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Planungschaos Berliner Flughafen bleibt Sorgenkind

Bei einem Besuch führender CDU-Politiker aus Brandenburg hat sich der Flughafen-Neubau in schlechtem Zustand präsentiert. Der Vize-Chef der Landtagsfraktion ist „erschüttert“ und stellt die Wirtschaftlichkeit infrage.
10.07.2012 - 12:51 Uhr 1 Kommentar
Bauarbeiten im Terminal des neuen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER) in Schönefeld. Quelle: dpa

Bauarbeiten im Terminal des neuen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER) in Schönefeld.

(Foto: dpa)

Berlin Dieter Dombrowski will nicht so richtig glauben, was er da eben gesehen hat. „Mir fehlt die Fantasie, wie der Flughafen im Juni hätte eröffnet werden sollen“, sagt der Vize-Chef der CDU-Fraktion im brandenburgischen Landtag. Dombrowski kommt gerade von der Baustelle des Hauptstadtflughafens. Gemeinsam mit Rainer Genilke, dem verkehrspolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, wollte er wissen, wie es vorangeht, ob der neue Starttermin im März 2013 gehalten werden kann.

Statt Euphorie Ernüchterung: „Ich habe keinen guten Eindruck bekommen“, sagte Dombrowski gestern im Anschluss an ein Gespräch mit Flughafen-Geschäftsführer Rainer Schwarz und den Rundgang im Terminal. „Die Baustelle war unaufgeräumt und schmutzig.“ Seine allergrößte Sorge sei jedoch, ob der Airport eine wirtschaftliche Perspektive habe. Er kritisierte, dass absehbare Kosten in den kommenden drei bis vier Jahren überhaupt nicht verbucht worden seien. Es würden Erweiterungsinvestitionen fällig, von denen nicht klar sei, wie sie finanziert würden. „Karten auf den Tisch“, forderte Dombrowski.

Genilke sagte, er sei „erschüttert“, dass sich, seit er Ende Mai auf der Baustelle war, „nichts getan hat, jedenfalls nicht optisch“. Dombrowski fügte hinzu, dass er „von den 4000 Leuten, die da angeblich arbeiten, 30 oder 40, maximal 50“ gesehen habe. „Gab es einen Baustopp?"

Ursprünglich sollte der Flughafen am 3. Juni eröffnen. Knapp vier Wochen vorher war der Termin aufgrund von Brandschutzproblemen verworfen worden. Das neue Datum steht unter Vorbehalt, bis sich der neu berufene Technikchef Horst Amann, der offiziell im August sein Amt antritt, ein Bild gemacht hat. Amann, derzeit noch beim Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport beschäftigt, ist etwa einmal in der Woche in Berlin. An dem gestrigen Gespräch mit den Politikern nahm er ebenfalls teil, äußerte sich bislang aber zurückhaltend. Seine Aufgabe sei im Moment „lesen, lesen, lesen“, sagte er. Er bekomme viele Dokumente, in denen stünde, was fertig sei. „Die Kunst ist, in das einzusteigen, was noch nicht fertig ist.“

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    Nach Angaben von Joachim Korkhaus, Bereichsleiter Planung und Bau des Flughafens, sind tatsächlich derzeit 4000 Leute auf der Baustelle beschäftigt. 1000 von ihnen im Terminal, vor allem in den Technikzentralen, 3000 auf dem übrigen Gelände, wo angeblich aber nur „Nach- und Restarbeiten“ zu erledigen sind. „Der Brandschutz kann nicht der einzige Grund für die Verschiebung gewesen sein“, sagt Dombrowski.

    Korkhaus bestätigte, dass auf der Baustelle derzeit im Einschichtbetrieb gearbeitet werde und auch nicht mehr am Wochenende. Trotzdem: Bis 18. Dezember, so der Zeitplan, sollen die Probleme an der Brandschutzanlage behoben sein. Danach beginnt die Test- und Abnahmephase.

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    1 Kommentar zu "Planungschaos: Berliner Flughafen bleibt Sorgenkind"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Stolpe und Platzeck sind beide Anhänger von Großprojekten, hatten aber dabei noch nie ein glückliches Händchen bewiesen, sondern schon so manchen Bau in den märkischen Sand gesetzt (oder setzen lassen). Mit dem BER droht das nächste Desaster.
      Nachdem die Eröffnung geplatzt war, haben die Edelflieger ihre auf dem BER noch nicht realisierbaren Slots nicht etwa nach nebenan in den SXF transferiert, sondern sich flugs darum gekümmert, diese in Tegel unterzubringen. Tegel ist ein beliebter und funktionstüchtiger Flughafen, es wäre die größte Verschwendung, ihn außer Betrieb zu nehmen, und mein Eindruck ist, dass die großen Fluggesellschaften das auch gar nicht wollen. Wenn es der Berliner Landesregierung und dem Bund gelingt, einen Weg zu finden, Tegel dauerhaft offen zu halten, so werden die Edelflieger dort starten und landen, und der BER entpuppt sich als das, was er eigentlich ist - eine große Kaufhalle zwischen zwei Start- und Landebahnen für die Billigairlines und Tourifrachter.

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