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Protest gegen das Datensammeln Der Trick mit „Brunsbüttel“

Der bayerische Kabarettist und Liedermacher Christoph Weiherer kämpft gegen die Datensammelwut des Einzelhandels. Wenn Verkäufer ihn nach seiner Postleitzahl fragen, antwortet er stets: 25541 Brunsbüttel.
25.11.2016 - 13:35 Uhr Kommentieren
Der bayerische Kabarettist und Liedermacher kämpft gegen die Datensammelwut des Einzelhandels. Seine Waffe: die Postleitzahl von Brunsbüttel. Quelle: dpa
Christoph Weiherer

Der bayerische Kabarettist und Liedermacher kämpft gegen die Datensammelwut des Einzelhandels. Seine Waffe: die Postleitzahl von Brunsbüttel.

(Foto: dpa)

München/Brunsbüttel „Ihre Postleitzahl?“ Wenn Christoph Weiherer beim Einkaufen an der Kasse mit dieser Frage konfrontiert wird, dann lautet seine Antwort darauf seit Jahren: 25541 Brunsbüttel. Dabei ist Weiherer Bayer und lebt mehr als 800 Kilometer von der Kleinstadt in Schleswig-Holstein mit knapp 13.000 Einwohnern entfernt. 25541 ist eine klare Lüge – und seine Waffe im Kampf gegen die Datensammelwut des Einzelhandels.

„Die Idee ist in der Dusche entstanden“, sagt der Komiker und Liedermacher im Interview der Deutschen Presse-Agentur in München. „Das war einfach Zufall.“ Es habe ihn schon lange gestört, wenn er an der Kasse nach seiner Postleitzahl gefragt werde. Und dann habe er – vermutlich, so genau weiß er das nicht mehr – im Radio etwas über das Atomkraftwerk Brunsbüttel gehört. Irgendwie so entstand die Idee.

„Mich stört die komplette Datensammelwut“, sagt Weiherer. „Man ist ja eh sehr überwacht, aber ich mag möglichst wenig Daten preisgeben. Ich mag einfach ins Geschäft gehen, einkaufen, zahlen und meine Ruhe haben.“ Darum ruft er bei seinem Bühnenprogramm regelmäßig dazu auf, die Postleitzahl von Brunsbüttel anzugeben. Eine große Revolution sei das natürlich nicht, sagt er. „Aber ich stelle mir das gerne bildlich vor, wie die Unternehmen die Daten auswerten und feststellen, dass sie nur noch Kunden aus Brunsbüttel haben.“

Damit zahlen die Deutschen am liebsten
Platz 6: Sonstige, z.B. mobiles Bezahlen
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Der Umsatzanteil von Zahlungsarten wie dem Bezahlen per Smartphone lag 2015 im stationären Einzelhandel bei nur 0,6 Prozent. Auf marktreife mobile Bezahllösungen wartet der Handel noch immer. Die Voraussetzungen dafür hat er allerdings größtenteils geschaffen. So ist kontaktloses Bezahlen bereits in der Hälfte der großen Unternehmen möglich. Bis zum Jahresende wird sogar erwartet, dass er auf gut 60 Prozent steigen wird. Das hat eine aktuelle Studie des EHI Retail Institute für Handel ergeben.

(Foto: dpa)
Platz 5: Rechnung
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Nur an vorletzter Stelle befindet sich das Bezahlen per Rechnung auf der Beliebtheitsskala der Deutschen. Der Anteil am Umsatz des stationären Einzelhandels beträgt hier nur 2,5 Prozent.

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Platz 4: Kreditkarte
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Im Dezember 2015 wurden EU-weit die InterChange-Gebühren auf 0,3 Prozent für Kredit- und 0,2 Prozent für Debitkarten gedeckelt. Die Folge ist, dass nun auch Discounter wie Aldi und Lidl und große Unternehmen anderer Branchen wie Media-Saturn flächendeckend Kreditkarten akzeptieren. Das hat zu einem Anstieg der Kreditkartenumsätze auf 22,9 Milliarden Euro geführt. Das Institut EHI geht davon aus, dass sich dieser Effekt im laufenden Jahr weiter verstärken und für Kreditkarten einen weiteren Zuwachs auf 6,2 Prozent bringen wird. Im Moment liegt der Umsatzanteil bei Zahlungen per Kreditkarte im Einzelhandel bei 5,7 Prozent.

(Foto: dpa)
Platz 4: Kreditkarte
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Beschwerden gibt es allerdings über neue zusätzliche Systemgebühren, die MasterCard entwickelt hat. Es wird dabei vermutet, dass so die Erleichterungen für den Handel umgangen werden. Unzufriedenheit herrscht außerdem über die unterschiedliche Gebührenbelastung für private Kunden einerseits und für die erstaunlich hohe Zahl von Business Cards andererseits, die nicht von der Regulierung erfasst wurden.

(Foto: dpa)
Platz 3: EC-Lastschrift
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Das EC-Lastschriftverfahren wurde eigentlich schon vielfach totgesagt. Doch 2015 stieg der Umsatzanteil um 0,8 Prozentpunkte auf 14,2 Prozent. 77,7 Prozent aller großen Handelsunternehmen setzen auf das EC-Lastschriftverfahren – vor allem in Kombination mit dem Electronic-Cash/Girocard-System.

(Foto: Imago)
Platz 2: Girocard / EC-Cash
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Am zweitliebsten zahlen die Deutschen mit der Girokarte. 2015 lag der Umsatzanteil der Zahlung per EC-Cash im stationären Einzelhandel bei 23,2 Prozent. Von der Regulierung profitiert hat das System jedoch nicht. Zum ersten Mal seit der Einführung 1990/1991 hat es an Anteil verloren – und zwar um 0,5 Prozentpunkte. Es liegt nahe, dass die Ursache hierfür die Einführung und der Ausbau der Kreditkartenakzeptanz im Einzelhandel ist.

(Foto: dpa)
Platz 1: Bargeld
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Am liebsten zahlen die Deutschen noch immer mit Bargeld. Der Umsatzanteil im stationären Einzelhandel lag hier 2015 bei 52,4 Prozent. Trotzdem wird immer wieder über eine Bargeldobergrenze diskutiert. Befürworter führen vor allem ein vereinfachtes Handling an der Kasse und geringere Kosten der Geldversorgung an, insbesondere dann, wenn Ein-Cent- und Zwei-Cent-Münzen abgeschafft werden würden. Kritiker fürchten hingegen, dass viele Kunden dafür wenig Verständnis hätten - zumal Preise abgeändert und Kassen neu programmiert werden müssten.

(Foto: dpa)

In der kleinen Stadt am von ihm aus betrachtet anderen Ende der Republik ist er darum inzwischen so etwas wie eine Berühmtheit. Er hat auch schon mit Bürgermeister Stefan Mohrdieck telefoniert. „Die freuen sich total, dass sie mal mit was anderem in die Schlagzeilen kommen als mit dem Atomkraftwerk oder dem Nord-Ostsee-Kanal.“

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    Zwei Auftritte dort im Januar 2017 waren in wenigen Stunden ausverkauft. „Ich möchte die Ehrenbürgerschaft! Die ist mir bislang verweigert geblieben.“ Bürgermeister Mohrdieck reagiert im Radiosender NDR 1 auf Weiherers Aktion und scherzt: „Für uns ist es unerträglich, wenn die ganze Werbung hier nach Brunsbüttel kommt.“

    Auch über die Stadtgrenzen Brunsbüttels und die Landesgrenzen Bayerns hinaus kennt man Weiherer inzwischen. Ein Video auf seiner Facebook-Seite, in dem er sein Anliegen kundtut, hat schon mehr als 2,6 Millionen Aufrufe. „Ich kriege Kassenzettel von Leuten, als Beweis, dass sie Brunsbüttel angegeben haben.“ Wie viele seiner Idee inzwischen folgen, weiß er nicht. „Ich habe auch noch keine Beschwerden vom Handel gekriegt“, sagt er und lacht.

    „Wir wollen mit der Postleitzahl herausfinden, wo unsere Kunden herkommen“, sagt eine Sprecherin der Elektronik-Ketten Media Markt und Saturn. Die Beobachtungen könnten dann auch die Grundlage für mögliche Expansionsentscheidungen legen. Wenn besonders viele Leute aus einem entfernteren Postleitzahlengebiet das Geschäft aufsuchen, wird es aus Sicht des Unternehmens unter Umständen Zeit, dort einen neuen Laden aufzumachen. Die Sprecherin betont, dass die Kunden nicht gezwungen sind, ihre Postleitzahl anzugeben. Falsche Angaben, die untypisch erscheinen, könnten in der Analyse rausgefischt werden.

    Wie viele Händler auf diesem Wege Marktforschung betreiben, weiß der Handelsverband Deutschland (HDE) nicht. „Klar wollen die Unternehmen damit Daten zum Einzugsgebiet sammeln“, sagt der Handelsexperte Olaf Roik. „Im Zweifelsfall dient die Erhebung auch der Überprüfung von Werbemaßnahmen.“ Hat das Verteilen von Wurfsendungen in die Briefkästen bestimmter Gebiete Früchte getragen oder nicht?

    Das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht in Ansbach sieht überhaupt keine Schwierigkeiten darin, wenn Unternehmen die Postleitzahlen ihrer Kunden abfragen. „Das ist ja eine freiwillige Auskunft, und die Angabe der Postleitzahl beschreibt ja so einen groben Bereich, dass man da nicht von personenbezogenen Daten sprechen kann“, sagt Manfred Ilgenfritz, Referatsleiter für Werbung und Kundenbindung am Landesamt. „Und außerdem kann ja jeder Kunde angeben, was er will.“ Zum Beispiel 25541 Brunsbüttel.

    • dpa
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