Rewe, Edeka, Aldi und Lidl Gammelobst- und Gemüse im Supermarkt

„Besser leben“, „Wir lieben Lebensmittel“ oder „Super frisch“ – so werben die Händler für ihre Produkte. Doch die Wirklichkeit sieht oft anders aus, wie Recherchen des NDR ergeben haben. Das Ergebnis alarmiert Experten.
Wir lieben Lebensmittel? Damit scheinen es einige Händler in Deutschland wohl nicht ganz so genau zu nehmen, wie Recherchen des NDR ergeben haben. Quelle: Caro / Sorge
Schimmelpilze auf Resten von Quitten

Wir lieben Lebensmittel? Damit scheinen es einige Händler in Deutschland wohl nicht ganz so genau zu nehmen, wie Recherchen des NDR ergeben haben.

(Foto: Caro / Sorge)

DüsseldorfBei dieser Pressemitteilung, die das NDR-Fernsehen verschickt hat, vergeht einem der Appetit: In vielen Supermärkten und Discountern wird Obst und Gemüse angeboten, das verdorben ist und nach den Anforderungen des Lebensmittelrechts eigentlich überhaupt nicht mehr verkauft werden dürfte. Das haben Recherchen des Verbraucher- und Wirtschaftsmagazins „Mark“" ergeben. In 15 von 17 getesteten Märkten wurde vergammelte Ware verkauft. Das Ergebnis alarmiert Experten für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschützer und ist leider auch nicht neu. Immer wieder fallen Supermärkte negativ auf.

Reporter haben in einer Stichprobe 17 Märkte von Rewe, Edeka, Aldi und Lidl besucht, die für ihre Produkte mit Slogans wie „Besser leben“, „Wir lieben Lebensmittel“ oder „Super frisch“ für ihre Produkte werben. Doch die Wirklichkeit, das haben die Recherchen ergeben, sieht oft anders aus: So liegen in den Obst- und Gemüseabteilungen viele gammelige oder schimmelige Paprika, Tomaten, Gurken, Auberginen, Mandarinen, Zitronen und Salat. Häufig soll die verdorbene Ware auch noch den ganzen Tag in den Regalen gelegen haben, ohne ausgeräumt zu werden. Und selbst am darauffolgenden Tag wurden in manchen Märkten dieselben nicht mehr verkehrsfähigen Produkte noch zum Verkauf angeboten – angeblich als tagesfrische Ware.

Das ist die Mogelpackung des Jahres
Negativpreis
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Die Verbraucherzentrale Hamburg verleiht den Negativpreis Mogelpackung des Jahres seit 2013. An der Wahl 2016 nahmen insgesamt 26.132 Verbraucher teil, sechs Mal so viele wie im vergangenen Jahr. 2014 erhielt die Windelmarke Pampers von Procter & Gamble den Negativpreis. Diese Produkte waren in diesem Jahr nominiert...

Nominiert: „Dentagard“ von Colgate-Palmolive
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Der Konsumgüterriese hat im vergangenen Jahr die Füllmenge seiner Dentagard-Zahnpasta von 100 Milliliter auf 75 Milliliter reduziert. Doch die Tube sei weiterhin in den meisten Drogerien und Supermärkten zum gleichen Preis verkauft worden, sagen die Verbraucherschützer. Der geschrumpfte Inhalt entspreche einer versteckten Preiserhöhung von 33,3 Prozent.

Nominiert: „Herta Finesse Schinken“ von Nestlé
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Auf den ersten Blick wurden die Schinkenspezialitäten von Herta sogar billiger. Statt 2,19 Euro oder 2,29 Euro kosteten sie laut Verbraucherzentrale nur noch 1,89 Euro oder 1,99 Euro. Gleichzeitig sei die Füllmenge der neuen Packungen aber drastisch reduziert worden – von 150 auf 100 Gramm. Dadurch ergebe sich eine Preiserhöhung von rund 30 Prozent.

Nominiert: „Curry Ketchup“ von Heinz
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Bei der sogenannten Kopfsteher-Flasche seines Curry Ketchups hat das Unternehmen die Füllmenge von 500 auf 400 Milliliter reduziert. Da gleichzeitig auch der Preis etwas gestiegen sei, entspreche das einer versteckten Preiserhöhung von bis zu 28 Prozent, beklagen die Verbraucherschützer. Zudem sei die ganze Palette der verschiedenen Heinz-Kopfsteherflaschen kleiner geworden.

Nominiert: „Jacobs Latte macchiato classico“ von Jacobs Douwe Egberts
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Der Kaffeekonzern hat die Füllmenge der Kapselpackung um fast die Hälfte reduziert. Sie sank von 475,2 auf 264 Gramm. Außerdem hat das Unternehmen laut den Verbraucherschützern statt echter Milch in Form von Vollmilchkonzentrat nun „Mogelmilch“ verwendet. Diese werde aus Sahneerzeugnis, Milchproteinen, Milchmineralien und Wasser zusammengefügt und von Verdickungsmittel zusammengehalten.

Der Sieger: „Bebe Zartcreme“ von Johnson & Johnson
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Die Mogelpackung des Jahres ist nach Ansicht von Verbrauchern die Bebe Zartcreme. In einer Online-Abstimmung der Verbraucherzentrale Hamburg votierte knapp ein Drittel von insgesamt mehr als 26.000 Verbrauchern für das Kosmetikprodukt aus dem Hause Johnson & Johnson, wie die Verbraucherschützer am Montag mitteilten. Die Bebe Creme ist ihren Angaben zufolge durch neue Füllmengen um bis zu 84 Prozent teurer geworden.

Der Verbraucherschützer Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg zeigt sich über die Rechercheergebnisse von „Markt“ alarmiert: „Dem Verbraucher werden 'unsichere Lebensmittel‘ verkauft, die man auf keinen Fall verzehren sollte. Ein Verzehr solcher Produkte kann gesundheitliche Risiken haben. Die Märkte haben ihre Sorgfaltspflicht vernachlässigt, denn die Lebensmittel entsprechen nicht den Anforderungen des Lebensmittelrechts.“

So reagieren die Händler auf die Kritik
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