Quartalsverlust Thalia-Sanierung macht es Douglas schwer

Douglas macht im zweiten Quartal knapp zehn Millionen Euro Verlust. Die Neuausrichtung der Thalia-Buchhandlungen kostet den Handelskonzern Geld. Immerhin stimmt der Umsatz. Der Aktienkurs gibt leicht nach.
Update: 08.08.2012 - 11:32 Uhr Kommentieren
Douglas stellt Thalia neu auf – das kostet. Quelle: dpa

Douglas stellt Thalia neu auf – das kostet.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDem Handelskonzern Douglas droht wegen hoher Kosten für die Sanierung seiner kriselnden Buchhandelskette Thalia ein Verlustjahr. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2011/12 schrieb der Konzern einen Fehlbetrag von 9,8 Millionen Euro nach einem Gewinn von 3,4 Millionen Euro vor Jahresfrist. Das Minus fiel damit höher aus als von Analysten erwartet.

In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres fiel insgesamt ein Minus von 73,1 Millionen Euro an, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Konzernchef Henning Kreke hat die Anteilseigner bereits darauf eingestimmt, dass sie für das im September endende Geschäftsjahr wohl keine Dividende erhalten werden. Douglas hatte zuletzt im Rumpfgeschäftsjahr 2003 einen Verlust geschrieben.

Einblicke in das Douglas-Reich
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Der Konzern verfehlte im abgelaufenen Geschäftsjahr (bis zum 30. September 2011) sein Umsatzziel und rechnet im laufenden Jahr mit spürbaren Gewinnrückgängen. Auch das Weihnachtsgeschäft fiel eher durchwachsen aus. Der Konzernumsatz stieg lediglich um 1,7 Prozent auf 3,38 Mrd. Euro. Angestrebt hatte der Konzern eine Umsatzsteigerung zwischen zwei und vier Prozent.

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Der Jahresüberschuss erhöhte sich um 14,3 Prozent auf 87 Mio. Euro. Das Ebitda stieg um 2,1 Prozent auf gut 292 Mio. Euro. Im Folgejahr könnte es allerdings auf 200 Mio. Euro zurückgehen.

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Vor allem Thalia entwickelte sich zuletzt zum Sorgenkind. Denn immer mehr Verbraucher kaufen ihre Bücher online. Außerdem gewinnen E-Books zunehmend an Bedeutung. „Daher wurden die Planzahlen unserer Buchsparte recht deutlich unterschritten“, sagte Konzernchef Kreke. Das Ergebnis (EBIT) ist von Thalia ist von 31,5 Mio. auf 8,8 Mio. Euro eingebrochen.

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Das Unternehmen versucht inzwischen gegenzusteuern. Zusatzsortimente - etwa Geschenke oder DVDs - sollen die Umsatzrückgänge in den Buchhandlungen kompensieren. Außerdem versucht der Konzern, Marktführer Amazon mit einem eigenen Online-Shop Paroli zu bieten. Auch ein eigenes Lesegerät für elektronische Bücher brachte Thalia inzwischen auf den Markt. Doch all dies kostet Geld.

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Parfüms sind das Ursprungsgeschäft von Douglas. Der Umsatz der Sparte blieb nahezu gleich bei 1,878 Mrd. Euro, der Erlös stieg allerdings von 99,9 Mio. auf 117,8 Mio. Euro. 1919 eröffnete in Hamburg die erste Douglas-Parfümerie. 1969 wurden die Douglas-Parfümerien von Hussel übernommen. Ab 1989 firmierte Hussel dann unter dem Namen Douglas-Holding.

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Die Süßwarenkette Hussel kommt auf 98,1 Mio. Euro Umsatz, etwa eine Mio. Euro weniger als im Vorjahr. Außerdem senkte die Kette die Zahl ihrer Filialen um 16 auf 245. 1949 eröffnete Rudolf Hussel in Hagen ein Lebensmittel- und Feinkostgeschäft. Zwei Jahre später gründete er - ebenfalls in Hagen - den ersten Hussel Süßwarenladen. 1969 kommen Seifen und Parfums dazu, im gleichen Jahr übernimmt Hussel die Douglas-Parfümerien. Die Süßwarenkette beschäftigt rund 1.062 Mitarbeiter.

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Der deutschlandweit größte Schmuckhändler Christ verdiente operativ 27.4 Mio. Euro. Damit ist Christ weiterhin der zweitgrößte Gewinnbringer im Douglas-Reich. 1979 legte die Douglas-Holding den Grundstein für das Schmuck-Geschäft. 1995 übernahm sie die Christ-Schmuckfilialen.

Im dritten Quartal 2011/12 fuhr der Konzern mit seinen Parfümerien, Süßwarenläden, Schmuckgeschäften und Buchhandlungen einen Umsatz von 746,5 (Vorjahr: 742,6) Millionen Euro ein und lag damit im Rahmen der Markterwartungen. Im deutschen Heimatmarkt sanken die Erlöse dabei insgesamt leicht, im Ausland konnte Douglas dagegen zulegen. Hier hatte der Konzern etwa in der Türkei ein Plus verzeichnet.

Freude bereitete Kreke vor allem das Geschäft der Christ-Juweliergeschäfte - die Umsätze der Kette legten um 7,2 Prozent zu. Die Buchhandelskette Thalia kämpft indes weiter mit sinkenden Umsätzen, diese gaben um 4,5 Prozent auf 176,5 Millionen Euro nach. Der Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) bei Thalia weitete sich auf 10,4 Millionen Euro aus - mit Folgen für den Konzern: Dort sank das Ebitda auf 24,2 (Vorjahr: 34,2) Millionen Euro.

Kreke will die Buchhandelskette Thalia wieder auf Kurs bringen, in dem er Filialen verkleinert oder schließt und die Läden besser mit dem Online-Geschäft verzahnt. Douglas hatte bereits knapp 130 Millionen Euro auf Thalia abschreiben müssen, über 36 Millionen Euro wurden zudem für die Sanierung bereit gestellt. "Die Umsatzverschiebungen in das Internet und die zunehmende Bedeutung von eBooks stellen Thalia und den stationären Buchhandel weltweit vor große Herausforderungen", räumte Douglas ein.

Thalia leidet unter anderem unter der Konkurrenz von Online-Händlern wie Amazon, dessen Kunden sich Bücher auch auf den Tablet-Computer Kindle laden können. Der klassische Buchhandel bleibt außen vor. Die Neuausrichtung Thalias kommt laut Kreke aber gut voran.

Im gesamten Geschäftsjahr erwartet der Konzern weiter ein leichtes Umsatzplus auf rund 3,4 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) prognostiziert Kreke "am unteren Ende" der Spanne zwischen 200 und 250 Millionen Euro. Im vergangenen Geschäftsjahr 2010/11 hatte sich das Ebitda noch auf rund 293 Millionen Euro belaufen. Analysten erwarten für das aktuelle Geschäftsjahr insgesamt einen Verlust von 42,6 Millionen Euro.

Douglas-Aktien gaben am Vormittag leicht auf 33,82 Euro nach. Noch im März hatten sie bei einem Jahreshoch von 36,89 Euro notiert. Getrieben wurde der Douglas-Kurs in den vergangenen Monaten auch durch Übernahme-Spekulationen. Der Drogerieunternehmer Erwin Müller hatte sich an den Hagener Konzern herangepirscht und kontrolliert rund 10,80 Prozent der Anteile. Über Optionsgeschäfte könnte er weitere Aktien einsammeln. Die Eignerfamilie Kreke prüft dagegen Pläne, Douglas von der Börse zu nehmen.

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