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Rauchen Lohnt es sich, eine Shisha-Bar zu betreiben?

Woher kommt der Boom der Shisha-Bars und lohnt sich das Geschäft für die Betreiber? Und wie gefährlich ist der Rauch? Unsere Reporterin klärt auf.
  • Lena Kanning
18.02.2019 - 12:31 Uhr Kommentieren
Shisha-Bars im Trend Quelle: dpa
Das Geschäft mit dem Dampf

In Deutschland gibt es etwa vier Mal vo viele Shisha-Bars wie McDonald’s-Filialen.

(Foto: dpa)

Dieser Artikel ist am 18. Februar 2019 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

Als erstes ist da dieser Geruch: streng-süßlich und irgendwie orientalisch. Er hängt in allen Ecken der Bar. Am Tresen, bei den kleinen Beistelltischen, zwischen den roten Ledersofas. Es ist Montagabend und der Laden ist einigermaßen gut besucht: Während RnB aus den Boxen dringt und Neonlicht den Raum rot färbt, sitzen hier vor allem junge Menschen in Grüppchen zusammen. Immer in ihrer Mitte: eine große, golden-glänzende Wasserpfeife.

6000 Shisha-Bars gibt es in Deutschland, schätzt das Statistische Bundesamt

Die Wasserpfeifen, auch Shishas genannt, liegen im Trend. Wer sie rauchen will, geht dafür häufig in spezielle Shisha-Bars. Die öffnen meist am späten Nachmittag und füllen sich innerhalb von ein paar Stunden mit immer mehr Besuchern – so wie die Shisha-Bar Aladdin, mitten in der Passauer Innenstadt. Die Gäste sind schätzungsweise zwischen 18 und 26 – und tragen auffallend häufig Lederjacke und Leggings.

Eine von ihnen ist die 21-jährige Rey, Studentin im dritten Semester. Etwa ein bis zwei Mal pro Woche trifft sie sich mit ihrer Clique in Aladdins Bar. Dann stecken Rey und ihre Freunde die Köpfe zusammen, lachen und unterhalten sich, trinken Kräutertee und Cola-Light. Zwischendurch beugt sich immer wieder jemand vor zur Wasserpfeife, nimmt das Schlauchende zwischen die Lippen, atmet tief ein, inhaliert, formt den Mund zu einem großen O und stößt dann den dichten, weißen Rauch kräftig hinaus in den Raum.

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    Das Ritual des Shisha-Rauchens kommt ursprünglich aus Persien und war Jahrhunderte lang hauptsächlich in der arabischen Welt verbreitet. Doch längst ziehen nicht mehr nur Turban tragende Männer auf Orientteppichen an der Wasserpfeife, sondern auch immer mehr junge Leute in Deutschland. Die Shishas mit Geschmacksrichtungen wie Lemon-Chili, Apfel-Wassermelone oder Schokolade-Zimt mischen den Tabakmarkt hierzulande ordentlich auf.

    Weil Shisha-Bars nicht gesondert erfasst werden, gibt es zwar keine genauen Daten darüber, wie viele es mittlerweile in Deutschland gibt. Die Pressereferentin des statistischen Bundesamtes schätzt ihre Zahl auf rund 6000. Zum Vergleich: McDonald’s hat bundesweit etwa 1500 Filialen.

    Tabakkonsum in Deutschland: Weniger Zigaretten, mehr Pfeifentabak

    Einem Forschungsbericht der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) zufolge ist die Zahl der jugendlichen Zigarettenraucher seit Jahren rückläufig, während gleichzeitig immer mehr junge Leute Shisha rauchen. So haben schon fast drei von zehn Jugendlichen im Alter von zwölf bis 17 Jahren mindestens einmal Wasserpfeife geraucht. Bei den 18- bis 25-Jährigen sind es sogar fast 67 Prozent.

    Auch die Verkaufszahlen beim Tabak bestätigen den Trend. Während die Zahl der verkauften Zigaretten in Deutschland seit Jahren sinkt, ist es beim Pfeifentabak umgekehrt (siehe Grafiken weiter unten im Artikel). Von 2014 bis 2018 hat sich die in Deutschland verkaufte Menge an Pfeifentabak mehr als verdoppelt.

    Auch in den sozialen Netzwerken hat sich das Bild geändert. Galt es für unsere Elterngeneration noch als cool, auf Fotos lässig mit Zigarette im Mundwinkel zu posen, zeigen sich heute auf Instagram immer mehr Jugendliche mit Shisha.

    Rey betont vor allem das Gruppengefühl, dass sich mit dem ersten Zug an der Wasserpfeife einstelle. „Die Zigarette raucht jeder für sich allein, oft schnell zwischendurch und draußen vor der Tür“, sagt sie und gibt das Schlauchende weiter. „Die Shisha raucht man dagegen über einen Abend hinweg im Kreis seiner Freunde.“ Ihre Freunde – das sind Onur, Irem und Seyide. Alle sind um die 20, Studenten und haben türkisch-arabischen Wurzeln.

    Shisha: Ursprung in Persien, Tradition im arabischen Raum

    Die gemeinsame Herkunft könnte Zufall sein. Sie passt aber auch zu den Zahlen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Demnach rauchen Jugendliche mit türkischem, asiatischem oder arabischem Migrationshintergrund häufiger Wasserpfeife.

    „Sie haben die Tradition des Shisha-Rauchens gewissermaßen mitgebracht“, sagt Diana Schulz von der BzgA. Nun wollten sie diesen Teil ihrer Kultur auch hierzulande leben – und vielleicht auch ihren deutschen Kumpels näherbringen.

    „Das kann schon sein“, bestätigt auch Irem am Bartisch in Passau und die anderen nicken zustimmend. „Ich rauche vor allem deshalb gerne Shisha, weil ich so gemeinsam mit meinen Freunden entspannen kann. Entweder man geht zusammen Kaffee trinken, essen – oder eben Shisha rauchen, hier in Aladdins Bar.

    Verbrauch von Pfeifentabak in Deutschland

    Aladdin, Namensgeber und Betreiber der Passauer Shisha-Bar, freut sich über solche Kommentare. Schließlich ist er darauf angewiesen, dass viele Leute bei ihm den Abend verbringen. Vor zwölf Jahren hat sein Onkel die Bar eröffnet. Aladdin selbst ist 2015 aus Tunesien nach Deutschland gekommen und seitdem mit dabei. Der 24-Jährige studiert BWL an der Universität Passau und arbeitet parallel an bis zu fünf Abenden gemeinsam mit drei anderen Mitarbeitern in seinem Laden.

    Aladdin sagt: „Man muss schon gut kalkulieren, um eine Shisha-Bar langfristig betreiben zu können.“ Eine 200 Gramm-Dose Shisha-Tabak kostet ihn im Einkauf rund 15 Euro, die Menge reicht für zehn Pfeifen. Eine kostet Aladdin inklusive der brennenden Kohle umgerechnet also nur etwas mehr als 1,50 Euro – er verkauft sie aber im Mittel für sechs Euro und somit für das Vierfache. „Ich schätze, dass wir im Durchschnitt 20 Pfeifen pro Abend an unsere Gäste verkaufen, das macht also 120 Euro, die wir mit den Shishas einnehmen“, rechnet Aladdin vor.

    Shisha-Bar betreiben: Lohnt sich das Geschäft mit den Wasserpfeifen?

    Außer den Wasserpfeifen bietet Aladdins Bar noch kleine Snacks wie Salzbrezeln und Getränke an. Seit es vor einiger Zeit vermehrt Unfälle mit betrunkenen Gästen gab, stehen nur noch alkoholfreie Drinks auf der Karte. Die kosten durchschnittlich drei Euro und machen einen großen Teil der Einnahmen aus.

    Aladdin schätzt, dass er im Monat rund 5000 Euro erwirtschaftet. Und so kalkuliert er sein Geschäft:

    • 3600 Euro stammen aus dem Verkauf der Shishas.
    • 1400 Euro (gut 30 Prozent) gehen auf Softdrinks, Saft und Schwarztee zurück.
    • Etwas mehr als 2000 Euro gehen für Miete, Heizung und Strom drauf.

    Hinzu kommen die Kosten für den Shisha-Tabak, frische Getränke und kleinere Reparaturen. Mal ist eine Musikbox kaputt, mal muss ein Sofa neu bezogen werden. „Am Ende bleibt nicht viel übrig“, sagt Aladdin. Wenn man eine Shisha-Bar neu eröffnen will, müsse man erstmal hohe Kosten tragen. Neben den Ausgaben für Möbel und Elektronik seien da die Pfeifen selbst – und die vorgeschriebene Technik..
    Eine Wasserpfeife beispielsweise koste bis zu 150 Euro und eine gute Bar solle über mindestens 20 Stück verfügen. Seit 2018 fordern außerdem viele Bundesländer die Installation einer speziellen Belüftungsanlage. Die koste neu mindestens 30.000 Euro, sagt Aladdin. Sein Fazit: „Es ist schwierig, auf Dauer mit einer Shisha-Bar Gewinn zu machen.“

    Trotz des Booms könnte das Geschäft für ihn aktuell besser laufen. War Aladdins Shisha-Bar früher die einzige ihrer Art in der Studentenstadt Passau, sind in den vergangenen Jahren acht neue hinzugekommen. Das verschärft die Konkurrenz und sorgt dafür, dass weniger Gäste zu Aladdin kommen. Auch seine Mitbewerber verzeichnen sinkende Besucherzahlen, denn längst sehen Shisha-Fans die Bars nicht mehr als die einzige Möglichkeit zum Rauchen der Wasserpfeife an.

    Herrscht in Shisha-Bars erhöhte Kriminalität?

    Aladdin beobachtet, dass sich immer mehr Shisha-Raucher eine eigene Wasserpfeife kaufen. Auch Rey, die Studentin in der Bar, sagt: „Früher sind wir häufiger in Aladdins Bar gekommen. Mittlerweile rauchen wir aber tatsächlich immer öfter zu Hause oder im Sommer draußen. Man ist so einfach unabhängiger von Öffnungszeiten und muss keine langen Wege in Kauf nehmen.“

    Die Sprecherin der Drogenbeauftragten der Bundesregierung beobachtet bereits einen Trend: „Gerade Minderjährige sind verstärkt dazu übergegangen, ihre Shisha zu Hause zu konsumieren, denn der Aufenthalt in Shisha-Bars ist erst ab 18 Jahren erlaubt.“ Wird ein Betreiber dennoch dabei erwischt, Personen unter 18 den Zutritt zu erlauben, drohen Geldstrafen von bis zu 4000 Euro.

    Apropos Strafen: Immer wieder geraten Shisha-Bars in die Schlagzeilen. Meist im Zusammenhang mit Geldwäsche, Großeinsätzen der Polizei und kriminellen Familienclans. Auch in Fernsehkrimis werden die Bars häufig als kriminelle Orte inszeniert. „Diese Darstellungen schädigen unseren Ruf und tragen dazu bei, dass die Leute ihre Wasserpfeife lieber zu Hause rauchen als bei uns“, sagt Aladdin. „Es handelt sich aber um Klischees.“

    Das Bayrische Landeskriminalamt bestätigt das. Auf Anfrage teilt ein Sprecher mit, dass man keine Pauschalaussagen treffen könne über die Verbreitung von Kriminalität in Shisha-Bars. Zwar komme es häufiger vor, dass Betreiber ihren Tabak aus Ländern wie Tschechien bezögen, um so Steuern zu umgehen. Geldwäsche und Clan-Kriminalität seien aber die absolute Ausnahme.

    „Ab und an machen wir Kontrollen in Shisha-Bars“, sagt der Sprecher des Landeskriminalamts. Dabei gehe es aber hauptsächlich darum zu überprüfen, ob der Betreiber sich an das Jugendschutzgesetz und das allgemeine Gewerberecht hält. „Von echten Razzien wie sie gerne im Fernsehen dargestellt werden kann daher nur selten die Rede sein.“

    Shisha oder Zigarette: Was macht schneller abhängig?

    Und wie gesundheitsschädlich ist der Rauch aus der Wasserpfeife? Die Sprecherin der Drogenbeauftragten der Bundesregierung sieht bei der Aufklärung über die Gefahren „großen Nachholbedarf.“ Viele Jugendliche verharmlosten den Konsum.

    Diana Schulz von der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung sieht das ähnlich: „Eine Zigarette schmeckt förmlich nach dem Gift, das sie enthält. Eine Shisha schmeckt dagegen erstmal nicht giftig, sondern nach Zitrone oder Schokolade. Das macht sie auch so gefährlich.“
    Dabei stecke in Shisha-Tabak genau wie in Zigarettentabak Nikotin, das schnell abhängig machen könne, warnt die BzgA. Darüber hinaus seien noch mehr als 4800 weitere gesundheitsschädliche Substanzen im Shisha-Rauch enthalten.

    „Ob Zigaretten oder Shishas gefährlicher sind, lässt sich schwer ermitteln“, sagt Diana Schulz von der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung. Man könne aber davon ausgehen, dass das Rauchen einer Wasserpfeife in etwa so schädlich sei, wie zehn Zigaretten. Besonders kritisch sehen Gesundheitsexperten, dass die Wasserpfeife den Tabakrauch kühlt. Das sorgt dafür, dass Raucher gerne stärker inhalieren als bei Zigaretten und der Rauch tiefer in das Lungengewebe eindringen kann.

    Kohlenmonoxid in Shisha-Bars: Hamburg fordert Rauchmelder

    Hinzu kommt noch die Gefahr der Kohlenmonoxid-Vergiftung. Kohlenmonoxid entsteht durch die Verbrennung der Kohle auf dem Shisha-Kopf. In geschlossenen Räumen kann es zu Vergiftungen führen – das gilt als größtes Risiko beim Shisha-Rauchen. Hamburg will Bar-Betreiber deswegen dazu zwingen, spezielle Rauchmelder einzubauen.

    Bar-Betreiber Aladdin kennt all diese Risiken. Er sagt: „Klar, Shisha-Rauchen ist nicht unbedingt gesund. Aber das sind Zigaretten und Alkohol ja auch nicht.“

    Mehr: Warum E-Zigaretten, Shishas und Co. die Lunge nicht schonen

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