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Retouren Was Onlinehändler mit zurückgeschickten Paketen machen

Nicht immer können Händler verhindern, dass Retouren vernichtet werden müssen. Doch für viele Waren gibt es bessere Lösungen.
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Ganze 70 Prozent ihrer Retouren werden von den Onlinehändlern wieder aufbereitet und als Neuware in den Verkauf genommen. Quelle: dpa
Paketestapel

Ganze 70 Prozent ihrer Retouren werden von den Onlinehändlern wieder aufbereitet und als Neuware in den Verkauf genommen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEs war einer der großen Aufreger im vergangenen Jahr. „Amazon vernichtet massenweise Neuware“ titelten Medien unter Berufung auf Mitarbeiter des Onlinehändlers. Staatssekretär Jochen Flasbarth aus dem Bundesumweltministerium zeigte sich „schockiert“ und sprach von einem „Skandal“.

Doch der tatsächliche Alltag in den Lagern der Onlinehändler sieht anders aus. Zwar werden tatsächlich auch Retouren vernichtet – aber nur zu einem kleineren Teil und als letzte mögliche Lösung. Umfragen der Handelsforscher vom EHI Retail Institute unter Onlinehändlern zeigen, dass sogar 70 Prozent der Retouren so aufbereitet werden können, dass sie wieder als Neuware in den Kreislauf gehen.

Auch Amazon selbst räumt ein, dass das Unternehmen nicht immer vermeiden kann, zurückgeschickte Artikel zu vernichten. Doch schon im eigenen Interesse versucht es alles, sie doch noch zu verkaufen. „Jede Rücksendung an Amazon durchläuft eine strenge Inspektion, wird qualitätsgeprüft, falls erforderlich repariert, neu verpackt und wann immer möglich weiterverkauft“, sagt ein Unternehmenssprecher.

Sollte sie nicht mehr als Neuware verwendbar sein, hat Amazon viele Kanäle, über die Artikel vermarktbar sind.

So gibt es bei dem Onlinehändler eine eigene Kategorie „Warehouse Deals“. Dort wird Ware verkauft, die beispielsweise leicht verkratzt ist oder bei der auch nur der Originalkarton nicht mehr komplett unversehrt ist. Ein Teil wird an gewerbliche Verwerter von Restposten verkauft.

Außerdem gibt Amazon unverkäufliche Ware kostenlos ab an Spendenplattformen wie „Innatura“, die Amazon seit 2013 als Gründungsmitglied unterstützt. „Auf diesem Weg haben bereits rund 500 soziale Einrichtungen von Amazon-Spenden profitiert“, betont der Amazon-Sprecher.

Die Spenden umfassten etwa Spielzeug, Schuhe, Kleidung oder Drogerie-Artikel. Marktplatzexperte Mark Steier schätzt, dass gerade mal ein Prozent der Retouren bei Amazon vernichtet wird, weil die Produkte nicht mehr anderweitig verwendet werden können.

Vernichtung auf Druck der Händler – oder aus Steuergründen

In vielen Fällen können Onlinehändler gar nicht anders, als Ware zu vernichten. Beispielsweise dürfen sie sich Ware, deren Mindesthaltbarkeitsdatum in Kürze abläuft, nicht mehr ins Lager legen. Auch zurückgeschickte Hygieneartikel, die nicht mehr versiegelt sind, dürfen nicht mehr verkauft werden. Auch Artikel, bei denen die Kosten der Aufbereitung oder Reparatur den Wert übersteigen, wird jeder Händler entsorgen.

Gerade bei neuen Elektrogeräten, die einen Defekt haben, lehnen die Hersteller häufig eine Rücknahme ab. Sie verpflichten die Händler, die Ware dem Kunden zu ersetzen und das Gerät zu entsorgen. In solchen Fällen bitten Händler die Kunden oft, das kaputte Gerät gar nicht erst zurückzuschicken. In der EHI-Umfrage gab ein Drittel der Händler an, von dieser Option bereits Gebrauch gemacht zu haben.

Auch wenn sich ein Staatssekretär schockiert zeigt, fördert sogar der Staat die Vernichtung von Ware im Lager – durch das Steuerrecht. Wenn sich Händler nicht verkäufliche Ware jahrelang ins Lager legen, müssen sie diese als Inventar abschreiben. Wird sie zerstört, kann sie dagegen sofort als Totalverlust verbucht werden. Wenn der Händler sie jedoch spendet, muss er sogar Umsatzsteuer dafür zahlen.

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