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Ralf Weber

Der frühere Chef von Gerry Weber gibt auch dem Aufsichtsrat eine Mitschuld am Absturz des Modehändlers.

(Foto: imago/Sven Simon)

Ralf Weber Ex-Chef von Gerry Weber rechnet mit Vorstand und Aufsichtsrat ab

Der Sohn des Gerry-Weber-Gründers gibt Aufsichtsrat und Vorständen eine Mitschuld am Absturz des Modekonzerns. Er sucht Investoren, um für Gerry Weber zu bieten.
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Düsseldorf Ein halbes Jahr lang hat Ralf Weber geschwiegen. Doch mehr als sechs Monate nach seinem Abgang als Vorstandschef des Modekonzerns Gerry Weber meldet er sich zurück. „Ich finde es nicht fair, dass die Öffentlichkeit in den letzten Monaten nur mir und meinem Vater die Schuld an der Insolvenz des Unternehmens gibt“, sagte er dem Handelsblatt. „Ich gebe zu, dass wir Fehler gemacht haben, aber nicht nur wir.“

Er sieht sowohl den Aufsichtsrat als auch frühere Vorstände in der Verantwortung für die Probleme, die den Modekonzern in die heutige Schieflage gebracht haben – die Insolvenz in Eigenverwaltung.

Dazu gehört der Kauf der Textilkette Hallhuber Anfang 2015, mit der Gerry Weber jüngere Kunden erreichen wollte. „Hallhuber hat von Anfang an nicht funktioniert“, lautet Webers bitteres Resümee heute. „Herrn Steinke ist es weder als Hallhuber-Chef noch danach als Vorstandsmitglied von Gerry Weber gelungen, bei Hallhuber den Turnaround zu schaffen“, kritisiert der frühere Vorstandschef und Sohn des Firmengründers Gerhard Weber. Norbert Steinke saß von Oktober 2015 bis Juli 2017 im Vorstand von Gerry Weber und verließ dann das Unternehmen.

Auch mit dem langjährigen Finanzvorstand David Frink rechnet Ralf Weber ab. Ihm gibt er eine Mitverantwortung für den Kauf von Hallhuber, der sich aus heutiger Sicht als Fehlinvestition erweist. „Frink war zum Beispiel für die Due-Diligence-Prüfung vor dem Kauf von Hallhuber zuständig“, sagte Weber. Hallhuber habe „in den vergangenen Jahren rote Zahlen geschrieben“.

Das Unternehmen wird nun voraussichtlich an den Finanzinvestor Robus Capital aus Frankfurt verkauft. Zwar wurde der Name Robus Capital nie offiziell genannt. Aber es ist ein offenes Geheimnis, dass es sich bei dem Investor, der seinerzeit eine Option zum Kauf von 88 Prozent an Hallhuber erhalten hat, um Robus Capital handelt.

Dafür hatte der Finanzinvestor vor ein paar Monaten den weiteren Geschäftsbetrieb von Hallhuber mit einer Brückenfinanzierung aufrecht gehalten. Die Übernahme durch Robus ist, wie zu hören ist, an die Bedingung geknüpft, dass mit den Banken eine Anschlussfinanzierung gelingt. Darüber werde zur Zeit verhandelt.

Gerry Weber geht es aber auch schlecht, weil das Management unter der langjährigen Ägide von Firmenmitgründer Gerhard Weber viele Fehler gemacht hat: Das Filialnetz wurde zu stark ausgebaut und die Kollektion nicht verjüngt. So ist Gerry Weber mit seinen Kunden gealtert.

Gleichzeitig ist die Konkurrenz durch Modeketten wie Zara und Online-Plattformen wie Zalando gewachsen. Im Geschäftsjahr 2017/18 hatte Gerry Weber einen operativen Verlust von 192 Millionen Euro bei einem Umsatz von 795 Millionen Euro ausgewiesen.

Ralf Weber gibt aber auch dem Aufsichtsratschef eine Mitschuld am Absturz von Gerry Weber. „Von Seiten des Aufsichtsrats wurden zum Beispiel beim neuen Logistikzentrum nicht die notwendigen Kontrollen gemacht“, behauptete Weber. „So wurde es wesentlich teurer als geplant.“ Am Ende kostete die größte Einzelinvestition in der Firmengeschichte den Konzern rund 90 Millionen Euro.

Der Ex-Vorstandschef will aber nicht nur mit der Vergangenheit abrechnen. „Es ist wichtig, dass das Unternehmen jetzt in Eigenverwaltung so konsequent saniert wird, dass es dauerhaft überlebensfähig ist“, machte er klar. Und dazu will er mit seinem Vater einen Beitrag leisten. „Wir beteiligen uns am Investorenprozess.“ Sie wollen mit einer Investorengruppe für Teile von Gerry Weber bieten. Ihm ist klar, dass „wir als Alteigentümer dabei keine Sonderrolle haben“.

Einen neuen Vorstandschef Ralf Weber jedoch wird es künftig nicht geben. „Falls wir den Zuschlag für Gerry Weber erhalten sollten, werde ich keine Managementaufgabe übernehmen“, stellte er klar. Er traut seiner Investorengruppe zu, das Modeunternehmen wieder erfolgreich zu machen. „Wir haben ja aus unseren Fehlern gelernt.“

Ob es dazu überhaupt kommt, entscheidet sich im nächsten Monat. „Unser Ziel ist unverändert, im Juni entscheiden zu können, welcher Weg zur Sanierung von Gerry Weber eingeschlagen wird“, sagte ein Unternehmenssprecher dem Handelsblatt. Es könnte auf einen Insolvenzplan hinauslaufen, aber auch auf den Verkauf an Investoren.

Inzwischen liegen nach seinen Angaben „mehrere erste unverbindliche Angebote von potenziellen Investoren vor“. Diese würden nun geprüft und mit den Gläubigern entschieden, mit welchen Interessenten der Investorenprozess fortgesetzt werde.

Weber jedenfalls glaubt, „dass Gerry Weber nach wie vor eine starke Marke ist, vor allem im Ausland, in den Benelux-Staaten, aber auch in Osteuropa“. Viele Franchisenehmer von Gerry Weber verdienten Geld, „was wir mit vielen unserer eigenen Filialen nicht geschafft haben“, räumte er ein.

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