nachhaltig Verluste macht. Anders als M.Video können wir keine Synergien heben. Wir geben unser Geschäft an den M.Video-Großaktionär Safmar ab, der es für einen zu hundert Prozent variablen Kaufpreis an M.Video weitergibt. Das heißt, dieser kann im besten Fall bei 150 Millionen Euro liegen, wenn sich die Media-Märkte zusammen mit M.Video positiv entwickeln. Er kann aber auch bei null liegen, wenn sich diese Hoffnung nicht erfüllt.

Trotzdem zahlen sie mehr als die 150 Millionen Euro, die der Anteil an M.Video gemessen am Börsenkurs wert wäre.
Auch wir haben uns abgesichert: Unser Kaufpreis ist ja nach unten variabel. Er kann um bis zu 86 Millionen Euro sinken, wenn die Performance von M.Video nicht bestimmte Kriterien erfüllt. Hinzu kommt: Der Börsenkurs von M.video bildet den tatsächlichen Wert des Unternehmens derzeit nicht angemessen ab. Beispielsweise hat das Unternehmen im ersten Quartal alle Vorhersagen weit übertroffen, aber der Kurs hat sich nicht bewegt. Wir sind nach allen Analysen überzeugt, einen fairen Preis bezahlt zu haben.

Herr Haas, danke für das Gespräch.

Startseite

Mehr zu: Pieter Haas im Interview - Ceconomy-Chef rechtfertigt Russland-Deal – „Wir haben einen fairen Preis bezahlt“

0 Kommentare zu "Pieter Haas im Interview: Ceconomy-Chef rechtfertigt Russland-Deal – „Wir haben einen fairen Preis bezahlt“ "

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote