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Regionalverkaufsleiter beim Discounter 66.000 Euro Einstiegsgehalt: So läuft mein Job bei Aldi

Audi A4 als Firmenwagen und sattes Gehalt: Als Trainee bei Aldi startest du rasant ins Berufsleben. Lea hat einen Regionalverkaufsleiter in seinem Arbeitsalltag begleitet.
  • Lea Nischelwitzer
05.06.2019 - 15:53 Uhr Kommentieren
Lucas Kohler: Filialleiter bei Aldi
Lucas im Büro einer Aldi-Filiale

Wie ist der Vortag gelaufen? Was blieb übrig?

Dieser Artikel ist am 05. Juni 2019 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

Gerade als Lucas Kohler die Filialleiterin für die gute Übersicht der Waren im Regal lobt, klingelt sein Handy. Schnell nimmt er ab: Ein Mitarbeiter einer anderen Aldi-Filiale ist beim Verladen gegen eine Scheibe gestoßen, die dadurch einen großen Riss bekommen hat. Lucas zögert keine Sekunde: Sofort eine neue Scheibe bestellen und austauschen lassen.

Aldi-Trainee zum Regionalverkaufsleiter: Gehalt und Erfahrungen

Zu diesem Zeitpunkt ist es noch früh am Morgen. Lucas arbeitet als Regionalverkaufsleiter bei Aldi Süd. Vor drei Jahren hat er bei dem Discounter das Traineeprogramm durchlaufen. Heute ist der 30-Jährige für fünf Filialen verantwortlich und führt 115 Mitarbeiter.

Traineeprogramme gelten als große Karrierechance für junge Menschen. Supermarktketten wie Rewe, Lidl oder Aldi locken mit hohen Einstiegsgehältern, Firmenwagen, Diensthandy und Verantwortung. Wie sieht der Arbeitsalltag in dem Job aus? Lohnen sich das hohe Gehalt und die Extras? Das will ich herausfinden – und begleite Lucas einen Tag lang bei der Arbeit.

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    Regionalverkaufsleiter bei Aldi: Arbeitsbeginn um 07.45 Uhr

    Um 7.45 Uhr betritt Lucas die erste Filiale. In Anzug, weißem Hemd und mit einem Lächeln im Gesicht läuft er an den Kassen vorbei zu einer schwarzen Tür, schließt sie auf und betritt ein kleines Büro, in dem drei Computer stehen. Wie jeden Morgen checkt er zuerst die Kennzahlen und schaut, wie der Vortag gelaufen ist. Dabei achtet er besonders auf Umsatz und Gewinn und wie viel von welcher Ware übriggeblieben ist. Mittlerweile ist das Routine.

    Vor dreieinhalb Jahren war alles noch weit weg. Nach seinem Master in Wirtschaftswissenschaften bewarb sich Lucas Anfang 2016 für eine Stelle zum Regionalverkaufsleiter bei Aldi Süd. Sein erstes Gespräch hatte er direkt bei einem der obersten Chefs. Es folgte eine zweistündige Potential-Analyse, bei der Lucas Fragen zu seinen Charaktereigenschaften beantworten musste.

    Schon eine Woche später fuhr er zum Schnuppertag bei Aldi. Er begleitete einen erfahrenen Regionalverkaufsleiter einen Tag lang bei der Arbeit. Nach einem zweiten Gespräch fragte ihn der Geschäftsführer: „Und sollen wir’s machen?“ Lucas schlug in den Handschlag ein und war eingestellt.

    Trainee bei Aldi: Einstiegsgehalt 66.000 Euro

    Es folgte ein neunmonatiges Traineeprogramm. Einstiegsgehalt: 66.000 Euro. In dieser Zeit lernten ihn erfahrene Regionalverkaufsleiter in verschiedenen Regionen ein, dazwischen begleitete er für mehrere Wochen immer wieder unterschiedliche Filialleiter bei ihrer Arbeit. Aldi Süd ist in insgesamt 30 so genannte Regionalgesellschaften gegliedert. Jede davon umfasst etwa 60 bis 80 Filialen.

    Anfang 2017 erhielt Lucas seine erste Filiale. Heute sind es fünf. Lucas arbeitet nach eigener Aussage etwa 45 bis 50 Stunden in der Woche. Das Gehalt ist in einem Stufenmodell aufgebaut: Im vierten Jahr verdient man um die 100.000 Euro im Jahr. Dazu bekommt man von Anfang an einen Audi A4 als Dienstwagen, mit dem man innerhalb Deutschlands kostenlos tanken kann, sowie ein Diensthandy, das Lucas auch privat nutzen darf.

    Arbeiten bei Aldi Süd: Rundgang mit der Filialleiterin um kurz nach 08.00 Uhr

    Um kurz nach acht Uhr spricht sich Lucas mit der Filialleiterin ab. Sie hat gerade Zeit und so laufen sie zusammen die Gänge der Filiale ab. Lucas lobt sie für den schönen Eingangsbereich. „Dieses Regal ist ordentlich aufgefüllt und ansprechend angeordnet, das habt ihr gut umgesetzt.“ Sein Kommentar bei den Kühltruhen: „Natürlich ist es gut, dass die Truhen so weit aufgefüllt sind. Dabei muss man allerdings unbedingt den Strich an der hinteren Wand berücksichtigen. Höher sollte die Ware nicht gestapelt sein.“

    Zusammen denken sie über weitere Lösungen nach. Dabei muss Lucas immer auch die jeweilige Lage vor Ort im Kopf haben. Während bei einer anderen Filiale die Ware schon nachts geliefert wird, muss die Leiterin dieser Filiale immer noch bis zum Mittag warten. Die angrenzende Wohngegend schließt Lieferungen mit lauten Lastwagen in der Nacht aus.

    Verkausberatung mit der Filialleiterin
    Lucas im Austausch mit der Filialleiterin

    Wann greifen mehr Kunden spontan zu?

    Im Büro gehen die beiden noch die Kennzahlen der vergangenen Tage durch und sprechen über einen Versuch: In den vergangenen zwei Wochen lagen Pinienkerne und Salatcroutons direkt neben den verschiedenen Salatsorten aus. Greifen dadurch mehr Käufer spontan zu und kaufen zum Salat auch noch Kerne und Croutons? Oder ist es doch besser, bei der bisherigen Ordnung zu bleiben?

    Bei Lucas sieht alles so aus, als gehe er respektvoll mit seinen Mitarbeitern um. Das soll bei Aldi aber nicht immer so sein. Auf Bewertungsportalen wie Kununu findet man Erfahrungsberichte, laut denen ein „enormer Druck ausgeübt“ werde. Und nicht nur das: Ein ehemaliger Mitarbeiter schreibt zum Beispiel:

    “Schon in der Einarbeitung wurde man wegen eines Bartes, welcher mehr als gepflegt war, bis ins unendliche diskriminiert, obwohl der dortige Filialleiter selbst einen trägt. Es wurde auch zum Teil mit der Kündigung gedroht.

    Eine Pressesprecherin von Aldi Süd teilt dazu schriftlich mit:

    “Grundsätzlich nehmen wir bei Aldi Süd Feedback und Kritik sehr ernst und ermutigen unsere Mitarbeiter sich bei sich bei Problemen an den Vorgesetzten oder unseren Vertrauensanwalt zu wenden.

    Regionalverkaufsleiter bei Aldi: Vorstellungsgespräch um 9.15 Uhr

    Für Lucas geht es an diesem Tag mit einem Vorstellungsgespräch weiter. Nachwuchs für Aldi zu finden, zählt ebenfalls zu seinem Arbeitsalltag. Dabei muss er als Regionalleiter in der Lage sein, die Perspektiven aller Mitarbeiter mitzudenken: Was ist dem Kassierer wichtig? Wie denkt der Lagerist darüber? Und ist es für die Filialleiterin möglich, das umzusetzen?

    Nach dem Vorstellungsgespräch kümmert sich Lucas um eine Aktion, die er neben seinen Filialen betreut. Er organisiert für seine Regionalgesellschaft ein Fußballturnier mit 175 Teilnehmern. Damit dort alles glatt läuft, fragt er beim Roten Kreuz um Unterstützung an und organisiert ausreichend Schiedsrichter für die Spiele.

    Regionalverkaufsleiter bei Aldi: Mittagspause um 12.15 Uhr

    Zum Mittagessen trifft sich Lucas mit einem Regionalverkaufsleiter-Kollegen, der den Nachbarbereich betreut. Die Zusammenarbeit zahlt sich nicht nur beruflich aus, sondern auch privat. Vor einem Jahr besuchten sie gemeinsam den Cannstatter Wasen, Anfang dieses Jahres ging’s zum Skifahren. Und einmal im Monat treffen sich alle zum Stammtisch.

    Regionalverkaufsleiter bei Aldi: im Dienstwagen zur nächsten Filiale um 13.35 Uhr

    Nach dem Mittagessen geht es zur zweiten Filiale für heute. Zuerst begrüßt Lucas alle Mitarbeiter, die gerade im Markt arbeiten, dann gibt er dem Filialleiter Feedback zu seinem Laden und bespricht auch mit ihm die Kennzahlen.

    Im Vergleich zu manchen Einträgen bei Kununu sieht das an diesem Tag alles sehr harmonisch aus. Dort heißt es in einem Erfahrungsbericht:

    “Die Verkaufsleiter verbreiten Angst und Schrecken. Regionalverkaufsleiter werden angehalten, Filialleiter und Mitarbeiter zu schikanieren. In der FOG (Führungs- und Organisationsgrundsätze) ist alles festgehalten, wie man sich Mitarbeitern gegenüber zu verhalten hat – somit ist jeder Mitarbeiter eine kleine Leuchte, die schnell ausgetauscht werden kann, da alle Abläufe standardisiert sind.

    Die Pressesprecherin von Aldi Süd erklärt dazu:

    “Eine wertschätzende Kommunikation auf Augenhöhe gehört zu unserer Unternehmenskultur und somit ist eine positive Zusammenarbeit für uns sehr wichtig. Trotzdem kann es zu Missverständnissen zwischen Mitarbeiter und Führungskraft kommen und dieser Unmut wird dann auf Kanälen wie Kununu entsprechend zum Ausdruck gebracht. Arbeitgeberbewertungen sind subjektiv und werden häufiger bei negativen Erfahrungen nach außen getragen als bei positiven Erfahrungen.

    Lucas hat sich bewusst einen Job gesucht, in dem er Personal führt und damit Verantwortung bekommt. Druck von seiner Chefin spüre er dabei nicht mehr als in anderen Unternehmen, in denen er zuvor schon Praktika gemacht habe. Er schätze viel mehr die Entscheidungsfreiheit, die ihm der Job bei Aldi biete.

    „Meine Chefin treffe ich in regelmäßigen Abständen in meiner Filiale oder in der Zentrale. Ansonsten bin ich in meinem Bereich sehr selbstständig. Damit man mit dieser Verantwortung gut umgehen kann, muss man allerdings auch der Typ dafür sein“, sagt Lucas.

    Es müsse einem bewusst sein, dass Personalverantwortung eine sehr umfangreiche Aufgabe darstelle. Man stehe in ständigem Austausch mit seinen Mitarbeitern. „Man führt, entwickelt und motiviert sie. Dadurch hat man eine Vorbildfunktion für seine Mitarbeiter und man sollte versuchen, dieser gerecht zu werden.“

    Regionalverkaufsleiter bei Aldi: Büroarbeit um 15.04 Uhr

    Nachmittags macht Lucas Büroarbeit: Einem Auszubildenden, der im September seine Ausbildung beginnt, erklärt er die notwendigen Unterlagen für seinen Ausbildungsstart und lässt ihn den Vertrag unterschreiben. Anschließend fährt er zur dritten und letzten Filiale für diesen Tag.

    Dort steht demnächst ein größerer Umbau an. Da dafür ein wichtiges Bauteil der Kühlung ausgetauscht wird, können die Kühltruhen nicht genutzt werden. Mit dem Filialleiter bespricht Lucas das Problem. Anschließend plant er mit der Transportabteilung diesen besonderen Tag, damit die negativen Auswirkungen für die Kunden so gering wie möglich gehalten werden.

    Regionalverkaufsleiter bei Aldi: Feierabend um 18.38 Uhr

    Lucas bearbeitet die letzten Rechnungen des Tages. Um kurz nach halb sieben macht er Feierabend und geht mit Freunden noch für eine Stunde auf den Bolzplatz. Für die nächsten drei Jahre überlegt er sich, eine Zeit lang nach Australien oder in die USA zu ziehen. Dort könnte er in einem neuen Bereich Aldi-Regionalverkaufsleiter werden.

    Der 30-Jährige wirkt jedenfalls zufrieden mit seinem Arbeitgeber: „Mein Job bei Aldi Süd gefällt mir sehr gut und passt zu mir. Die Personalverantwortung so früh und so schnell zu bekommen, dabei aber immer noch flexibel zu sein und ein gutes Gehalt zu bekommen. Das sind die drei Facetten im Beruf, die mir wichtig sind.“

    Lohnt sich der Job als Regionalverkaufsleiter bei Aldi? Nachdem ich Lucas einen Tag lang begleitet habe, ist mein Eindruck: Ja es lohnt sich! Aber den hohen Verdienst bekommt man nicht umsonst.

    Lucas bringt viele Stärken mit, die er wohl kaum erst im Traineeprogramm gelernt hat: sich immer wieder selbst zu motivieren, eigenständig und selbstbewusst auch neue Situationen richtig einzuschätzen und schnell Entscheidungen zu treffen.

    Um in diesem Job glücklich zu werden, muss man es nicht nur wollen, sondern auch Spaß daran haben, die Aldi-Mitarbeiter durch ihren Berufsalltag zu leiten.

    Mehr: SAP-Manager: Führungskräfte sollten niemals alle Punkte in Stellenausschreibungen erfüllen

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