Reckitt Benckiser Kondomhersteller will sich Babynahrung schnappen

Reckitt Benckiser, bekannt für Sagrotan und Durex-Kondome, will den US-Babynahrungshersteller Mead Johnson für knapp 17 Milliarden Dollar kaufen. Auch die deutsche Milliardärsfamilie Reimann mischt bei dem Deal mit.
Update: 02.02.2017 - 10:50 Uhr 1 Kommentar
Der britische Konsumgüterkonzern ist für Marken wie Sagrotan, Nurofen-Fiebersaft oder Durex-Kondome bekannt. Quelle: Bloomberg/Getty Images
Durex-Kondome

Der britische Konsumgüterkonzern ist für Marken wie Sagrotan, Nurofen-Fiebersaft oder Durex-Kondome bekannt.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

London/FrankfurtDer britische Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser will sich für rund 16,7 Milliarden Dollar einen amerikanischen Hersteller von Babynahrung einverleiben. Es gebe fortgeschrittene Verhandlungen mit dem US-Unternehmen Mead Johnson Nutrition, teilte Reckitt am Donnerstag mit.

Mit dem Deal würde der Hersteller von Produkten wie Sagrotan, Nurofen-Fiebersaft oder Durex-Kondomen nicht nur seine Präsenz in Asien stärken, sondern auch in ein völlig neues Geschäftsfeld für das Unternehmen vorstoßen. Bislang hat der Konzern noch keine Säuglingsnahrung im Angebot. Die Top-Marken sind vor allem Reinigungsmittel und freiverkäufliche Gesundheitsprodukte.

An der Börse kamen die Zukaufspläne gut an. Reckitt-Aktien stiegen um fünf Prozent und lagen damit an der Spitze des britischen Auswahlindex „Footsie“. An Reckitt Benckiser ist die deutsche Industriellenfamilie Reimann – eine der reichsten Familien in Deutschland – mit einem Minderheitsanteil beteiligt. Ihr Vermögen geht auf den Ludwigshafener Spezialchemiekonzern Benckiser und dessen Fusion 1999 mit der britischen Reckitt zurück.

Mead Johnson ist in den USA bekannt für seine Säuglingsnahrungsmarke Enfamil. Das Unternehmen, das den meisten Umsatz inzwischen in Asien macht, setzte 2016 gut 3,7 Milliarden Dollar um. Reckitt kam 2015 auf einen Umsatz von knapp 8,9 Milliarden Pfund.

Das gehört der Familie Reimann
Reckitt Benckiser
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Der britische Reinigungsmittelhersteller ist der wachstumsstärkste und profitabelste Konzern der Branche und die weltweite Nummer eins im Geschäft mit Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln. Die Familie Reimann ist wesentlich an Reckitt beteiligt. Kaum ein Industriellenclan ist verschwiegener. Kaum einer scheffelt derzeit mehr Geld mit seinem Reich, auch wenn man laut eigener Aussage die Hälfte der Dividenden spendet.

Calgon
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Ludwig Reimann gründete im 19. Jahrhundert zusammen mit Johann Adam Benckiser eine Chemiefabrik, die unter dem Namen Reckitt Benckiser zu einem der weltweit führenden Anbieter von Wasch- und Reinigungsmitteln geworden ist. Albert Reimann erfand unter anderem den Wasserenthärter Calgon.

Konkurrenten
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Das Unternehmen setzt vor allem den deutschen Konkurrenten Henkel unter Druck.

Clearasil
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Zu den bekanntesten Marken von Reckitt Benckiser gehört Clearasil, eine Hautpflegeserie gegen Pickel und Akne. Die Marke ist seit 2006 Teil des Reckitt Benckiser-Portfolios durch die Akquisition von Boots Healthcare.

Vanish
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Auch der Fleckentferner Vanish gehört zum Portfolio des Unternehmens. Das Produkt wird sowohl in Simbabwe und Sri Lanka, als auch in Deutschland und den USA verkauft.

Coty
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Coty ist der weltgrößte Dufthersteller und gehört zum größten Teil der Familie Reimann. Das Unternehmen vertreibt hauptsächlich Celebrity-Parfums und Designerdüfte wie Calvin Klein, Davidoff und Joop.

Labelux
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Die Holding Labelux konzentriert sich auf Luxusmarken. Seit 2007 Jahren kauft die Holding einen Luxusgüterkonzern zusammen. Der Schweizer Lederwarenhersteller Bally gehört neben der Schmuckmanufaktur Solange und dem italienischen Lederwarenhersteller Zagliani bereits dazu. Im Juli 2008 wurde das US-amerikanische Modemarke Derek Lam übernommen, im Mai 2011 der US-Schuhhersteller Jimmy Choo.

Reckitt will pro Mead-Johnson-Aktie 90 Dollar zahlen. Das entspricht einem Aufschlag von knapp 30 Prozent auf den Schlusskurs von Mittwoch. Mead-Johnson-Papiere kletterten daraufhin um 22 Prozent. Auch der französische Danone -Konzern und Nestle galten als potenzielle Käufer für das Unternehmen. Mead Johnson wurde 2009 vom US-Pharmakonzern Bristol-Myers Squibb abgespalten und gilt seitdem wegen seiner starken Präsenz in den stark wachsenden Märkten Asien und Lateinamerika als Übernahmeziel.

Mit den Zukaufsplänen von Reckitt wird bereits der zweite Mega-Deal in der Gesundheitsbranche in diesem Jahr bekannt. Erst vor einer Woche hatte der US-Pharma- und Konsumgüterriese Johnson & Johnson die Übernahme des Schweizer Biotechunternehmens Actelion für rund 30 Milliarden Dollar angekündigt. Es wäre die größte Transaktion in Europas Gesundheitsbranche seit 13 Jahren.

  • rtr
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1 Kommentar zu "Reckitt Benckiser: Kondomhersteller will sich Babynahrung schnappen"

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  • Besichtigung einer Kondom-Fabrik.
    Ein Besucher stellt fest, dass am Fließband etwa jedes 500. Kondom vor der Verpackung automatisch mit einer Nadel angeritzt wird.
    "Wie das?" fragt er.
    Der Werksleiter:
    "Damit sichern wir unsere zweite Produktionslinie ab: Babywindeln."

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