Recherchen von NDR-„Markt“ Giftiges Benzol in Erfrischungsgetränken

Erfrischungsgetränke namhafter Marken enthalten den giftigen Stoff Benzol. Das haben Recherchen des NDR-Wirtschaftsmagazins "Markt" ergeben. Benzol kann nachweislich Krebs auslösen. Verbraucherschützer sind alarmiert.
Update: 22.04.2013 - 10:27 Uhr 20 Kommentare
Die Untersuchung von "Markt" zeigt: Benzoesäure wird in Form von Natriumbenzoat noch in vielen Erfrischungsgetränken verwendet. Quelle: picture alliance

Die Untersuchung von "Markt" zeigt: Benzoesäure wird in Form von Natriumbenzoat noch in vielen Erfrischungsgetränken verwendet.

(Foto: picture alliance )

DüsseldorfAuf dem Etikett klingen die Getränke noch schön gesund: "Weißtee & Birne", "Grüntee & Traube" oder "Rooibostee & Pfirsich" von Gerolsteiner, Multivitaminsaft von Christinen Brunnen, "FUN ONE Zuckerfrei" oder "Fitness Cherry". Doch in all diesen Getränken hat das von "Markt" beauftragte Labor Benzol gefunden. Mit 2 bis 6,8 Mikrogramm pro Liter wurde der zulässige Grenzwert für Trinkwasser deutlich überschritten. Der liegt bei 1 Mikrogramm pro Liter, heißt es in einer Pressemitteilung des Fernsehsenders NDR.

Einen Grenzwert für Erfrischungsgetränke gibt es nicht, zur Orientierung gilt die Trinkwasserverordnung. Doch bei Benzol kann schon die kleinste Menge gefährlich sein. "Es erzeugt Krebs, es wirkt auf Keimzellen. Deshalb ist Benzol in Lebensmitteln ein unerwünschter Stoff", erklärt der Toxikologe Dr. Hans-Wolfgang Hoppe vom Medizinischen Labor Bremen. "Dass wir Werte weit oberhalb der Trinkwasserverordnung finden, überrascht und erschreckt mich."

Nach Recherchen von "Markt" kennen das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sowie das Verbraucherschutzministerium das Problem von Benzol in Erfrischungsgetränken. Bereits im Jahr 2005 warnte das BfR, dass Benzol entstehen könne, wenn Erfrischungsgetränke Benzoesäure enthalten, zum Beispiel Natriumbenzoat als Konservierungsstoff. Enthalte das Getränk zusätzlich Ascorbinsäure, also Vitamin C, könne sich dadurch Benzol bilden.

Das Verbraucherschutzministerium verlässt sich seitdem auf die Ankündigung des Verbandes der Erfrischungsgetränke (Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke e.V.), auf den Konservierungsstoff Benzoesäure weitgehend zu verzichten. Doch in dem Verband sind gar nicht alle Hersteller organisiert. Auf Anfrage von "Markt" schreibt das Verbraucherschutzministerium, dass die Hersteller ihre Rezepturen umgestellt hätten und auf den Zusatz von Benzoesäure verzichten würden. Ein gesetzliches Verbot gab es nicht. Die Untersuchung von "Markt" zeigt: Der Konservierungsstoff Benzoesäure wird in Form von Natriumbenzoat noch verwendet.

"Ich bin der Auffassung, dass man bei einem so brisanten Problem inzwischen doch mehr hätte leisten müssen, um jetzt den Verbraucher vor diesen Benzolgehalten in den Getränken schützen zu können", kritisiert der Kieler Toxikologe Dr. Hermann Kruse. Die Verbraucherschützerin Regina Aschman von der Verbraucherzentrale Bremen zeigt sich schockiert: "Was haben die Behörden gemacht seitdem? Gar nichts ist passiert. Aus Verbrauchersicht müsste so ein Konservierungsstoff - und darum handelt es sich ja bei Benzoesäure - verboten werden, wenn es dazu kommt, dass tatsächlich gefährliche Substanzen wie Benzol dabei entstehen können."

Konfrontiert mit den Ergebnissen, schreibt der Hersteller von "Fitness Cherry" an "Markt": "Für eine höchstmögliche mikrobiologische Sicherheit bei stillen Erfrischungsgetränken ist die Verwendung von Natriumbenzoat unumgänglich." Gerolsteiner Brunnen erklärt, dass eigene Analysen keine Auffälligkeiten bei der Benzolbildung ergeben hätten. Trotzdem prüft das Unternehmen jetzt, wie es künftig ganz auf Konservierungsstoffe verzichten könne. Der Hersteller von "FUN ONE zuckerfrei" äußert sich nicht. Edeka als Verkäufer bedankt sich für die Recherche von "Markt" und will seine Filialen informieren, die FUN ONE verkaufen.

Christinen Brunnen nimmt den Multivitaminsaft im Juni vorsorglich vom Markt. In einer Pressemitteilung erklärte das Unternehmen, dass die Bildung von Benzol in Kleinstmengen eine „natürliche Reaktion“ und in der nachweisbaren Konzentration „in keiner Weise gesundheitsgefährdend“ sei.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

20 Kommentare zu "Recherchen von NDR-„Markt“: Giftiges Benzol in Erfrischungsgetränken"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Diese Information nützt mir gar nichts ohne die Namen der Hersteller, in deren Produkten man fündig wurde.

  • Natürlich sind Phthalate nicht gesundheitsfördernd. Es geht aber um *durchpolymerisierte* Polyethylenphthalate, die chemisch inaktiv sind.
    Also nicht das Polymer mit niedermolekularen Phthalaten verwechseln, die als Weichmacher eingesetzt werden und als Xenohormone gelten.

  • phthalate haben auch eine toxikologische wirkung...

  • Die Flaschen bestehen aus reinem Polyethylenterephthalat. Keine Weichmacher.

  • Sind eigentlich Weichmacher auch in den Plastik-Getraenkeflaschen, die die Glasflaschen weitestgehend vom Markt verdraengt haben?

  • Zweierlei:
    1. Die Ergebnisse von Warentest sollten vollständig veröffentlicht werden und nicht nur Zusammenfassungen. Das verständige Publikum kann sich dann aus Messmethoden und Einzelwerten seinen Reim machen und beurteilen, ob da jemand was echtes gefunden hat oder bloß Aufmerksamkeit sucht.
    2. Alkoholismus in einem Artikel mit Gesundheitsthema Vorschub zu leisten ist IMHO voll daneben.

    Jetzt verstanden?

  • "Und was ist eigentlich aus Acrylamid, der Tod aus der Pfanne, geworden?"
    --------------------------
    Bei Brat- und Fritiertemperaturen ≤180°C kein schwerwiegendes Thema! Darüber ist von Übel, da steigt die Acrylamidbildung schlagartig an!

  • "Oder Aluminiumdosen: wenn da ein säurehaltiges Getränk drin ist, kann es mit dem Alu reagieren?"
    --------------------------
    Das Aluminium liegt nicht blank, sondern ist mit einem lebensmittelechten Klarlack beschichtet.
    Die Problematik ist übrigens schon lange bekannt:
    http://www.bfr.bund.de/cm/343/hinweise_auf_eine_moegliche_bildung_von_benzol_aus_benzoesaeure_in_lebensmitteln.pdf

  • Als CDU-Wähler bin ich zutiefst enttäuscht von einem Ministerium, welches seine eigentliche Aufgabe nicht erfüllt. Und leider stinkt der Fisch vom Kopf, und zwar ganz gewaltig.

    Die Ministerin scheint zu verkennen, dass der volkswirtschaftliche Schaden enorm ist, wenn nur einige Menschen hierdurch an Krebs erkranken. Der vermeintlich wirtschaftliche Vorteil für die Industrie, wird von ihr in den Vordegrund gestellt. Sie irrt hierin aber, da Menschen z.B. weiterhin auch gesunde Getränke zu sich nehmen würden und nicht alle plötzlich auf Wasser umstellen.

    Für unser Land ist dieses Ministerium und inbesondere diese Ministerin eine Schande. Wer Menschen an Krebs hat sterben sehen, der sieht Umwelt- und Verbraucherschutz von ganz anderer Seite.

    Warum reagiert das Ministerium nicht auf den mittlerweile sehr fundiert dargelegten Verdacht, dass Aluminium in Deos Brustkrebs auslöst.

    Sehr traurig für Deutschland - aber noch viel trauriger für alle Menschen, die aufgrund dieser Untätigkeit ihr Leben verlieren oder starke Schmerzen erleiden müssen.

  • Mit Aigner (Verbraucherschutz) und Bahr (Gesundheit) gibt es eine klare Garantie, dass
    nichts getan wird, um die Hersteller zu ärgern.
    Wann tritt die Öffentlichkeit endlich einen Shitsturm los, gegen diese Nullnummern mit lukrativen Beraterverträgen?

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%