Regionalflughafen-Chefs „Wir können uns schlecht nach China verlagern“

Heute trifft sich die Flughafen-Branche bei den Deutschen Luftfahrttagen. Kassel-Calden-Chefin Muller und Frankfurt-Hahn-Chef Bunk erklären, warum sie sich mehr Anerkennung wünschen – und zu Ryanair nie nie sagen.
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Kassel-Calden-Chefin Maria Anna Muller und Frankfurt-Hahn-Chef Markus Bunk: „Kritik ist schnell geäußert, man muss aber auch mal schauen, wo wir herkommen.“ Quelle: Bert Bostelmann für Handelsblatt

Kassel-Calden-Chefin Maria Anna Muller und Frankfurt-Hahn-Chef Markus Bunk: „Kritik ist schnell geäußert, man muss aber auch mal schauen, wo wir herkommen.“

(Foto: Bert Bostelmann für Handelsblatt)

Maria Anna Muller und Markus Bunk sind erfahrene Flughafen-Manager. Die Kassel-Calden-Chefin erlebte ein turbulentes Eröffnungsjahr und musste bei Deutschlands jüngstem Regionalflughafen viel Kritik einstecken. Bunk wechselte im Oktober aus Dortmund zum Flughafen Frankfurt-Hahn, Ende des Jahres stimmte das Land Rheinland-Pfalz einem Sanierungskonzept für den angeschlagenen Hunsrück-Airport zu. Muller kennt sich dort bestens aus, bis 2007 war sie verantwortlich für den Vertrieb.

Handelsblatt Online: Frau Muller, es war gar nicht so einfach, einen Gesprächstermin mit Ihnen zu bekommen. Für die Geschäftsführerin eines Flughafens im „Winterschlaf“ ist bei Ihnen ganz schön viel los.

Maria Anna Muller: Wir sind nicht im Winterschlaf! Kassel-Calden ist voll in Betrieb und es fliegen jeden Tag Maschinen. Außerdem bauen wir den Flughafen weiter aus, denn wir sind ja noch lange nicht fertig, sondern erst am 4. April in Betrieb gegangen. Wir hatten bisher keinen Tag Langeweile.

Und dennoch wird Ihr Flughafen oft nicht ernst genommen.

Muller: Die Leute vermissen große Flugzeuge. Nach der Eröffnung wurde erwartet, dass wie in Frankfurt auf der Nordbahn alle drei Minuten ein großer Flieger ankommt. Das ist natürlich Wahnsinn, wir bauen gerade erst einen Flughafen auf.

Den Flughafen Frankfurt-Hahn dagegen gibt es schon seit 20 Jahren. Unter den Billigflughäfen gehören Sie zu den Pionieren. Im Dezember mussten Sie ein Sanierungskonzept ausarbeiten – haben Sie jetzt endlich Zeit zum durchatmen, Herr Bunk?

Markus Bunk: Das Sanierungskonzept hat der Aufsichtsrat in seiner Sitzung im Dezember beschlossen und uns mit der Umsetzung beauftragt. Zeit zum Durchatmen ist keine. Wir stecken mitten in der Umsetzung und es gibt immer etwas zu tun – vor allem für mich, da ich erst ein paar Tage im Job bin.

80 Stellen wollen Sie bis 2018 abbauen. Schrumpf Ihr Flughafen unter dem Sparkurs?

Bunk: Uns geht es darum, das Ergebnis zu verbessern. Viele Kollegen werden jetzt leider zu spüren bekommen, dass sie von dem erarbeiteten Konzept betroffen sind. Die Umsetzung wird anstrengend. Darüber nur zu sprechen ist etwas anderes als es dann auch zu tun.

Vor allem dürfte dieses Jahr nicht einfacher werden. Die Diskussion über das nationale Luftfahrtkonzept ist in vollem Gange. Zum Jahresanfang wurden Sie von Seiten der Politik scharf attackiert. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte beispielsweise: „Damit könnte die unkoordinierte und ruinöse Flughafenplanung in den Ländern endlich der Vergangenheit angehören. Insbesondere die kostspieligen Regionalflughäfen könnten neu sortiert werden.“ Wie kommt das bei Ihnen an?

Muller: Kritik ist schnell geäußert, man muss aber auch mal schauen, wo wir herkommen. Regionalflughäfen gibt es schon immer. Diese haben immer schon einen mehr oder weniger bescheidenen Verkehr abgewickelt –wie das für die jeweilige Region notwendig war. Diese Flughäfen waren noch nie die „Cashcows“ der Nation. Das hat sich gedreht, seitdem London-Heathrow privatisiert wurde. Danach galt Flughafen gleich „money making“, „Cashmashine“, „successfull“ und „sexy“ – und immer mehr deutsche Flughäfen sagten: „Wir verdienen auch Geld, wir gehören auch dazu“.

„Wir sind kein Dax-Unternehmen, wir sind Infrastruktur“
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  • Infrastruktur ist wichtig, aber nur wenn sie genutzt wird. Sehen Sie doch mal den Flugplan von Kassel Calden an, ein einziger Witz. Da wäre das Geld in andere Infrastrukturmaßnahmen viel sinnvoller investiert. Und nenne Sie doch bitte einen einzigen Betrieb außer dem Flughafenrestaurant, der dort wegen des Flughafens entsanden ist.

  • Die Ausflüchte von Frau Muller sind unerträglich zu lesen. Wo sind denn Flüge nach Mallorca und Antalya für Geschäftsreisende wichtige Verbindungen? Und Ergebnisse nach Dekaden vorzeigen zu wollen, zeigt doch die Unbeholfenheit dieses Projektes und seiner Mentoren. Für derartige Verschwendung von Steuergeldern sollten die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Leider sind die Grünen immer nur groß in Forderungen, wenn sie in der Opposition sind. Hier hätten sie die Gelegenheit, Frau Muller mit dem Bade auszuschütten.

  • Das sollten Sätze der Erkenntnis sein:
    Zitat-Muller: "...Und mittlerweile verdienen in Deutschland ja auch nur noch zwei, drei Flughäfen Geld. Der Hype ist vorbei."
    Gibt es zuviele Regio-Airport's, oder sind es nur die Standorte bzw beides???
    Also, die Subventionen aus Steuergeldern können eingespart und oder sinnvoll eingesetzt werden!!! Ob Zweibrücken/Saarbrücken, Kassel-Calden/Paderborn-Erwitte und andere Regionalflughäfen liegen zu eng zusammen. Das sind alles nur Prestige-Projekte der B-länder untereinander, anstatt miteinander sich gegenseitig zu helfen. Bsp.: Kassel hat einen bedeutenden ICE Bahnhof, aber Paderborn nicht!!! Hier hätte man nur Gemeinsamkeiten finden können bzw. sollen. Was hätte das an öffentlichen Geldern gekostet??? WENIGER als Airport Kassel bis jetzt und in Zukunft bestimmt!!! Dieses Geld fehlt in der komunalen Restaurierung der Straßen, usw...

  • Fakten werden durch Frau Muller auf den Kopf gestellt!
    Diese Frau Muller ist schon in der lokalen Presse als Manipulatorin (um es gelinde auszudrücken) aufgefallen.
    Die 271 Mio. € Monsterinvestion für den Geisterflughafen Kassel und die ca. 10 Mio. € jährlichen öffentlichen Betriebszuschüsse stehen in keinem Verhältnis zu dem auch fraglichen Nutzen:

    - Es gibt nicht nicht einzige neue für die Wirtschaft relevante neue Flugverbindung. Klar, bei der Nähe zu Frankfurt/Main und dem hervorragenden, vielleicht besten Anschluss an das deutsche ICE-Netz! Alle anderen Flüge konnte die Wirtschaft auch am alten Platz durchführen, den man vielleicht ertüchtigen hätte sollen - für weit viel weniger Geld!

    - Es ist auch eine infame Manipulation von ihr für das ein halbes Jahr komplett leere Terminal (sonst im ganzen Jahr 2013 nur 25.000 Gäste; die anderen Privatflieger zählen da nicht zu) mit dem in 60 km Luftlinie funktioniernden Flughafen Paderborn mit ca. 800.000 Gästen gleichzusetzen! Ausserdem sprach Kassel noch im April 2013 von 100.000 zusätzlichen (!) Gästen - es wurden nur ein Viertel davon. Das ist ein drastische Fehlplanung - wie auch der ganze Flughafen Kassel auf alle Zeit ab jetzt!

    - Die in einer Auftragsstudie vorgegaukelten volkswirtschaftlichen Steuereffekte sind lediglich Verschiebungseffekte, wenn überhaupt. Defacto hat sich auch noch kein Unternehmen neu in Kassel angesiedelt. In Kassel sind alle sehr verärgert über diese Ammenmärchen, die diese Frau in die Welt setzt.

    Kassel-Calden ist in Deutschland ein "aeropuorto non grata" - Frau Muller, man kann es nicht anders sagen, ist inzwischen wg. ihrer dort bekannten vielen Fehlleistungen und ihrer gezielt irreführenden Kommunikation eine "persona non grata"!
    Es wäre zu wünschen, dass die Presse diesen Manipulationen nicht auf den Leim geht und weiter hart nachfragt - es geht um viel Geld und es gehört den Steuerzahlern!

  • "Für ihre Transplantationsflüge braucht man nicht zwingend einen Flughafen- ein Helikopter kann überall landen."

    Alleine diese unsachliche und unzutreffende Behauptung disqualifiziert Sie, hierzu irgendwelche Aussagen zu treffen!

  • Tut es Ihnen eigentlich überhaupt nicht mehr weh im Kopf wenn Sie solchen Quatsch schreiben? 2 Regionalflughäfen in 80 km Abstand, beide hoch defizitär, bei weitem nicht ausgelastet und eine vernünftige Entwicklung nicht in Sicht. Das sind nicht Projekte der Infrastrukturt, das sind potemkische Dörfer und die können wir uns einfach nicht mehr leisten.

  • Flugplätze sind tatsächlich Einrichtungen der Infrastruktur. Es ist interessant, dabei einen Seitenblick auf die USA zu werfen, wo etwa 80 % des Weltluftverkehrs abgewickelt werden. Ein direkter Vergleich ist nicht zulässig, dafür sind die Verhältnisse zu unterschiedlich (die größeren Entfernungen, kein nennenswerter Personenverkehr mit der Bahn in den USA), aber immerhin.

    Einen Regionalflughafen zu unterhalten ist dort eine lokale Entscheidung, meist des county (Landkreis), die Realisierung einfach. Für den Betrieb ist typisch die lokale IHK zuständig, dort sind auch die hauptsächlichen Nutzer vertreten und dort muß man auch für die erforderlichen Mittel sorgen. Gewinnerzielung ist von vornherein nicht beabsichtigt, lediglich Kostenminimierung. Logo.

    Die Betriebseinrichtungen sind wesentlich bescheidener, die Abwicklung ist ganz wesentlich einfacher, sogar nonchalenter, ohne die Sicherheit zu beeinträchtigen. Der Personalaufwand ist geringer, behördliche Auflagen selbst nach 9/11 flexibel.

    In D haben die meisten großen Flughäfen längst ihren öffentlichen Auftrag als Infrastruktureinrichtung vergessen und mit Unterstützung der Fachbehörden(!) den Bedarfsverkehr mit privaten Flugzeugen weggeekelt (die brauchen daher die Regionalflugplätze umso dringender!). In den USA kann man in ohne Formalitäten auf den weltweit höchstfrequentierten Plätzen mit seinem Privatflugzeug landen, ein Anruf per Funk genügt, und man wird nicht arm dabei.

    Man merke: als erster geht der Unternehmer, dann der Betrieb und verlorene Arbeitsplätze kommen heutzutage nicht so schnell wieder. Außerdem profitieren von einem Flugplatz weit mehr Leute, als dort direkt beschäftigt sind. Der Multiplikatoreffekt ist außerordentlich hoch. In den USA haben die Kommunen diese Zahlen aus statistischen Erhebungen stets sofort zur Hand, um die Zweifler zu überzeugen.

  • @RidiKuel

    Erläutern sie doch bitte einmal, was sie noch alles mit Steuermitteln finanzieren wollen. Wir haben kaum für die notwendigsten Erfordernisse genügend Mittel. Von Geldern für Bildung (die wahrlich dringend verbessert werden muss) mal ganz abgesehen reicht es nicht einmal für die Instandhaltung der bestehenden Infrastrukturen. Flugverbindungen sind sinnvoll um in relativ kurzer Zeit relativ große Entfernungen zu überbrücken- ansonsten sind andere Verkehrsverbindungen sinnvoller UND SCHNELLER!
    Für ihre Transplantationsflüge braucht man nicht zwingend einen Flughafen- ein Helikopter kann überall landen.
    Wissen sie eigentlich was die Unterhaltung eines solchen Terminals wie Kassel-Calden kostet? Reinigung; Wartung; Personal; Sicherheitseinrichtungen etc etc.
    Und das wollen sie jeder Stadt über 100 Einwohner zubilligen? (Ansonsten macht ihr Argument mit den Transplantationsflügen ja gar keinen Sinn mehr, da anzunehmen ist, das nicht alle Transplantate in Kasseler Kliniken geflogen werden.

  • Die Bundesstraße vor der Haustür, der Fußweg davor und die Schule, in die offensichtlich einige der irgendwie zurückgebliebenen Kommentatoren nicht gegangen sind, finanzieren sich doch auch nur über Steuereinnahmen. Warum soll das bei anderen Infrastruktureinrichtungen - wie es gerade die kleineren Regionalplätze nun mal sind - nur hier in der Republik im Gegensatz zu anderen Ländern anders sein?

    Der Bedarf richtet sich nicht an den - in der Tat wirklich total überflüssigen - Touristenbombern aus, sondern an dem, was die Wirtschaft benötigt, überlebensfähig macht.

    Und by the way, fragen Sie doch mal nach, wie viel sog. Ambulanz- und Transplantationsflüge auf den „kleinen“ Plätzen wie Freiburg/Brsg. oder Kiel, um nur zwei zu nennen, stattfinden.

    Aber in einem Land, in dem Harz4 offensichtlich das Leben bestimmt, in dem mehr als die Hälfte des Haushalts in „Soziales“ fliesst, welches kontinuierlich mit getürkten Berechnungen und Statistiken die Bevölkerung arm rechnet, kann man nicht anderes erwarten…

    und grüne Politikclowns kann man wirklich nicht mehr für voll nehmen!

  • Und was eigentlich, wenn der operative Gewinn einer Airline nichtzuletzt aus Mitteln des deutschen Steuerzahlern zustande kommen sollte?

    Und nie nie sagen: sukzessive aus der Reibungswärme beim ÜberdenTischgezogenwerden eine solide Geschäftsbeziehung zusammenzuphantasieren: das läßt eher Kuschelambitionen zutage treten als kaufmännisch gesundes wie kaufmännisch fundiertes Handeln.

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