Preise im Handel Die 99-Cent-Illusion

Mit Preisen, die knapp unter dem Euro liegen, wollen viele Geschäfte Schnäppchen vorgaukeln. Doch Forscher haben jetzt herausgefunden: Die Kunden sind nicht so dumm, wie viele Händler denken.
  • Aristid Klumbies
Das Konzept der ungeraden Preise ist laut Forschern überholt. Quelle: Imago
„Alles für 99 Cent“

Das Konzept der ungeraden Preise ist laut Forschern überholt.

(Foto: Imago)

DüsseldorfWas haben ein Cheeseburger, eine Apfeltasche und ein Kaffee bei McDonald’s gemeinsam? Genau, alle drei kosten einen Euro. Nicht 99 Cent, sondern einen vollen Euro. Mit seiner neuen Kampagne „Deine Grundversorgung“ setzt McDonald’s auf das Konzept der runden Preise.

Für Verbraucher ist das ungewohnt. Setzen doch seit Jahrzehnten sämtliche Branchen auf ungerade 99-Cent-Schwellenpreise, um den Konsumenten tiefere Preise vorzugaukeln. Doch nun stellen zwei Forscher der Ruhr-Universität Bochum die Gewohnheiten der Shopper auf den Kopf. Sie erklären das Konzept der ungeraden Preise kurzerhand für überholt – und McDonald's damit zum Trendsetter.

„Unsere Studien zeigen, dass runde Preise für die Konsumenten attraktiver sind und in der Folge zu mehr Umsatz führen“, sagt Jan Wieseke, Inhaber des Lehrstuhls für Sales & Marketing an der Ruhr-Universität. Die Studienautoren Wieseke und Laura Maria Schons monieren, dass es Unternehmen den Kunden absichtlich schwer machen würden, die Preise im Kopf zu verarbeiten. Viele Joghurt kosteten beispielsweise statt einem Euro „nur“ 99 Cent. Oder Matratzen würden für 299 Euro angeboten anstatt für runde 300.

Weil aber ungerade Preise erst umgerechnet werden müssten, erhöhe sich der sowieso schon hohe Einkaufsstress. Firmen müssten stattdessen ein Interesse daran haben, den Einkauf für Kunden so einfach und komfortabel wie möglich zu gestalten. „Unsere Studien zeigen, dass runde Preise für die Konsumenten attraktiver sind und in der Folge zu mehr Umsatz führen“, sagt Wieseke, Inhaber des Lehrstuhls für Sales & Marketing an der Ruhr-Uni.

Die Forscher sehen dafür vor allem zwei Gründe. Zum einen führe der Convenience-Trend dazu, dass sich Menschen in allen Lebensbereichen nach mehr Bequemlichkeit sehnen würden. Wieseke erklärt: „75 Prozent aller Konsumenten beschreiben sich heute als sogenannte Convenience-Shopper.“ Zudem hält der Trend in immer mehr Lebensbereiche Einzug. Nun müsse Convenience auch auf die Preissetzungsstrategien der Unternehmen übersetzt werden. Eine weitere überraschende Erkenntnis: „Glatte Preise führen zu Umsatzsteigerungen, egal wie groß das Einkaufsbudget ist“, bemerkt er. Das sei eine gute Nachricht für Unternehmen, weil sie unabhängig von der Einkaufskraft der Kundengruppen mit Umsatzsteigerungen rechnen könnten.

Diese Geschäfte werden Sie bald häufiger sehen
CCC
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Insgesamt gibt es 475 Einkaufszentren in Deutschland – und es werden immer mehr. Zu den Shooting Stars in den zwölf Shopping Centern, die im vergangenen Jahr neu in Deutschland eröffneten, gehört CCC. Das polnische Unternehmen ist mit gleich vier Läden vertreten. Das Unternehmen, das in Polen mit hunderten Läden unter verschiedenen Marken erfolgreich ist, bietet Schuhe im Discountstil wie Deichmann an, zum Beispiel in Aquis-Plaza in Aachen und im Werk-Statt Limburg.

Quelle: EHI-Shopping-Center-Report

Reserved
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Mit insgesamt drei Läden startete „Reserved“ in den neuen deutschen Shopping Malls. Das polnische Unternehmen verkauft junge Mode für junge Frauen, unter anderem die Kollektion von Model und Mick-Jagger-Tochter Georgia May Jagger, und ist in etwa vergleichbar mit dem viel größeren Konzern H&M aus Schweden. Im Einkaufszentrum „Minto“ in Mönchengladbach, das mit einem hochwertigeren Angebot punkten will, belegt „Reserved“ gleich zwei Etagen.

Fynch-Hatton
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Die Marke hört sich very british an, kommt aber aus Mönchengladbach. Das Label ist nach dem britischen Abenteurer Denys Finch-Hatton benannt. Bisher verkaufte das Unternehmen seine hochwertige Herrenkleidung für junge Männer ab etwa 30 Jahren vor allem in sogenannten Shop-in-shops bei seinen Handelspartnern. Jetzt wagt sich „Fynch-Hatton“ mit zwei eigenen Läden in große Einkaufsmeilen wie in das „Minto“ in Mönchengladbach.

Quelle: Minto.de

Chisu
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Der Textilhändler aus Ransbach-Baumbach in Rheinland-Pfalz importiert Designermode aus Italien und Frankreich. Er will sich mit wöchentlich wechselnden Kollektionen von der Masse im Modemarkt abheben. Das erst 2006 gegründete deutsche Unternehmen setzt auf ein Franchise-Konzept und hat ehrgeizige Ziele: Es will bis 2021 mit etwa 450 Chisu-Boutiquen mehr als 110 Millionen Euro umsetzen, zum Beispiel im Forum Hanau.

Sergent Major
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Die französische Kindermodemarke „Sergent Major“ ist im vergangenen Jahr in zwei neuen Einkaufsmeilen gestartet – unter anderem im Einkaufszentrum Neuer Markt in Neumarkt/Oberpfalz. Sie wirbt mit detailreicher und fantasievoller Mode für ganz junge Kunden. Das Unternehmen setzte 2014 nach Angaben des Fachmagazins Textilwirtschaft 2014 mit 550 Verkaufspunkten rund 215 Millionen Euro um.

Superdry
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Die britische Marke mit dem japanischen Touch hat große Expansionsziele. CEO Euan Sutherland will vor allem in Deutschland stark wachsen – der zweitwichtigste Markt nach dem Heimatmarkt Großbritannien. Superdry ist eine junge Marke, erst zwölf Jahre alt, und setzt auf ein schnörkelloses Design für Freizeitmode, das stark an den japanischen Purismus erinnert. Sie ist gleich in drei der neuen Shoppingcenter vertreten, zum Beispiel im „Minto“ in Mönchengladbach. Und folgende bekannten Label wachsen weiter...

Orsay
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Das Unternehmen, vor 40 Jahren in Baden-Württemberg gegründet, gehört zur französischen Mulliez-Gruppe. Es verkauft Mode für junge Frauen in 26 Ländern Europas und expandiert weiter. Es hat in sechs der neuen Shopping-Center neue Läden eröffnet, wie in der Holsten-Galerie in Neumünster.

Als zweiten Grund, warum runde Preise Wettbewerbsvorteile bringen, sehen die Bochumer Wissenschaftler den allgegenwärtigen Zeitdruck der Menschen. Die Befragung von 15.000 befragten Konsumenten zeigt: Je größer der Zeitdruck bei einer Kaufentscheidung für den Konsumenten sei, desto eher würden Produkte mit runden Preisen gewählt. „Der Zeitdruck in unserer Gesellschaft steigt stetig an. Deshalb werden besonders runde Preise vom Konsumenten geschätzt und nachgefragt“, bekräftigt Wieseke.

McDonald’s liegt mit seinem Ein-Euro-Angebot also genau im Trend. „Unsere einfachen Einstiegspreise von einem Euro haben das Ziel, dass der Gast den Preis schnell erfassen und schneller konsumieren kann“, teilte ein McDonald’s-Sprecher mit. Der Hamburger für einen Euro sei ein Klassiker. Er werde oft als Snack zum Mitnehmen und für schnell auf die Hand gekauft.

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