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Reisekonzern Chinesischer Aktionär Fosun stützt Thomas Cook beim Condor-Verkauf

Für den chinesischen Großaktionär war das Investment in Thomas Cook ein Verlustgeschäft. Doch Fosun hat offenbar noch immer Vertrauen in die Briten.
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Dem langjährigen Verlustbringer bescherte Fosun den Turnaround. Quelle: Martin/Le Figaro Magazine/laif
Urlaubs-Resort Club Med

Dem langjährigen Verlustbringer bescherte Fosun den Turnaround.

(Foto: Martin/Le Figaro Magazine/laif)

Berlin Die Verzweiflung könnte größer sein. Vor vier Jahren stieg der chinesische Mischkonzern Fosun mit 150 Millionen Euro beim britischen Touristikriesen Thomas Cook ein, um den Anteil in den folgenden Jahren auf 16 Prozent zu verdreifachen. Ein Investment, das vordergründig als Verlustgeschäft endete.

Mehr als vier Fünftel des ursprünglichen Investments bei der Neckermann-Mutter durfte Milliardär Guo Guangchang mit seiner Holding bis heute abgeschrieben haben. Thomas Cook leidet wegen hoher Verluste und einer überbordenden Verschuldung an der Börse unter Schwindsucht.

Umso mehr erstaunlich, dass die Chinesen Thomas-Cook-Chef Peter Fankhauser nun das ungebrochene Vertrauen aussprechen. Dieser will mit neuen Plänen den britischen Konzern vor dem Aus bewahren – zum zweiten Mal seit 2013. „Wir denken, dass es für Thomas Cook eine gute Entscheidung ist, das Airline-Geschäft zu verkaufen“, sagte jetzt Jim Qian, Vorstandschef von Fosun Tourism, dem Handelsblatt. „Wir unterstützen das.“

Die Stimme des 57-jährigen Chinesen dürfte bei Thomas Cook Gewicht haben. Laut der letzten Börsenmeldung vom 14. Februar besitzt kein Investor mehr Aktien an dem Tui-Konkurrenten als Fosun. Zudem kann Qian, der in Essen studierte und für den damaligen Metro-Chef Erwin Conradi das Chinageschäft des Düsseldorfer Großhändlers aufbaute, beachtenswerte Erfolge im Touristikgeschäft zeigen.

Mitte Dezember brachte er Fosun Tourism als Spin-off des Holdingkonzerns Fosun Industries in Hongkong an die Börse – und sammelte damit umgerechnet 378 Millionen Euro ein. Die einstige Mutter, die unter anderem bei Tom Tailor, Wolford oder Hauck & Aufhäuser investiert ist, hält seither nur noch 81 Prozent der Anteile.

Nicht der einzige Erfolg. Obwohl die von Qian geführte Touristikfirma vor gerade einmal neun Jahren erstmals mit Urlaubern in Berührung kam, bewertet sie die Börse aktuell mit 2,2 Milliarden Euro, dem Vierfachen des Pauschalurlaub-Erfinders Thomas Cook.

Zudem führte Qian seinem Londoner Kollegen Fankhauser vor, wie man binnen kurzer Zeit einen spektakulären Turnaround schafft. Im Frühjahr 2015 hatte Fosun für den traditionsreichen Urlaubsanbieter Club Med nach langer Bieterschlacht 939 Millionen Euro gezahlt, obwohl der von Präsidentensohn Henri Giscard d‘Estaing geführte Resortbetreiber hartnäckige Verluste einfuhr.

Allein im Jahr der Übernahme klaffte eine Lücke von 12,5 Millionen Euro. Doch schon 2016 kehrte Club Med unter dem neuen Eigentümer in die schwarzen Zahlen zurück, 2017 blieb unter dem Strich sogar ein Netto-Betriebsgewinn von umgerechnet 61,4 Millionen Euro.

Club-Med-Erfolgskonzept auch für Thomas Cook

Teile des Erfolgsrezepts könnten nun auch für Thomas Cook funktionieren. „Wir haben in Club Med stark investiert“, berichtet Fosun-Spitzenmanager Qian, „sowohl in die Aufwertung der Standorte wie in die Expansion.“ Seit der Übernahme kamen neun Resorts hinzu, sodass der Zukauf nun über 69 Standorte verfügt. Zudem lotste Fosun Touristen aus China in die Resorts.

Buchten vor neun Jahren gerade einmal 20.000 Urlauber aus dem Reich der Mitte, verzehnfachte sich deren Zahl bis zum vergangenen Jahr. Ähnlich soll es nun auch bei Thomas Cook vorangehen. Die Erlöse aus dem Verkauf der Airlines, so Fankhausers Plan, sollen insbesondere in die konzerneigenen Hotels wandern. Laut Agenturberichten hat er bereits Credit Suisse, Morgan Stanley und Merrill Lynch beauftragt, mögliche Käufer für das Fluggeschäft zu identifizieren.

Doch anders als Großaktionär Fosun zeigen sich Analysten gegenüber dem geplanten Deal bislang skeptisch. Um ein nachhaltiges Gewinnwachstum zu ermöglichen, glauben etwa die Experten von UBS, müssten die Verkaufserlöse bei einer Milliarde Pfund liegen – ein aus ihrer Sicht kaum realisierbarer Preis.

Dennoch kaufte Fosun kurz nach der Ankündigung der Airline-Pläne Thomas-Cook-Aktien nach, während die Briten als Partner immer wichtiger werden. Per Joint Venture startete Fosun Ende 2016 mit ihnen eine Thomas-Cook-Reisebürokette in China – mit reichlich Erfolg, wie Qian vorrechnet. „Die Buchungszahlen von 2017 haben sich dort 2018 verachtfacht“, berichtet er stolz.

Die Kooperation zwischen Fosun Tourism und Thomas Cook soll weitere Früchte tragen. Erst vor wenigen Tagen vereinbarte man, gut die Hälfte der Erlöse aus dem Börsengang in zwei chinesische Gemeinschaftsprojekte zu investieren. So soll in der Nähe von Schanghai ein Resort unter der Thomas-Cook-Marke „Sunwing“ entstehen, ein Konzept, das vor allem Familien anspricht.

Neues Lifestyle-Resort in China geplant

Ein weiteres Projekt, dessen Eröffnung ebenso Ende 2020 geplant ist, planen die Joint-Venture-Partner im Südwesten Chinas. Dort soll ein „Casa Cook“ als Lifestyle-Resort an den Start gehen. Nur: Allein auf Thomas Cook verlassen will sich Fosun Tourism bei seiner Expansion nicht. Neben dem Megaresort Atlantis Sanya, das vergangenen April in der Provinz Hainan öffnete, sollen weitere Partnerschaften in Europa die Erlöse sichern.

„Wir sprechen mit globalen Unternehmen“, sagte Qian dem Handelsblatt. „Wenn es passt und sie ihr China-Geschäft ausbauen wollen, investieren wir.“ Spruchreif sei noch nichts, auch organisch wolle man wachsen. Qian geht es darum, Landsleuten attraktive Urlaubsmöglichkeiten in Europa zu bieten.

„60 Prozent der chinesischen Auslandsreisenden sind heute jünger als 30 Jahre“, hat er ermitteln lassen, „und vielen reichen die üblichen Pauschalangebote nicht mehr.“ Gefragt seien zunehmend individualisierte Reisemöglichkeiten.

Was das für seinen Konzern bedeutet, sagt Qian in offenen Worten: „Wir brauchen mehr Partner in Europa.“

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