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Real testet Gesichtsanalyse Wenn eine Supermarktkette Google nacheifert

Die Supermarktkette Real filmt in einigen Filialen die Gesichter der Kunden, um Werbung zu personalisieren. Bisher werden nur Alter und Geschlecht erfasst. Technisch ist aber mehr möglich. Datenschützer sind alarmiert.
  • Hannes Putfarken
30.05.2017 - 16:15 Uhr Kommentieren
Der Lebensmitteleinzelhändler Real filmt seine Kunden in ausgewählten Filialen. Quelle: obs
Real-Filiale

Der Lebensmitteleinzelhändler Real filmt seine Kunden in ausgewählten Filialen.

(Foto: obs)

Wer davon träumt, einmal vor der Kamera zu stehen, sollte einen Supermarkt von Real besuchen. Kunden, die im Kassenbereich auf einen Werbebildschirm schauen, müssen damit rechnen, gefilmt zu werden. Dabei geht es nicht etwa darum, Ladendiebstähle zu vereiteln, sondern um reine Kundenanalyse.

Ein Real-Sprecher teilte dem Handelsblatt mit, man habe der Augsburger Firma Echion AG spezielle Testgeräte zur Verfügung gestellt. Es sind Werbebildschirme mit eingebauten Videokameras, die sowohl das Geschlecht, als auch das ungefähre Alter des Kunden erfassen könnten. Diese Technik werde bereits seit Herbst vergangenen  Jahres in insgesamt 40 von insgesamt 285 Supermärkten der Kette getestet, die zur Düsseldorfer Metro-Gruppe gehört.

Der Hintergrund: Was bisher nur im Internet möglich ist, soll endlich auch in den lokalen Geschäften Einzug halten. Handelskonzerne wollen das Verhalten ihrer Kunden möglichst genau analysieren, um die Werbung immer mehr zu personalisieren. Dabei erfassten die Kameras auch, wie lange ein Kunde auf den Werbebildschirm schaut, so Real. So zeigen die Bildschirme dann unterschiedliche Werbespots: beispielsweise einen Spot mit Kosmetikprodukten bei Frauen oder mit Autowerbung bei Männern.

Das geteilte Metro-Reich
Die doppelte Metro
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Der Handelskonzern Metro spaltet sich in zwei Teile – einen Händler für Unterhaltungselektronik unter dem neuen Namen Ceconomy mit 22 Milliarden Euro Umsatz und den Bereich Großhandel und Lebensmittel mit einem Umsatz von 37 Milliarden Euro, der weiter unter dem Namen Metro auftritt. Beide neuen Unternehmen werden an der Börse notiert.

(Foto: dpa)
Koch bleibt an der Spitze
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Die neue Metro wird in ein separates Unternehmen abgespalten, geführt vom bisherigen Vorstandschef Olaf Koch. Er ist bereits seit Januar 2012 Metro-Chef, zuvor war er drei Jahre lang Finanzchef.

(Foto: AFP)
Anleger erhalten neue Aktien
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Für die neue Metro AG peilt der Konzern eine Börsenbewertung von etwa 7,5 Milliarden Euro an. Jeder bisherige Metro-Aktionär soll jeweils eine Aktie der neuen Metro und der Ceconomy AG erhalten. Die Aktien sind ab Oktober 2016 dividendenberechtigt. Beide neuen Aktiengesellschaften sollen die Kriterien für eine Notierung im MDax erfüllen.

(Foto: dpa)
Großhandel und Lebensmittel
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Das Ziel im Bereich Großhandel und Lebensmittel ist, bei einem geplanten Wachstum von drei Prozent die Gewinnmarge (Ebitda) stabil bei 4,9 Prozent zu halten – im Handel durchaus ein respektabler Wert. Das Unternehmen ist mit einem Umsatzanteil von 87 Prozent sehr stark auf Europa konzentriert. Problematisch ist auch das Geschäft in Russland und der Türkei, das zwar operativ gut läuft, aber stark unter dem Währungskurs leidet.

(Foto: dpa)
Fokus auf den Lieferdienst
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Im Großhandel, wo Metro europäischer Marktführer ist, setzt der Händler zunehmend auf den profitableren Lieferdienst und verkleinert die Märkte. Gerade erst hat das Unternehmen die Übernahme des französischen Unternehmens Pro à Pro abgeschlossen, das Lebensmittel an Kantinen und Restaurants liefert. In Asien hat sich Metro vor kurzem mit dem Kauf des Lieferdienstes Classic Fine Foods verstärkt.

(Foto: dpa)
Real-Märkte
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Die größte Baustelle der neuen Metro ist die Supermarktkette Real. Im vergangenen Jahr ging der Umsatz erneut flächenbereinigt um 1,1 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro zurück, immerhin konnte im Gegensatz zum Jahr zuvor ein kleiner Gewinn erzielt werden. Hoffnungen setzt das Unternehmen auf das neue Markthallen-Konzept, das erstmals in Krefeld gezeigt wird. Dort ergänzt ein großes Angebot an hochwertiger Gastronomie den Supermarkt.

(Foto: Picture Alliance)
Peter Haas führt Ceconomy
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Die bisherige Metro AG wird in Ceconomy umbenannt. In ihr bleibt unter der Leitung von CEO Pieter Haas im Wesentlichen das Geschäft der beiden Handelsketten Media Markt und Saturn mit mehr als 1000 Märkten in neun europäischen Ländern.

(Foto: dpa)

Real selbst wertet die Daten nicht aus. Das übernimmt das Unternehmen Echion, das auch für die letztlich geschaltete Werbung verantwortlich ist. „Es ist spannend, da man sich im stationären Einzelhandel das erste Mal in Richtung Google bewegt“, sagte Echion-Chef Michael Kimmich der „Lebensmittelzeitung“. Er zeigt sich zuversichtlich, dass Real schon bald alle Filialen mit der  neuen Technik ausstattet.

Einen expliziten Hinweis darauf, dass der Kunde derart beobachtet wird, gibt es in den jeweiligen Supermärkten aber nicht. Ein Real-Sprecher sagte: „Die Information für den Verbraucher erfolgt über die gut sichtbare Hinweisbeschilderung ‚Dieser Markt wird videoüberwacht‘“. Wie Real mitteilte, würden die Bilder außerdem nur für jeweils 150 Millisekunden gespeichert. Eine einzelne Person sei nicht identifizierbar.

Datenschützer sehen das anders. So argumentierte der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar gegenüber der „Lebensmittelzeitung“: „In dem Moment, in dem Bilder von Personen durch Kameras erhoben werden, ist das nicht mehr anonym.“ Vor allem stößt auf Kritik, dass der Kunde nicht explizit auf die Analyse hingewiesen wird.

Die Erkennung von Alter und Geschlecht sind nur der Anfang. Bereits jetzt ist es technisch möglich, auch die Mimik von Menschen zu analysieren und damit deren Gefühle. Ob noch andere Einzelhändler dieses System einsetzen, ist bislang nicht bekannt. Die Technik verspricht aber viele neue Möglichkeiten für zielgerichtete Werbung und könnte schon bald von anderen Unternehmen eingesetzt werden.

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