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Reisekonzern Tui meldet Gewinneinbruch und zahlt weniger Dividende

Der Gewinn des weltgrößten Reisekonzerns bricht drastisch ein. Die Ursache dafür ist nicht nur das Flugverbot für die Boeing 737 Max.
11.12.2019 - 14:17 Uhr Kommentieren
Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte der weltgrößte Reiseveranstalter gleich zweimal seine Aktionäre schockiert. Quelle: obs
Tui

Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte der weltgrößte Reiseveranstalter gleich zweimal seine Aktionäre schockiert.

(Foto: obs)

Düsseldorf Der weltgrößte Reisekonzern Tui hat im Geschäftsjahr 2019 (30. September) deutlich weniger Gewinn gemacht als im Vorjahr. Belastet vom Flugverbot für den Mittelstreckenjet Boeing 737 Max sackte der Nettogewinn von 727 Millionen auf 416 Millionen Euro ab – ein Minus von 42,8 Prozent, wie der Konzern am Mittwoch in Hannover mitteilte. Der um Sondereffekte bereinigte operative Gewinn (bereinigtes Ebita) fiel um knapp 22 Prozent auf 893 Millionen Euro.

Zuvor hatte Tui schon mitgeteilt, die Dividendenpolitik umzustellen. Der Touristikkonzern will ab dem kommenden Jahr 30 bis 40 Prozent des bereinigten Überschusses an die Aktionäre ausschütten. Dabei sollen 0,35 Euro je Aktie nicht unterschritten werden. Für 2019 schlägt das Management 54 Cent je Aktie vor nach 72 Cent für 2018.

Bislang orientierte sich die Dividende an dem Wachstum des bereinigten operativen Gewinns (Ebita). Analysten hatten zuletzt im Schnitt mit einem Gewinn pro Aktie von 66 Cent gerechnet. Die Aktie reagierte am Mittwoch zunächst mit einem Abschlag von knapp zwei Prozent.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte der weltgrößte Reiseveranstalter gleich zweimal seine Aktionäre schockiert. Anfang Februar reduzierte Vorstandschef Fritz Joussen die Ertragsaussichten, weil Urlauber einen Bogen um die überteuerten Spanien-Angebote des Konzerns machten. Nur wenige Wochen später folgte eine weitere Gewinnkorrektur nach unten.

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    Diesmal lag der Grund beim Flugzeughersteller Boeing. Von ihm hatte sich Tui 15 Maschinen des Mittelstrecken-Modells 737 Max liefern lassen, denen nach zwei verheerenden Absturzunglücken weltweit die Starterlaubnis entzogen wurde. Und das bis heute.

    In der Folge sah sich der Hannoveraner Urlaubskonzern gezwungen, zu hohen Kosten Ersatzflieger zu ordern. Der Ertrag vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita), im Vorjahr noch knapp 1,2 Milliarden Euro, werde im Geschäftsjahr 2018/19 deshalb um 17 bis 26 Prozent niedriger ausfallen, hatte Joussen angekündigt.

    Ungelöste Fragen

    Der Aktienkurs sackte daraufhin bis Anfang Juni auf 7,87 Euro ab – und damit unter den Stand beim Führungswechsel im Februar 2013. Beim Amtsantritt Joussens hatte die Aktie noch 8,34 Euro gekostet.

    Inzwischen hat sich der Kurs etwas erholt. Am Mittwochnachmittag lag er bei knapp 11 Euro. Neue Hoffnungen gibt es für Tui, seitdem der umsatzstärkste Rivale Thomas Cook Ende September das Insolvenzverfahren beantragte – und inzwischen weitgehend aufgelöst ist.

    Allein in Deutschland gibt es seither einen Marktanteil von rund 15 Prozent zu verteilen, was den verbliebenen Veranstaltern ein kräftiges Zusatzgeschäft verspricht. So kündigte Alltours-Chef Willi Verhuven bereits vor einigen Tagen an, sein Düsseldorfer Urlaubskonzern plane für das soeben begonnene Geschäftsjahr mit einem Buchungsplus von 20 Prozent.

    Grafik

    Für Tui allerdings gibt es insbesondere in Deutschland weiterhin ungelöste Fragen. So sicherten die Hannoveraner bislang Kundenanzahlungen über die Tochterfirma DRS ab. Doch anstatt Prämien zu zahlen, um der gesetzlichen Versicherungspflicht nachzukommen, verhandelte Tui mit der Rewe-Tochter DER Touristik eine Absprache: Für den Fall einer Insolvenz, lautete der Deal, gewährte man sich gegenseitig eine Bürgschaft.

    Damit ist auf Drängen der Finanzaufsicht Bafin spätestens am 22. Dezember Schluss, wie das Handelsblatt erfuhr. Die Absicherung sei unzureichend, mahnte die Behörde, der Reisesicherungsschein für den Buchungskunden nicht hinreichend gedeckt.

    Am Ende wird Tui (wie auch DER Touristik) deshalb kaum etwas anderes übrigbleiben, als eine Rückversicherung zu bemühen. Deren Prämienforderungen aber machen die Pauschalreisen teurer – und weniger wettbewerbsfähig.

    Mehr: Viele Thomas-Cook-Pauschalreisende drohen nach der Pleite auf dem Schaden sitzenzubleiben. Nun will die Bundesregierung helfen.

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