Raumfahrtgeschäft Wie Airbus neuer Konkurrenz trotzen will

Neue Konkurrenten mischen das Raumfahrtgeschäft auf – mit niedrigen Preisen und hochfliegenden Plänen. Mit einer neuen Fabrik will Airbus zwei Satelliten pro Tag ausliefern – statt bislang zehn Stück pro Jahr.
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Die SpaceX Falcon 9 Rakete mit einer Dragon Raumkapsel am Start in Cape Canaveral, Florida. Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus will das Geschäft mit Satelliten ausbauen. Quelle: dpa
Airbus-Konkurrent

Die SpaceX Falcon 9 Rakete mit einer Dragon Raumkapsel am Start in Cape Canaveral, Florida. Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus will das Geschäft mit Satelliten ausbauen.

(Foto: dpa)

ParisWas Airbus in einer Fabrik in Florida vorhat, ist eine Revolution für das Satellitengeschäft des europäischen Luftfahrtriesen. „Bislang haben wir in guten Jahren nicht mehr als zehn Satelliten gebaut“, resümiert Airbus-Raumfahrt-Chef Nicolas Chamussy. „Hier werden wir zwei Satelliten am Tag liefern.“

Für das ehrgeizige Projekt „OneWeb”, das mit einer Flotte aus mehr als 700 Kleinsatelliten rund um den Globus schnelles Internet anbieten will, soll Weltraum-High-Tech in die Serienfertigung gehen. Es ist ein Beispiel dafür, wie Airbus im Raumfahrtgeschäft neue Wege geht, um seinen Platz gegen aufstrebende neue Konkurrenz zu behaupten.

Vom belächelten Start-up zum Luftfahrtriesen
Meilenstein
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Bei Europas Flugzeugbauer Airbus liegt der Champagner bereit. Mit der Auslieferung der 10.000. Maschine steht an diesem Freitag (14.10.) in Toulouse ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte des europäischen Luftfahrtriesen an. „Es wird ein sehr spezieller Tag für uns sein“, sagt Airbus-Sprecher Stefan Schaffrath in Toulouse. Seit Wochen laufen die Vorbereitungen für dieses Jubiläum. Als vor mehr als 42 Jahren der allererste Airbus aus der Produktionshalle rollte, war kaum zu ahnen, dass jemals die Nummer „10.000“ auf der Kabine eines Jets prangen würde.

Die komplizierten Anfänge
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Damals noch als hoffnungsvoller, aber arg belächelter deutsch-französischer Unternehmensverband hatte der heutige Weltkonzern am 10. Mai 1974 seine erste Maschine – einen A300B2 – an Air France übergeben. „Am Anfang war Airbus noch ein recht kompliziertes Konglomerat, das mit einem Nischenprodukt auf den Markt kam“, sagt der Luftfahrt-Analyst der NordLB, Wolfgang Donie.

Konkurrenz
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Zwischen den Anfängen und der Jubiläumsmaschine steht eine stürmische Entwicklung. Airbus knackte nicht nur erfolgreich die Dominanz des US-Konkurrenten Boeing, sondern sorgte auch immer wieder mit technologischen Neuerungen für Aufsehen in der Luftfahrt-Branche.

Mit Gold und Glitter
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Vor den Kameras der Weltpresse werden diese Meilensteine bei der feierlichen Übergabe des Rekord-Jets mit der Jubiläums-Lackierung – eine A350 XWB für Singapore Airlines – mit viel Pomp gewürdigt werden. Der Großraumjet A350 gilt als Trendsetter, die asiatische Airline als treuer Airbus-Partner. Sie war Erstkunde des Großraum-Jets A380 und stand damit schon einmal in vorderster Linie bei einem dieser Meilensteine. Der A380 sollte Boeings Jumbo-Jet B747 übertrumpfen, dessen Produktionsende sich nun abzeichnet.

Die kleineren Trendsetter
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Doch auch Airbus musste dazu lernen: Die Giganten am Himmel sind nicht mehr so gefragt wie früher. Fluggesellschaften setzen heute verstärkt auf mittelgroße Langstreckenjets. Die Folge: Prall gefüllten Auftragsbüchern für kleinere Passagierjets steht bei Airbus eine schleppende Nachfrage nach seinen A380 gegenüber. Auch wenn Airbus mit Verweis auf die großen, überfüllten Drehkreuze deren Nutzen betont: Sie entwickelten sich längst zum Ladenhüter. Im Juli hatte der Hersteller wegen der schwachen Nachfrage nach dem Riesenflieger daher eine Produktionskürzung beschlossen.

Krisenbeständig
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Klar: Auch wegen der Turbulenzen um den Militärtransporter A400M oder aktuell einem stornierten polnischen Helikopter-Auftrag hat der Konzern gerade mit viel Wind von vorne zu kämpfen. „Aber das macht eben auch eine der Stärken von Airbus aus“, sagt Analyst Donie. „Das Unternehmen lernt aus seinen Fehlern – auch wenn das Geld kostet.“

Eine kleine Revolution
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Es setzte dabei immer wieder technische Akzente, die zwar zunächst umstritten waren, sich aber am Markt durchsetzten. Den Mikrokosmos der Luftfahrt wirbelte der Konzern mit einer revolutionierenden Entwicklung im Cockpit durcheinander, die Piloten zunächst in Befürworter und Gegner spaltete. Statt wie damals noch üblich per Steuersäule und Muskelkraft übertrug Airbus erstmals Steuerbefehle auf elektronischem Wege per Joystick. Diese „fly-by-wire“-Technik ist heute längst zum Standard in modernen Cockpits weltweit.

Denn das Geschäft mit Raketen und Satelliten ist seit einigen Jahren in einem spektakulären Umbruch. Neue Akteure wie der schillernde amerikanische Unternehmer Elon Musk mit seiner Firma SpaceX haben die Regeln der Sparte durcheinandergewirbelt. Sie drücken die Preise für Trägerraketen und machen Schlagzeilen mit hochfliegenden Zielen wie der Besiedlung des Mars. Im Satellitenmarkt öffnen kostengünstige Kleinsatelliten die Tür für neue Anbieter.

Europas etablierter Raumfahrtsektor muss umdenken: „Wir Europäer haben eine Tendenz, vorsichtiger zu sein, vielleicht nicht risikofreudig genug“, sagt Chamussy im Interview der Deutschen Presse-Agentur. „Aber die Dinge ändern sich.“

So hat Europa nach zähen Verhandlungen sein Trägerraketengeschäft völlig neu sortiert. Die neue, günstigere Rakete Ariane 6 soll 2020 das erste Mal fliegen. „Die Umstrukturierung des gesamten Trägerraketensektors war ein harter Kampf“, sagt Chamussy. „Die Struktur war nicht effizient genug, um gegen SpaceX und andere anzukommen – aber es war ein riskanter Schritt, das komplett umzubauen.“ Ob das reicht, um die Falcon 9 von SpaceX zu schlagen? „Wir werden sehen, aber wir tun alles dafür.“ Ariane 6 sei auf einem guten Weg, „aber wir dürfen davon nicht abweichen“.

Denn die Wettbewerber bereiten ebenfalls neue Raketen vor: „Wir zählen weltweit ein Dutzend Projekte für Trägerraketen vom Typ Ariane 6 (...) und etwa 50 Projekte für kleine Trägerraketen“, erläuterte der Chef von Airbus Safran Launchers (ASL), Alain Charmeau, der französischen Zeitung „Le Figaro“. Der Chef des europäischen Raketenbetreibers Arianespace, Stéphane Israël, warnte: „Die Konkurrenz wird nicht abnehmen.“

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2 Kommentare zu "Raumfahrtgeschäft: Wie Airbus neuer Konkurrenz trotzen will"

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  • Noch was: wenn der Herr Kessler mit seinem nach ihm benannten Syndrom Recht hat, dann kann man jede diese Wachstumsphantasien für den LEO sofort in die Tonne treten, dann wird der LEO mit diesen Szenarien nur zugemüllt und keiner nutzt ihn mehr... aber Airbus DS ist bestimmt auch ganz aktiv im Bereich Weltraumlage... *lach*

  • Wenn Ihnen der CEO einer Autofirma so einen Vergleich über seine Steigerung der Produktionszahlen verkündigen würde, dann würde man ihn wohl sofort abholen lassen! Entweder läuft da nämlich dann etwas im Alt-Geschäft oder im neuen Geschäftsmodell falsch!

    Musk ist eine interessante Persönlichkeit, aber mit all seinen Projekten jenseits des Internets hat er tolle Leistungen gebracht... aber keine schwarzen Zahlen!

    Gut, gehen wir davon aus, dass diese Satelliten deutlich einfacher zu bauen sind, bitte bedenken: Rückrufaktionen gibt es hier nicht... wenn die Dinger zu früh ausfallen, dann muss er nachschiessen (Risiko!)


    Ariane 6 ist also günstiger? Das war Ariane 5 im Vergleich zu Ariane 4 auch schon (also auf dem Papier bevor sie entwickelt war, danach mehr doppelt so teuer!), die Ariane 6 ist wieder so eine Art Ariane 4, die Lernkurve geht also in die richtige Richtung... aber vielleicht sollte man sich in der Prognose an den Kostenzahlen der Ariane 4 (inflationsbereinigt) orientieren?

    Ariane 6 muss das Team finanzieren, dass im Zweifel die franz. Atomraketen bauen kann, Die Kostenbetrachtungen sind daher sekundär und werden daher auch gar nicht erreicht werden! (das wird in F nicht mal versucht)

    Abgelegene Gebiete zur Internetnutzung: mal abgesehen von den Zuständen in der deutschen Provinz ;-) heißt abgelegen auch wenige und vor allem zahlungsschwache Kunden! Wenn es nur um Internet geht, dann ist dort aber bereits auch Konmkurrenz durch die GEO-Sats gegeben, der Markt existiert, es ist nicht ein Wachstumsmarkt, sondern Verdrändungswettbewerb.

    Für ein prognostiziertes Wachstum von 16 % (ist nicht viel für so einen Zeitraum), schon mal jetzt 5 % mehr Personal anzustellen... das gibt beim besten Willen keine schwarzen Zahlen! Die Leute müssen ja permanent bezahlt werden...

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