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Reederei Hartes Sparprogramm für Hapag-Lloyd – die Aktionäre werden verschont

Mit der „Strategy 2023“ will Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen die milliardenschweren Schulden abbauen. Der Plan sieht jährliche Einsparungen von bis zu 400 Millionen Dollar vor.
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Der Vorstandsvorsitzende der Hapag-Lloyd will mit eisernem Sparwillen den Reederei-Konzern von seiner Schuldenlast befreien. Quelle: dpa
Rolf Habben Jansen

Der Vorstandsvorsitzende der Hapag-Lloyd will mit eisernem Sparwillen den Reederei-Konzern von seiner Schuldenlast befreien.

(Foto: dpa)

Hamburg Arbeitsplatzumbau, gebündelter Einkauf mit den zugekauften Reedereien, mehr Vertrieb über das Internet – Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen bringt Licht in seinen ambitionierten Sparplan, mit dem er Deutschlands größte Reederei von der drückenden Schuldenlast befreien will.

„Nach den abgeschlossenen Übernahmen von CSAV und UASC werden wir uns nun unsere Unternehmensstruktur und Kosten noch einmal genau anschauen“, sagte der gebürtige Niederländer. Weitere 350 bis 400 Millionen US-Dollar jährlich sollen dadurch bis 2023 gespart werden.

Der Sparkurs der Hamburger Containerreederei ist bitter nötig. Insbesondere durch die Übernahme des hoch verschuldeten arabischen Wettbewerbers UASC, die Hapag-Lloyd im April 2017 besiegelte, haben sich die Außenstände dramatisch erhöht. Ende September 2018 türmte sich die Nettoverschuldung auf 6,5 Milliarden US-Dollar. Von den 301 Millionen Euro Betriebsgewinn (Ebit), die in den ersten drei Quartalen zusammenkamen, flossen dadurch 260 Millionen Euro für Zinszahlungen gleich wieder ab.

„Die Rückzahlung der Schulden hat für uns deshalb vorderste Priorität“, erklärt der Reedereichef. Damit dies gelingt, müsse Hapag-Lloyd für einen hohen Cashflow sorgen, für den Habben Jansen gleich ein ganzes Bündel von Maßnahmen entworfen hat.

Unterm Strich werde es zwar keinen Personalabbau geben, erklärte er dazu jetzt in Hamburg, an einigen Standorten und Konzernbereichen werde sich die Jobzahl aber verringern. So strich Hapag-Lloyd schon in den vergangenen Wochen Fahrtstrecken etwa von China in den Nahen Osten oder von Indien ins Mittelmeer, weil sich dort kein Geld mehr verdienen ließ.

Andererseits bauen die Hamburger ihren Vertrieb über das Internet aus. 15 Prozent der Container, hofft der Konzernchef für das Jahr 2023, sollen dann per Online-Auftrag auf die Reise gehen. Heute sind es mit 15.000 pro Woche nur halb so viele.

Mit anderen Investitionen aber hält sich Hapag-Lloyd zurück. Neue Schiffe soll es vorerst nicht geben, da UASC 17 moderne Mega-Containerschiffe in die Firmenehe brachte. Auch von Zukäufen in der Speditions- und Lagereisparte, wie sie der französische Reederei-Rivale CMA CGM derzeit mit der Übernahme von Ceva Logistics vorexerziert, wollen die Hamburger nichts wissen.

Allein die Aktionäre, zu denen neben der Hansestadt Hamburg und dem Schweizer Milliardär Klaus-Michael Kühne auch die Vorbesitzer der übernommenen Reedereien CSAV und UASC zählen, werden vom eisernen Sparwillen verschont. „Wenn wir 2018 einen Reingewinn geschafft haben sollten“, verspricht Habben Jansen, „sollten wir auch eine Dividende zahlen.“

Die vorläufigen Zahlen für das komplette Geschäftsjahr 2018 wird die Reederei zwar erst am 25. Februar vorlegen. In den ersten neun Monaten aber blieben unterm Strich neun Millionen Euro übrig, was Hoffnungen für das Gesamtjahr weckt.

Gleichzeitig wurde schon im Herbst deutlich, dass der Seefahrtkonzern mit seinen 222 Schiffen im vergangenen Jahr nur wenig Rückenwind vom Markt erhielt. Für den Transport eines Standardcontainers (TEU) kassierte Hapag-Lloyd in den ersten neun Monaten 2018 im Schnitt nur 1.032 US-Dollar und damit 3,4 Prozent weniger als im Vorjahr, gleichzeitig ging es mit den Treibstoffpreisen nach oben.

Immerhin verbesserte die Übernahme der arabischen Containerreederei UASC den operativen Ertrag, weil Hapag-Lloyd die Transportmenge damit um gut ein Viertel auf 8,9 Millionen TEU ausweitete und Synergien hob. Vor Zinsen und Steuern (Ebit) verdiente die Hamburger Reederei bis Ende September 32 Millionen Euro mehr als im Vorjahreszeitraum. Durch die überbordenden Zinszahlungen blieb davon unter dem Strich aber nur noch ein Gewinnplus von mageren drei Millionen Euro übrig.

Doch Konzernchef Habben Jansen verspricht Besserung. Vor zehn Wochen präsentierte er als neue Zielmarke seine „Strategy 2023“. Spätestens in vier Jahren, fordert der Niederländer, soll Hapag-Lloyd eine Rendite auf das investierte Kapital (ROIC) erzielen, mit der die Reederei ihre gewichteten Kapitalkosten übertrifft. Aktuell liegt die Marge, die Investoren bei ähnlich spekulativen Engagements verlangen, laut Hapag-Lloyd bei acht Prozent – und damit weit über der eigenen Eigenkapitalrendite von zuletzt 3,2 Prozent.

Um sich dem Ziel zu nähern, strebt Habben Jansen eine Umsatzmarge von zwölf Prozent an – bezogen auf den Ertrag vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Mit 9,7 Prozent lag er zuletzt allerdings sogar 0,2 Prozentpunkte unter Vorjahr.

Auch die Nettoverschuldung soll künftig nicht mehr höher sein als das Dreifache des Betriebsgewinns (Ebitda), während sie derzeit fast auf den Faktor fünf kommt. Beim Eigenkapital peilt der Vorstandschef eine Quote von 45 Prozent an, so dass es vier Prozentpunkte aufzuholen gilt. Die liquiden Mittel sollen sich auf 1,1 Milliarden US-Dollar nahezu verdoppeln.

Nach dem drastischen Kursrückgang, seit September verlor die Aktie mehr als ein Drittel ihres Werts, fassen Analysten seit Anfang Februar wieder leichtes Vertrauen in die weltweit fünfgrößte Containerreederei. Die britische Investmentbank HSBC stufte Hapag-Lloyd vor einigen Tagen hoch von „Reduce“ auf „Hold“, senkte allerdings das bisherige Kursziel von 28 auf 24 Euro. Die Ölpreis-Risiken hätten sich abgemildert, während sich die Frachtraten stabilisierten, schrieb Analyst Parash Jain. Allerdings bleibe er wegen der internationalen Handelsstreitigkeiten und dem weltweiten zyklischen Abschwung vorsichtig.

Auch die Privatbank Berenberg stufte Hapag-Lloyd hoch von „Hold“ auf „Buy“, wobei sie das Kursziel von 34 auf 31 Euro senkte. Der Abschlag der Hapag-Lloyd-Aktien im Vergleich zur Containerbranche sei erheblich, schrieb Analyst Joel Spungin, das Risiko-Rendite-Verhältnis der Papiere deshalb wieder attraktiv.

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