Ryanair-Flieger in Weeze

Die Airline hat 150 Flüge wegen des geplanten Streiks abgesagt.

(Foto: Reuters)

Pilotenstreik Ryanair streicht am Mittwoch 150 von 400 Flügen in Deutschland

Auf den Pilotenstreik am Mittwoch reagiert die Airline mit Streichungen von Flügen – und harschen Drohungen: Ryanair stellt Standorte und Jobs in Deutschland infrage.
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London/DüsseldorfWegen des angedrohten Streiks des Flugpersonals hat die Fluggesellschaft Ryanair für diesen Mittwoch 150 Flüge von und nach Deutschland gestrichen. Die betroffenen Kunden würden umgehend informiert und entschädigt, kündigte Ryanair-Marketingchef Kenny Jacobs am Dienstag in Frankfurt an.

Zuvor hatte die irische Fluggesellschaft mit harten Worten auf die angedrohte Arbeitsniederlegung reagiert. Wenn die drohenden Streiks weitergingen, würde das „sowohl für deutsche Piloten als auch für die Kabinenbesatzung“ zu Stellenkürzungen und den Wegfall von Standorten führen, wurde Jacobs in einer Mitteilung des Unternehmens zitiert.

Insbesondere „einige deutsche Stützpunkte, die in der Wintersaison größere Verluste erleiden, weil sie wiederholten und unnötigen Streiks einer Gewerkschaft ausgesetzt werden“, könnten infrage gestellt werden. Man wolle nicht das gleiche Schicksal wie Air Berlin erleben, das durch Streiks Pleite gegangen sei. „Diese drohenden Streiks können das Geschäft von Ryanair in Deutschland nur schädigen“, so Jacobs.

Die deutsche Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hatte ihre Mitglieder zu einem 24-stündigen Streik am Mittwoch aufgerufen. Es ist das erste Mal, dass Piloten und Flugbegleiter gemeinsam die Arbeit niederlegen.

Vor wenigen Wochen hatte die Gewerkschaft schon einmal gestreikt – doch offenbar nicht mit der von den Mitarbeitern erhofften Wirkung: Während Ryanair mit seinen irischen Angestellten nach mehrtägigen Verhandlungen und mithilfe eines Schlichters eine Einigung fand, sind die deutschen Mitarbeiter noch unzufrieden.

„Trotz des deutlichen Zeichens durch den Streik Anfang August herrscht immer noch Stillstand am Tariftisch. Wir erwarten endlich Lösungen“, kritisierte Ingolf Schumacher von VC. Seit Monaten fordere man Verbesserungen bei Vergütung und Arbeitsbedingungen. Aber auf die bereits seit vergangenem Jahr unveränderten Forderungen habe die Geschäftsleitung nach wie vor kein verbessertes Angebot unterbreitet, heißt es aus Frankfurt.

Bei Ryanair gibt man sich unnachgiebig. „Wir haben bereits lokale Verträge und mehr Gehalt angeboten“, erklärte das Unternehmen auf Nachfrage, „daher gibt es keinen Grund, den Betrieb erneut zu stören. Wir fordern unsere deutsche Piloten auf, an diesem Mittwoch zur Arbeit zu kommen“.

Schlichtung gescheitert

Laut VC habe die irische Gesellschaft aber „unkonkrete und inhaltslose Aussagen“ geliefert und versucht, auf Zeit zu spielen. Ryanair „ist offenbar weiterhin nicht einmal ansatzweise an einer Lösung interessiert“. Deswegen soll nun mit einem neuen Streik den Forderungen Nachdruck verliehen werden. Von Mittwoch um 3.01 Uhr bis Donnerstag um 2.59 Uhr ruft die Gewerkschaft die Piloten von Ryanair zum Streik auf.

Aufgerufen sind alle fest angestellten Piloten, die an Ryanair-Stationen in Deutschland beschäftigt sind. Betroffen sind alle Verbindungen, die in dieser Zeit aus Deutschland abfliegen sollen.

Nach eigenen Angaben hat VC das Ryanair-Management im September zu einer Schlichtung aufgefordert und Vorschläge zum Ablauf einer solchen Bemühung überreicht. Doch das Unternehmen habe die von der Gewerkschaft vorgeschlagenen Schlichter abgelehnt und auf einem irischen Mediator bestanden, den wiederum die deutschen Mitarbeiter nicht am Tisch haben wollen.

In anderen Ländern hatten sich ebenfalls die Mitarbeiter gegen die Arbeitsbedingungen bei dem Billigflieger zur Wehr gesetzt. Mit den Pilotengewerkschaften konnte sich Ryanair teils einigen. Das sei aber keine Blaupause für eine Lösung in Deutschland, erklärte die VC.

Schon einige Zeit zuvor hatten die deutschen Piloten gemeinsam mit Kollegen aus den Niederlanden, Belgien und Schweden die Arbeit niedergelegt. Am 10. August musste die Airline in der Folge rund 400 Verbindungen absagen, rund ein Sechstel des für diesen Tag geplanten Europa-Programms. Betroffen waren rund 55.000 Passagiere.

Ein Drittel der Flüge in Deutschland konnte damals stattfinden, weil die Maschinen aus dem nicht bestreikten europäischen Ausland gekommen waren. Auch die österreichische Laudamotion musste damals eine Reihe von Flügen absagen, da sie auf Leihmaschinen der Ryanair angewiesen ist.
Mit Agenturmaterial

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