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Preisstreit Kaufland nimmt Hunderte Unilever-Produkte aus den Regalen

Wegen einer „drastischen Erhöhung“ der Lieferpreise hat Kaufland fast 500 Produkte von Unilever aus den Regalen genommen. Sechs Länder sind betroffen.
Update: 04.09.2018 - 07:41 Uhr 1 Kommentar
Das Langnese-Eis der Sorte „Magnum“ dürfte nicht mehr in den Kaufland-Tiefkühltruhen zu finden sein. Quelle: dpa
Unilever-Speiseeis

Das Langnese-Eis der Sorte „Magnum“ dürfte nicht mehr in den Kaufland-Tiefkühltruhen zu finden sein.

(Foto: dpa)

NeckarsulmWegen eines Streits um die Einkaufspreise nimmt die Supermarktkette Kaufland etwa 480 Produkte des Unilever-Konzerns aus den Regalen. Betroffen sind unter anderem Marken wie Knorr, Langnese, Lipton oder Axe, wie Kaufland am Montag auf Anfrage mitteilte. Zuvor hatte die „Lebensmittel Zeitung“ darüber berichtet.

Unilever habe die Lieferpreise kurzfristig drastisch erhöht, hieß es in der Mitteilung zur Begründung. Kaufland werde das nicht akzeptieren und die Produkte deshalb vorerst nicht mehr verkaufen. Auch in Tschechien, der Slowakei, Polen, Rumänien und Bulgarien gebe es einen Bestellstopp für einige Unilever-Produkte.

Unilever wollte sich nicht näher zu dem Fall äußern. „Gespräche mit unseren Handelspartnern sind vertraulich“, sagte ein Sprecher am Montagabend.

Zu Beginn des Jahres war bereits ein Streit zwischen Edeka und Nestlé über die Einkaufskonditionen für zahlreiche Produkte eskaliert. Edeka und seine Partner hatten zahlreiche Produkte – von Wagner Pizza über Nescafé bis Vittel-Wasser – nicht mehr nachbestellt. Damit waren zeitweise bis zu 200 verschiedene Produkte des Konsumgüterkonzerns aus den Regalen verbannt worden. Anfang Mai wurde schließlich eine Einigung verkündet.

Langnese, Knorr, Dove – das sind die Marken von Unilever
Ben & Jerry's
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Im Jahr 1978 beschlossen die Freunde Ben Cohen und Jerry Greenfield den US-amerikanischen Speiseeishersteller Ben & Jerry's zu gründen. Durch das humoristische Marketing und soziales Engagement erreichte die Marke schnell Kultstatus. Während in den 80er-Jahren der Versuch von Konkurrent Häagen-Dazs, den Vertrieb zu beschränken, noch erfolgreich abgewehrt werden konnte, waren die Gründer im August 2000 bei der feindlichen Übernahme durch Unilever machtlos. Seither gehört der Hersteller zum Konzern, soziale Projekte bestehen aber weiter fort. Trotzdem ist das Ansehen angeknackst. So musste 2010 etwa der Slogan „All natural“ gestrichen werden, da in fast allen der 53 Eissorten auch künstliche Zusatzstoffe enthalten seien.

(Foto: AP)
Langnese
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Eis am Stiel erfreut sich weltweit größter Beliebtheit. Seit 1935 gehört die Marke mit Produkten wie Magnum, Solero oder dem später integrierten Cornetto zum Konzern – und ist global eine feste Größe. Auch wenn das Speiseeis in anderen Ländern unterschiedliche Namen trägt. So heißt Langnese in Griechenland Algida, in Spanien Frigo und in der Schweiz Lusso.

(Foto: dpa)
Knorr
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Die Geschichte des Lebensmittelherstellers Knorr reicht bis ins Jahr 1838 zurück. Damals eröffnete Carl Heinrich Theodor Knorr einen Gemischtwarenladen in Heilbronn. In der Folge überstand das Unternehmen zwei Weltkriege, im Jahr 1959 stieg aber die CPC-Tochter Maizena zum Mehrheitsaktionär von Knorr auf und setzte die Umwandlung in eine GmbH durch. Maizena selbst ging 1998 in den neugegründeten Bestfoods-Konzern auf, der wiederum zwei Jahre später mit weiteren Marken wie Mondamin von Unilever übernommen wurde.

(Foto: picture alliance)
Lipton
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Lipton macht heute zehn Prozent des weltweiten Teeverkaufs aus. Der Konsumgüter-Konzern erwarb die Marke zwischen den Jahren 1938 und 1972 und entwickelte seitdem neue Marken und Produktmodelle. So stießen zum traditionellen Eistee dann auch die klassischen Teebeutel, die mittlerweile in Pyramidenform daherkommen. Seit 1991 arbeitet Unilever zudem beim Verkauf einiger Sorten mit PepsiCo zusammen.

(Foto: Imago)
Bertolli
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Mit dem Hersteller von unter anderem Teigwaren und Olivenöl wird es bei Unilever echt italienisch. Im Jahr 1865 in der Toskana gegründet, blieb das Unternehmen fast einhundert Jahre lang in familiärer Hand. Ab 1963 ging es dann aber hin und her. Erst Montecatini, dann Montedison (1966), anschließend die Società Meridionale di Elettricità (1972) und 1994 letztlich Van den Bergh, eine italienische Unilever-Tochter. Aber damit nicht genug, seit rund einem Jahrzehnt wird Bertolli selbst stark aufgesplittet. So liegt das Olivenöl- und Essiggeschäft heute beim spanischen Konzern deOleo, die Tiefkühlkost-Sparte bei der US-Firma ConAgra Foods und die nordamerikanischen Saucen- und Pastaaktivitäten gingen nach Japan an Mizkan.

(Foto: ad publica)
Pfanni
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Der bekannte Hersteller von küchenfertigen Kartoffelprodukten wurde 1949 von Werner Eckart gegründet und hat einen ähnlichen Werdegang wie Knorr hinter sich. 1998 wurde das Unternehmen an CPC Deutschland verkauft, das später in Bestfoods umbenannt und zwei Jahre später von Unilever übernommen wurde. Die Pfanni GmbH & Co. OHG firmiert heute im mecklenburg-vorpommerischen Stavenhagen.

(Foto: picture alliance)
Du darfst
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Als „erste Lightmarke“ wurde Du darfst in den 70er-Jahren mit einer Halbfettmargarine eingeführt und richtet sich bis heute vornehmlich an Frauen. Es folgten verschiedene Käsevarianten sowie Konfitüre und Wurst. Heute erstreckt sich die Marke auf über 40 Produkte.

(Foto: picture alliance)
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1 Kommentar zu "Preisstreit: Kaufland nimmt Hunderte Unilever-Produkte aus den Regalen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich dachte immer, sowas regelt der Markt, d. h. der „mündige Verbraucher“ entscheidet. Wenn jetzt stattdessen einfach ein Handelskonzern mit seiner Macht für mich beschließt, dass das alles viel zu teuer ist, wie soll man das dann finden? Ist das noch Bevormundung oder schon Missbrauch der Marktstellung? Oder kann es gar sein, dass das FDP-Mantra vom heiligen Markt, der alles am besten regelt, doch nicht so ganz immer und überall stimmt, zumal dann nicht, wenn der Markt so frei ist, dass immer größere Konzerne sich gegenseitig schlucken, sodass der Markt dann am Ende doch nicht mehr so frei ist, wie Westerwelle, Brüderle und Lindner es sich erträum(t)en bzw. uns glauben machen wollen?