Praktiker-Chef Fox „Keine Frage, wir haben Geld verbrannt“

Thomas Fox, Chef der angeschlagenen Baumarktkette Praktiker, stemmt sich gegen den Verkauf des Osteuropa-Geschäfts und den Vergleich mit dem Fall Schlecker. Er will weiter günstig sein - aber ohne „20 Prozent auf alles“.
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Thomas Fox bei der Bilanz-Pressekonferenz seines Unternehmens in Hamburg. Die Praktiker Gruppe hat das Jahr 2011 mit einem operativen Verlust in Höhe von 375,1 Millionen Euro abgeschlossen. Quelle: dpa

Thomas Fox bei der Bilanz-Pressekonferenz seines Unternehmens in Hamburg. Die Praktiker Gruppe hat das Jahr 2011 mit einem operativen Verlust in Höhe von 375,1 Millionen Euro abgeschlossen.

(Foto: dpa)

Handelsblatt: Herr Fox, ist Praktiker der nächste Fall Schlecker?

Thomas Fox: Nein, sicher nicht. Manche meinen zwar, Praktiker sei – ähnlich wie Schlecker – als Marke angeschlagen. Unsere Marktforschung hat aber das Gegenteil ergeben. Praktiker ist als Marke unverändert stark. Sie muss nur neu ausgerichtet und aufgeladen werden.

Handelsblatt: Auch bei Schlecker hieß es: neuer Markenauftritt, neues Ladenkonzept, Kehrtwende – und am Ende fehlte das Geld, stand die Insolvenz.

Fox: Ich bin seit sechs Monaten bei Praktiker, und seitdem hat sich viel getan. Wir haben Ad-hoc-Maßnahmen ergriffen, um das operative Geschäft zu stabilisieren. Es sind schon vier Märkte auf das neue Konzept umgestellt, und weitere werden bald folgen. Praktiker ist jetzt auch ohne Rabatte günstig, bietet Orientierung und Service. Und wir sind weg von der Droge der 20-Prozent-Aktionen, die jede Weiterentwicklung verhindert hatte.

Handelsblatt: Aber ganz haben Sie die Rabatte nicht verbannt ..

Fox: Wir haben im zweiten Halbjahr 2011 noch mit starken Preiszugeständnissen vermarktet, weil wir ein Problem mit zu hohen Altwarenbeständen hatten. Ware wurde bei Praktiker lange Zeit nur zögerlich abgeschrieben. Das hat das Ergebnis geschont, aber zur Vermüllung in den Märkten geführt. Im ersten Quartal des laufenden Jahres sind wir schon weniger preisaggressiv aufgetreten. Ich bin jetzt gespannt, wie sich das auf die Marge ausgewirkt hat.

Handelsblatt: Das Jahr 2011 war mit einem Nettoverlust von einer halben Milliarde Euro katastrophal für Praktiker. Der Cash-Flow lag 79,2 Millionen Euro im Minus.

Fox: Keine Frage, wir haben Geld verbrannt. Wir rechnen auch in diesem Jahr nicht damit, welches zu verdienen. Aber es geht nach vorne. Das erste Quartal macht uns Mut. In Deutschland nimmt der Umsatz wieder zu, und wir haben mehr Liquidität als ursprünglich erwartet. In zwei Jahren soll die Rendite vor Steuern dann bei ein bis zwei Prozent liegen. Wir wollen sanieren, nicht siechen.

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14 Kommentare zu "Praktiker-Chef Fox: „Keine Frage, wir haben Geld verbrannt“"

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  • Also,wenn ich bei Praktiker einkaufen gehe,gibt es IMMER Rabatte in jeglicher Form: 10 %,15%,20%,25% usw.Mir tut das wenige Personal echt leid.1 Verkäufer für 3 Abteilungen oft.Die wenigen, werden meiner Ansicht nach Verheizt.Tolle Wende in die Zukunft Herr VOX.Wo ich keine Beratung bekomme,kaufe ich nicht.Armes Deutschland!!!!!!

  • Twix-Essende und Kaugummikauende Kassierer...tja zu zweiten gehöre ich dann wohl...für 6,54 € pro Stunde ist das wohl auch der einzige Trost, bei dem was man sich von vielen Kunden gefallen lassen muss...ich frage mich immer wieder warum Kunden den Kassierer unter der Gürtellinie angreifen weil die Preise zu teuer ist oder er keine Ahnung von den Produkten hat - was soll er denn bitteschön ausrichten...zu 90% sind die Kassiere ungelernte Aushilfen...Studenten wie ich oder alleinerziehende Mütter - wer will denn auch für so einen Hungerlohn eine Lehre beginnen...und in anderen Märkten, egal obe Baumarkt oder Lebensmittelhandel, sind die Kassierer ebenso zum Großteil Aushilfen auf 400 € Basis...Sicher der Kunde ist König...wenn sich die Kunden aber in manchen Situationen mal selbst gegenüberstehen würden, dann würden sie sich in Grund und Boden schämen...Ich kann damit leben, ich bin auf gutem Weg Steuerjurist mit guten Examen zu werden, von daher denke ich mir meist meinen Teil, wenn Kunden mir wirklich ehrverletzende Behauptungen an den Kopf werfen...armes Deutschland..mit seiner beschissenen Geizistgeil - Mentalität...ich finde die Preispolitik ebenso selbstmörderisch, es gibt keine Woche in der ohne Gnade sämtlicher Mist reduziert wird...

  • Herr Fox hat bis jetzt nichts verändert und wird es auch nicht können, denn ohne Rabatte kein Umsatz!!! siehe aktuell 15 bis 40 % Rabatte auf verschiedene Warengruppen. Vor Ostern 25 % auf alles was keinen Stecker hat.In den Monaten Januar, Februar und März war es nicht anders! Rabatte, Rabatte, Rabatte! 20% auf alles? Das Kind hat nur einen anderen Namen. Es wird also weiterhin Geld verbrannt. Auf Kosten des Personals und der Aktionäre. Die EX Vorstände sind mit einem goldenen Handschlag verabschiedet worden, Gehälter, Abfindungen, nachzulesen im Geschäftsbericht 2011.

  • Wahrscheinlich war es ein Kardinalsfehler?

  • Ja, das Management lässt sich wohl noch weiter verbessern.

    Man könnte z.B. die Mitarbeiter stärker am Erfolg beteiligen, etwa über Franchise-Märkte. (Noch mehr)Qualität zu bieten könnte die Kunden positiv überraschen. Z.B. probeweise regional begrenzt Marken ins Sortiment nehmen, Gazelle-Fahrräder, Vespa-Motorroller, Koch-Anhänger u.s.w..

    Sich verjüngende Kassendurchgänge sind in einem Baumarkt wohl eher als unpraktisch anzusehen, weil sperrige Ware "hängen bleibt"; insofern leidet die Glaubwürdigkeit, wenn solche Maßnahmen als Modernisierung gepriesen werden.

  • Praktiker hat jahrelang kontinuierlich die Preise erhöht und gleichzeitig die natürliche Fluktuation genutzt um die Personaldecke immer weiter auszudünnen.

    Gleichzeitig wurden die Mitarbeiter durch absurde Preisänderungsorgien nach dem Motto "Immer Munter rauf und runter!" vom Verkaufen abgehalten.

    Die Kunden kamen nur noch wenn es Rabattaktionen gab. Diese Aktionen wurden natürlich genau dann gefahren wenn vom wenigen Restpersonal noch die Hälfte krank oder in Urlaub war.

    Wozu sollten die Powerpoint-Junkies und Excel-Abhängigen in den Zentralen auch planen? Die mussten es ja nicht ausbaden.

    Es waren die Verkäufer, die im Regen auf der Fläche stehen gelassen wurden.

    Für neues Personal schien kein Geld da zu sein. Wohl aber für munteres Stühlerücken im Vorstand, sinnlose mehrfache Umbauaktionen in den Märkten und Werbeaktionen mit abgehalfterten Tennisspielern.

    Ein paar McKinsey(?) Berater trieben natürlich auch noch ihr Unwesen bei Praktiker um eventuell das herauszufinden was jeder Kunde und auch Praktiker-Mitarbeiter schon vor Jahren wusste:

    Praktiker ist zu teuer und hat zu wenig Personal.

    Das die Qualität manches Artikels ganz vorsichtig gesagt unterdurchschnittlich ist braucht ja wohl keiner mehr noch extra zu sagen. Die Einkäufer die den Mist an Land zogen der dann die Lager verstopfte treiben jetzt halt weiter an der Elbe ihr Unwesen.

    Was auch immer kommen wird eines ist sicher:

    Die Leute, die den Laden fast an die Wand gefahren haben, werden die Folgen nicht ausbaden müssen. Es wird wie immer andere treffen.

  • Der Artikel bezieht sich auf den Konzern PRAKTIKER .
    Die von Ihnen als positives Gegenbeispiel bemühten Max Bahr-Märkte gehören vollständig zum Praktiker-Konzern.
    In der Vergangenheit war es ein Kardinalfehler, den Praktikerkonzern mit zwei Verwaltungen zu führen. Im Resultat kam es zu völlig branchenfemd hohen Verwaltungskosten in einer Grössenordnung, die Vorteile beim Einkauf zunichte machten.

  • Der Artikel bezieht sich auf den Konzern PRAKTIKER .
    Die von Ihnen als positives Gegenbeispiel bemühten Max Bahr-Märkte gehören vollständig zum Praktiker-Konzern.
    In der Vergangenheit war es ein Kardinalfehler, den Praktikerkonzern mit zwei Verwaltungen zu führen. Im Resultat kam es zu völlig branchenfemd hohen Verwaltungskosten in einer Grössenordnung, die Vorteile beim Einkauf zunichte machten.

  • tja, Herr Fox, das haben schon viele behauptet, während sie bereits den Antrag ausgefüllt haben

  • Praktiker ist schon seit Jahren ein Sanierungsfall, schon seitdem sie Metro gehörten. Ich kann es nur wünschen, dass sie die Wände schaffen, glaube aber leider nicht

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