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Ralf Herbrich Lehrer der Roboter: Dieser KI-Experte soll Zalando beim Wachsen helfen

Jahrelang war Ralf Herbrich einer der KI-Macher bei Amazon. Nun wechselt er zum Konkurrenten Zalando – und steht dort vor großen Herausforderungen.
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Zwischen Management und Forschung. Quelle: Thomas Einberger für Handelsblatt
Ralf Herbrich

Zwischen Management und Forschung.

(Foto: Thomas Einberger für Handelsblatt)

Düsseldorf Ralf Herbrich ist ein Fan der Sprachtechnologie. Zahlreiche Exemplare des Sprachassistenten Amazon Echo hat der Leiter des Amazon-Forschungsbereichs Künstliche Intelligenz in seiner Wohnung verteilt, selbst im Badezimmer und im Schlafzimmer. Und der Hobbykoch vertraut auch in der Küche auf die Hilfe von Alexas Wissen.

Bald wird Herbrich auch mit seinem neuen Chef über die Vorzüge der Sprachtechnologie fachsimpeln können. Denn am 1. Januar 2020 wird er zum Modehändler Zalando wechseln und dort den Bereich Datenanalyse und maschinelles Lernen leiten. Und sein direkter Vorgesetzter dort, Technologievorstand Jim Freeman, hat bei Amazon in Seattle die Alexa-Technologie mitentwickelt.

Herbrich gilt als Koryphäe in diesem Bereich. Entsprechend stolz ist Freeman, dass er ihn beim Branchenprimus Amazon abwerben konnte. „Ralf ist ein international ausgewiesener und anerkannter Experte für maschinelles Lernen“, lobt der Chief Technology Officer von Zalando. Herbrich habe „vielfach unter Beweis gestellt, dass er die besten Talente aus Wissenschaft und Technologie in Europa und den USA sowohl anziehen als auch führen kann“, sagt Freeman. Die Position bei Zalando wurde für ihn neu eingerichtet.

Eine ähnliche Rolle spielt er zurzeit noch bei Amazon. Dort leitet er nicht nur die deutschen Entwicklungszentren, er ist auch für den Brückenschlag in die Wissenschaft zuständig. Eingefädelt hat er beispielsweise eine Kooperation zwischen Amazon und der Max-Planck-Gesellschaft in Tübingen.

Der 45-Jährige hat seinen Doktor an der Technischen Universität Berlin gemacht und dann mehrere Jahre am Darwin College in Cambridge über Künstliche Intelligenz geforscht, als dieser Bereich noch als theoretische Wissenschaft ohne wirtschaftliche Bedeutung galt. Danach hat er zunächst für Microsoft und Facebook gearbeitet, bevor sich Amazon sein Fachwissen sichern konnte.

Er hat bewiesen, dass er die besten Talente aus Forschung und Technologie anziehen und führen kann. Jim Freeman, Technologievorstand von Zalando, über Ralf Herbrich

Herbrich, auch privat ein begeisterter Nutzer von Spielekonsolen, ist besonders stolz darauf, dass er durch seine Arbeit die Xbox von Microsoft entscheidend verbessern konnte. So entwickelte er beispielsweise die legendären Features Drivatar und TrueSkill für die Spiele. Er hat über 100 wissenschaftliche Artikel veröffentlicht und hält mehr als 50 Patente.

Bei Zalando erwarten ihn große Herausforderungen. Herbrich soll dem Berliner Modeunternehmen mit technologischen Ideen helfen, seine anspruchsvollen Wachstumsziele zu erreichen. So hat Zalando angekündigt, bis zum Jahr 2023/24 den Brutto-Umsatz seiner Plattform auf 20 Milliarden Euro zu steigern.

Das wird aber nur dann gelingen, wenn die Kunden künftig häufiger einkaufen oder mehr Geld pro Einkauf ausgeben. Zalando bemüht sich deshalb schon länger, die gewonnenen Daten über das Verhalten der Verbraucher besser zu analysieren. Ziel ist es, das Angebot stärker zu personalisieren und so letztlich mehr oder teurere Kleidung, Schuhe und Beautyprodukte abzusetzen.

Das Berliner Unternehmen, das mal als Online-Schuhkaufhaus („Schrei vor Glück!“) startete, hat deshalb bereits ein großes Team von Datenanalysten und Experten für Künstliche Intelligenz aufgebaut. Zurzeit umfasst die Abteilung, die Herbrich ab Januar leiten soll, 70 Mitarbeiter. Sie soll, so eine Zalando-Sprecherin, auf rund 100 Beschäftigte erweitert werden.

Auf den ersten Blick ist das für Herbrich kein echter Karriereschritt, hat er doch für Amazon das weltweite Forscher- und Entwicklerteam für Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen mit mehr als 1 000 Mitarbeitern geleitet. Doch in solchen Kategorien denkt er nicht. Ihn reizt die Herausforderung, Technologie sinnvoll einzusetzen – und nicht die schiere Größe des Unternehmens. „Es gibt bereits jetzt mehr Algorithmen als Probleme“, sagt er. Sein Ziel ist es, Forschung und Produktentwicklung eng zu verbinden.

Eine Amazon-Sprecherin betonte, dass Amazon und Zalando seit Langem eine enge Partnerschaft verbindet. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Weggang von Herbrich für Amazon ein Verlust ist. Als Geschäftsführer für die deutschen Entwicklungszentren folgt ihm Jonathan Weiss, der seit sieben Jahren als Managing Director für Amazon Web Services arbeitet. Aber Herbrichs Position als Leiter der weltweiten Entwicklerteams für Künstliche Intelligenz wird nicht nachbesetzt.

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