Reaktion auf Parkland-Amoklauf US-Waffenhändler streicht Sturmgewehre aus dem Sortiment

Es ist ein Signal nach dem Amoklauf in Florida: Die US-Waffenhandelskette Dick’s verkauft keine Kriegswaffen vom Typ AR-15 mehr.
Update: 28.02.2018 - 16:06 Uhr Kommentieren
Einer der größten Waffenhändler der USA will solche Kriegswaffen künftig nicht mehr verkaufen. Quelle: AFP
AR-15-Gewehr auf einer Waffen-Show in Südflorida

Einer der größten Waffenhändler der USA will solche Kriegswaffen künftig nicht mehr verkaufen.

(Foto: AFP)

New YorkWährend die Politik noch zögert, ziehen die Unternehmen bereits Konsequenzen: Dick’s Sporting Goods, einer der größten Waffen-Einzelhändler der USA, kündigte an, dass es keine halbautomatischen Gewehre mehr verkaufen wird.

Zudem hebt der Händler das Mindestalter für den Kauf von Waffen in seinen Läden auf 21 Jahre an. Damit reagiert das Unternehmen freiwillig auf den Amoklauf an der Marjory Stoneman Douglas Highschool in Florida. 

Seit vor drei Wochen 17 Menschen an der High School nieder geschossen wurden, reißen die Proteste für strengere Waffengesetze nicht ab. Jugendliche organisieren landesweite Demonstrationen und konfrontieren die Politiker vor laufenden Fernsehkameras.

Im Internet verbreiten sich die Aufrufe mit dem Hashtag #BoycottNRA gegen die Lobby-Organisation National Rifle Association rasant.

Zum ersten Mal nach einem solchen Massaker reagieren auch die Unternehmen. Versicherer, Autovermieter und Fluggesellschaften haben bereits ihre Partnerschaften mit dem Waffenverband gekündigt.

Dick’s Sporting Goods kommt mit seiner Ankündigung den wichtigsten Forderungen der Befürworter strengerer Waffengesetze nach. In Zukunft wird in den Läden keiner mehr eine halbautomatische AR-15 kaufen können, die bei fast allen Amokläufen in Schulen zum Einsatz kam.

„Als wir diese Kinder und ihre Eltern gesehen haben, hat uns das alles sehr bewegt. Und wir mussten etwas tun“, sagte der 63-jährige Dick’s-Chef Edward Stack in einem Fernseh-Interview. Sein Vater hatte das Unternehmen 1948 gegründet, das heute acht Milliarden Dollar umsetzt.

„Ich weiß, dass wir mit unserer Entscheidung nicht jeden glücklich machen“ stellte Stack klar. „Aber wenn diese Kids so mutig sein können und überall demonstrieren, dann können wir auch so mutig sein, diese Waffen aus unserem Sortiment zu nehmen“,  sagte er. Das Unternehmen fordert auch die Politiker offiziell dazu auf, den Zugang zu Waffen offiziell zu beschränken.

Viele US-Bürger demonstrieren nach dem Schulmassaker in Florida für schärfere Waffengesetze. Quelle: dpa
Proteste gegen NRA in Washington

Viele US-Bürger demonstrieren nach dem Schulmassaker in Florida für schärfere Waffengesetze.

(Foto: dpa)

Die mächtige Waffen-Organisation NRA wird er sicherlich nicht glücklich machen. Der Verband mit nach eigenen Angaben fünf Millionen Mitgliedern lässt seine Wut bereits an den Unternehmen aus, die ihre Rabatte für NRA-Mitglieder abschaffen und bezeichnet sie als „Feiglinge“.

Dazu gehören die Autovermieter Enterprise, Avis und Hertz ebenso wie die Fluggesellschaften Delta und United, die Hotelkette Best Western, der Versicherer MetLife oder der Software-Konzern Symantec.

Wie mächtig die NRA immer noch ist, hat die Fluggesellschaft Delta zu spüren bekommen. Der republikanische Vizegouverneur des US-Bundesstaates Georgia, Casey Cagle, drohte Delta auf Twitter, die geplanten Steuervergünstigungen für Flugbenzin fallen zu lassen, wenn sich die Airline gegen die NRA stellt.

Auch die beiden Logistikkonzerne FedEx und UPS sind im Zuge der NRA-Boykotte in die Schlagzeilen gekommen. Fedex weigert sich bisher, die Rabatte für NRA-Mitglieder abzuschaffen, distanzierte sich aber klar von den Ansichten der NRA zur Waffenkontrolle.

Außerdem wies Fedex darauf hin, dass das Unternehmen der NRA nie Geld gegeben habe und dass die NRA ihre Waffen mit dem Konkurrenten UPS verschickt.

Der Druck steigt auch auf Apple und Amazon. Die beiden Technologie-Konzerne haben zwar keine Sonderpreise für NRA-Mitglieder im Programm.

Aber beide haben einen Werbe-Kanal der NRA in ihrem Streaming-Angebot. Eine Online-Petition, diese zu unterbinden war am Mittwochmorgen bereits von 230.000 Menschen gezeichnet worden.

In der Vergangenheit hatte es nach Amokläufen zwar vereinzelte Reaktionen von Seiten weniger Unternehmen gegeben. So hatte etwa Walmart die halbautomatische AR-15 aus dem Sortiment genommen. Aber eine so klare Distanzierung von der NRA und die offene Forderung nach strikteren Gesetzen ist neu.

Vielleicht liegt es auch daran, dass immer mehr Republikaner, wie auch die ehemalige Verteidigungsministerin Condoleeza Rize Kriegswaffen in den Händen von Zivilisten kritisieren.

Dem Aktienkurs der Outdoor- und Sportwaffen-Kette Dick’s Sporting Goods hat die jüngste Entscheidung nicht geschadet. Der legte zum Handelsbeginn am Mittwoch sogar zu.

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