Plakate mit Merkel und Schäuble When isch over ... Take Eat Easy

In Berlin wirbt ein Lieferdienst für Restaurants mit dem angespannten Verhältnis zwischen Kanzlerin Merkel und Finanzminister Schäuble. Die Lösung des Start-ups bei Stress in Zeiten der Griechenland-Krise: sich füttern.
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„Die letzten Monate waren für Frau Merkel und Herrn Schäuble sicherlich keine einfachen.“ Quelle: Take Eat Easy
Werbung von Take Eat Easy am Berliner Alexanderplatz

„Die letzten Monate waren für Frau Merkel und Herrn Schäuble sicherlich keine einfachen.“

(Foto: Take Eat Easy)

DüsseldorfDer Autovermieter Sixt ist für seine witzige, satirische – mitunter böse – Werbung bekannt. Gern greift das Unternehmen dabei auf Politiker zurück. Eines der prominentesten Opfer: Angela Merkel. Unvergessen ist die doppelseitige Anzeige aus dem Jahr 2001. Sie zeigte zwei Fotos der CDU-Vorsitzenden – das erste mit biederem Pagenkopf und der Frage „Lust auf eine neue Frisur?“, das zweite mit wirr abstehendem Haar und der Antwort: „Mieten Sie sich ein Cabrio.“

Damals sah Merkel die Kampagne mit dem Seitenhieb auf ihre viel diskutierte und kritisierte Frisur gelassen. Sie wolle nicht juristisch gegen ihren Einsatz als Werbefigur vorgehen, sagte sie – und bewies sogar Humor mit ihrer Idee zur Wiedergutmachung. Frau Sixt, schlug Merkel vor, könne sie ja einmal zu einer Cabriofahrt einladen.

„Wir warten gespannt darauf, dass auch die erste Bestellung aus dem Bundeskanzleramt bei uns eintrifft.“ Quelle: Take Eat Easy
Deutschlandchef Christoph Kraemer

„Wir warten gespannt darauf, dass auch die erste Bestellung aus dem Bundeskanzleramt bei uns eintrifft.“

(Foto: Take Eat Easy)

Ob die Kanzlerin bei der neuesten Werbung auf ihre Kosten – dieses Mal nicht von Sixt, sondern von einem belgischen Start-up – genauso viel Spaß versteht? Immerhin geht es um ein heikles Thema: Griechenland und den ewigen Schuldenstreit, in dem auch Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble nicht immer einer Meinung sind.

Im Februar – wieder einmal ging es darum, ob Griechenland weitere Finanzhilfen beantragt oder nicht – hatte Schäuble mit einer Mischung aus Englisch und Badisch, aber unmissverständlich klargestellt, dass der Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras nicht mehr viel Zeit bleibt. „Am 28., 24 Uhr, isch over“, polterte Schäuble und schaffte es mit seiner Drohung in alle Nachrichtensendungen.

Ein Gauland als Nachbar? Lieber umziehen!
Sixt-Werbung mit Alexander Gauland
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„Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben“, zitierte die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ AfD-Politiker Alexander Gauland. Jérôme Boateng erlebte danach zahlreiche Solidaritätsbekundungen – sogar Politiker wie Sigmar Gabriel oder die Bundeskanzlerin schalteten sich ein. Nun mischt auch Sixt mit und nimmt Gauland auf die Schippe. Mehr zu der Kampagne.

2014: GDL
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„HDGDL, GDL“ - mit dieser leicht ironischen Botschaft bedankt sich der Autovermieter Sixt für den Bahnstreik. Das Buchstabenkürzel „HDGDL“ steht in der Sprache von SMS und Whatsapp für „Hab' dich ganz doll lieb“, die Abkürzung GDL steht für die Gewerkschaft der Lokführer, die am Wochenende die Deutsche Bahn bestreikt hat. Der Streik hat bei vielen Reisenden für Unmut gesorgt - und das Geschäft bei Autovermietern und Fernbussen angekurbelt.

2014: Roberto Blanco
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Zuletzt warb beispielsweise der Schlagersänger Roberto Blanco in einem vielbeachteten Internet-Musikvideo für Cabrios von Sixt. Ironischer Titel des Songs: „Ein bisschen Spar'n muss sein“. Darin macht sich der Schlagersänger selbstironisch über den Unterhaltsstreit mit seiner Ex-Frau lustig. Textbeispiele: „Goldene Uhren, riesiger TV - ich habe alles verloren, nur wegen meiner Ex-Frau.“ Nebenbei ständig im Bild: Der Schriftzug des Münchener Autovermieters.

2001: Angela Merkel
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Auch die Kanzlerin hat schon Erfahrung mit den hämischen Werbern von Sixt und ihren Cabrios gemacht: Im Jahr 2001 lästerte der Autovermieter über die Frisur der damaligen CDU-Bundesvorsitzenden Angela Merkel – und ließ ihr die Haare zu Berge stehen.

2007: Matthias Reim
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Ein weiterer Pleitegeier, den Sixt für die Werbung nutzte: Schlagersänger Matthias Reim machte 2007 Schlagzeilen mit seiner Finanzmisere - und war sich kurz darauf nicht zu schade, sich selber und einen seiner Mega-Hits an Sixt zu verkaufen. Titel: "Verdammt, ich hab nix"

2007: Gibsnisch!
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Mit einem fiktiven Konkurrenten schickte der Autovermieter auch die eigenen Kunden schon in die Irre. Slogan: Günstiger als bei Sixt gibsnisch!

WM
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Das WM-Aus der Italiener würde von Sixt mit gewohnter Häme kommentiert: Mit einem Tritt mitten in die Männlichkeit warb Sixt für schnelle Cabrios.

Eine Steilvorlage, dachte sich das 2013 in Brüssel gegründete Unternehmen Take Eat Easy. Das Start-up sieht sich als Dienstleister für Restaurants, die keinen Lieferservice haben – und buhlt in Berlin gerade mithilfe von Deutschlands bekanntesten Politikern um Aufmerksamkeit auf dem umkämpften Markt.

Mitten in der Hauptstadt, auf dem Alexanderplatz, stehen zwei große Plakate. Darauf zu sehen sind Schäuble und Merkel, die sich gegenseitig füttern. Über dem Konterfei des Finanzministers beginnt der Satz „When isch over ...“, der mit „Take Eat Easy“ über dem Konterfei der Kanzlerin endet. Darunter das Versprechen: „Das Essen der besten Restaurants in Berlin per Fahrradkurier in 30 Minuten bei Dir.“ Das Ganze ist eine Anspielung auf das Verhältnis zwischen Merkel und Schäuble, um das es momentan wegen der Grexit-Debatte nicht zum Besten bestellt ist.

„Bestellungen sprunghaft gestiegen“
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