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Ralf Weber Gerry-Weber-Chef räumt seinen Posten – es ist das Ende einer undankbaren Aufgabe

Einst baute sein Vater die Modefirma auf. Dann mussten strategische Fehler korrigiert werden. Der Marke noch mal neues Leben einzuhauchen wird schwer.
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Gerry Weber – Das Ende einer undankbaren Aufgabe Quelle: picture alliance / Guido Kirchne
Ralf Weber

Keine vier Jahre führte er das von seinem Vater gegründete Unternehmen.

(Foto: picture alliance / Guido Kirchne)

Düsseldorf Die Mitarbeiter in der Firmenzentrale von Gerry Weber in Halle/Westfalen sind noch schockiert. Am Dienstagabend kam überraschend die E-Mail des Managements: Ralf Weber wechselt Ende Oktober in den Aufsichtsrat, und der externe Manager Johannes Ehling übernimmt das Geschäft. Ralfs Vater, Firmengründer Gerhard, verlässt den Aufsichtsrat.

Wegen des folgenden Feiertags am 3. Oktober gab es für den Vorstand und den Betriebsrat noch keine Gelegenheit, die Hiobsbotschaft aufzuarbeiten. Die nächste Betriebsversammlung soll es erst geben, wenn Mitte bis Ende Oktober das neue Sanierungskonzept für den Modekonzern vorliegt. Klar ist schon jetzt, der neue Chef muss eine härtere Gangart gehen.

Die Schockstarre bei den rund 800 Beschäftigen in Halle hält also noch an – auch weil mit Ralf Weber große Hoffnungen verbunden waren. Der 54-jährige Sohn des Firmengründers Gerhard Weber sollte das Unternehmen auf den alten Erfolgskurs zurückbringen, einen Kurs, der viele Jahre zu immer höheren Umsätzen führte.

Er sollte das Unternehmen vor allem wieder nachhaltig profitabel machen. Doch der Generationswechsel von Gerhard auf Ralf Weber ist gescheitert – auch weil der Junior ein ganz anderer Typ ist als sein Vater und der Senior ihm viele Probleme hinterlassen hat, die sich nicht so schnell lösen lassen.

Es ist wie in so vielen Familienunternehmen. Der Vater, meist ein genialer Gründer, erkennt nicht, dass seine Entscheidungen mit zunehmendem Alter nicht besser werden. Der Sohn, meist schon selbst nicht mehr ganz jung bei Amtsantritt, hat es ohnehin schwer mit der Nachfolge des Patriarchen, der ihn zudem noch als bestens im Unternehmen verdrahteter Aufsichtsrat überwacht. Doch mit der Überschrift, es handele sich allein um ein innerfamiliäres Nachfolgeproblem, wäre der Fall Gerry Weber nur unzureichend beschrieben.

Das 1973 gegründete Unternehmen ist seit 1989 an der Börse notiert. Das setzt eine gewisse Transparenz und professionelle Führung voraus, die Gerry Weber immerhin viele Jahre auch eingehalten hat. Doch schon beim Übergang vom Vater auf den Sohn gab es einige Verzögerungen, bis der dann doch die Führung bekam.

Der Vater zweifelte am Sohn

Wie zu hören war, hielt ihn sein Vater und Großaktionär zunächst nicht für den idealen Nachfolger. Sohn Ralf musste sich jedenfalls lange gedulden. Der Betriebswirt wurde 2008 Leiter des Controllings, übernahm ein Jahr später das Einzelhandelsgeschäft und stieg 2013 in den Vorstand auf.

Doch dann, im Februar 2015, durfte der „Junior“ endlich ran. Der damals schon über 50 Jahre alte Ralf Weber hatte sich vorgenommen, einiges im Unternehmen zu ändern, vor allem die Führungskultur. Während Vater Gerhard für seinen patriarchalisch-autoritären Führungsstil bekannt war, versuchte es der Sohn mit mehr Teamgeist. Zum ersten Interview mit dem Handelsblatt kam er nicht allein, sondern mit seinen beiden damaligen Vorstandskollegen.

Er gründete das Unternehmen 1973, ging 1989 an die Börse. Aktuell hält er noch knapp 29 Prozent der Aktien. Quelle: dpa
Gerhard Weber

Er gründete das Unternehmen 1973, ging 1989 an die Börse. Aktuell hält er noch knapp 29 Prozent der Aktien.

(Foto: dpa)

„Wir liegen alle auf einer Wellenlänge“, freute sich der Tennisspieler Weber, der das berühmte Rasentennis-Turnier Gerry Weber Open in Halle als Turnierdirektor groß machte. Wenn das Turnier im Sommer das kleine Städtchen für kurze Zeit mit Stars wie Roger Federer auf die Weltbühne des Tennissports hebt, blüht Ralf Weber regelrecht auf. Doch im Interview und bei anderen Auftritten für den Konzern wirkt er deutlich zurückhaltender als sein Vater, der immer gerne alle Fäden in der Hand behielt.

Ralf Weber hat nicht nur das Problem, sich immer an seinem erfolgreichen Vater messen zu müssen. Er hat von ihm auch noch zahlreiche Probleme geerbt, als er vor dreieinhalb Jahren an die Vorstandsspitze rückte: Das Filialnetz ist zu groß, die Kollektion veraltet und das Onlinegeschäft zu klein. Sohn Ralf musste bereits Dutzende Filialen schließen.

Damit dürfte die Ausdünnung des Vertriebsnetzes aber noch nicht abgeschlossen sein. Immerhin: Ralf Weber traf kurz nach seinem Amtsantritt eine gute und wichtige Entscheidung, als er die Modekette Hallhuber kaufte. Denn die konzentriert sich auf deutlich jüngere Kunden als die angestaubte Hauptmarke Gerry Weber.

Schwere Zeiten für die Modebranche

Lange Zeit sorgte sie für Wachstum in der Gruppe, zu der auch Marken wie Taifun oder Samoon gehören. Doch auch da lief es zuletzt nicht mehr rund. Im dritten Quartal sackte der Umsatz von Hallhuber auch wegen des heißen Sommers, der die gesamte Branche stresste, um acht Prozent ab.

Doch um die Kernmarke Gerry Weber ist es schlechter bestellt. Sie hat ein grundlegendes Problem: „Die Zeit ist vorbei für das Konzept Gerry Weber“, sagt Modeexperte Franz Maximilian Schmid-Preissler. Denn die Marke ist mit ihren Kunden gealtert. Und dem Junior ist es nicht gelungen, die modernen Senioren zu halten, die immer häufiger bei Konkurrenten einkaufen.

Ralf Weber bewies beim Personal keine glückliche Hand. Erst trat der für den Einzelhandel zuständige Vorstand Norbert Steinke ab. Dann musste der langjährige Finanzvorstand David Frink im vergangenen Jahr gehen. Damit blieb vom einst von ihm gelobten Führungstrio nur noch er selbst übrig. Auch Frinks Nachfolger erwies sich nicht als gute Entscheidung. Jörg Stüber, der aus dem eigenen Haus kam, hielt sich kein Jahr an der Spitze.

In der aktuellen Aktienanalyse von Hauck-&-Aufhäuser-Analyst Christian Salis findet sich der Satz, dass er es begrüßt, dass die enge Verbindung zwischen Familienmitgliedern und Tagesgeschäft gelöst werde. Salis beobachtet die Aktie seit zwei Jahren, seit anderthalb Jahren hat er das Papier bereits auf „Verkaufen“ gesetzt, damals war es aber noch 13,50 Euro wert, erinnert er sich.

Die Zeit ist vorbei für das Konzept Gerry Weber. Modeexperte Franz Maximilian Schmid-Preissler

Salis sieht zwei Probleme: einerseits die finanziellen Verpflichtungen, die Druck erzeugen. Bereits im November werde die Rückzahlung von Schuldverschreibungen fällig, im Mai nächsten Jahres die Rückzahlung eines Kredits. Hinzu komme, dass Gerry Weber sich zu lange Zeit mit der Transformation gelassen habe und die Gerry-Weber-Zielgruppe schrumpfe, und das obwohl die Alterung der Gesellschaft zunimmt.

Auf den starken Wettbewerb durch Zalando und andere Onlinehändler hat Gerry Weber keine Antwort gefunden. Hinzu komme, dass in der Bilanz noch immaterielle Werte von rund 200 Millionen Euro schlummern, deren Wert ebenfalls abnimmt.

Branchenbeobachter blicken sorgenvoll nach Halle. Mancher unkt, dass es das Beste wäre, ein Investor würde tüchtig aufräumen. Aktuell hält Gerhard Weber noch 29 Prozent, sein Sohn 4,6 Prozent, und die Erben des Mitgründers Udo Hardieck halten noch 17,5 Prozent. Am Donnerstag stieg die Aktie zeitweise um 30 Prozent.

Wie viel davon aus dem Ausscheiden des Vaters oder dem Abgang des Sohnes aus dem operativen Geschäft resultiert, ist schwer zu sagen. Dem neuen Chef Johannes Ehling, der am 1. November antritt, geht es ähnlich wie Ralf Weber damals: Ihm sitzt sein Vorgänger im Vorstand künftig als Aufsichtsratsmitglied im Nacken.

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